Blödsinn, mal musikalisch

Nur, damit das hier einmal explizit klargestellt sei: Blödsinn ist toll. Man könnte es auch Albernheit nennen. Es bezeichnet den Augenblick, in dem meine Gedanken zu rasen beginnen und der Blogbeitrag mit mir durchgeht.

Selbst meine Motzbeiträge funktionieren auf diese Art und Weise. Ich bemühe mich, nicht wehleidig zu werden, sondern einen versöhnlichen Abschluss zu finden. Wenn das nicht gelingt, lasse ich den Fingern freien Lauf und hoffe, dass der Blogbeitrag sich am Ende selbst karikiert, dass er vor lauter überzogenem Geschimpfe so lächerlich wirkt, dass der Leser nur noch lachen kann.

Meistens versuche ich mich aber von vorneherein als Klassenkasper meiner kleinen Bloggerwelt. Das funktioniert nicht durchgängig, weil ich einen beklagenswerten Mangel an Humor besitze. Nehmen wir den einfachen Witz „Treffen sich zwei Jäger im Wald, beide tot.“ Während der Mensch mit Humor zumindest über den Versuch lacht, einen Witz erzählt zu bekommen, beweine ich das Schicksal der beiden Jäger und stelle mir die Frage, was aus den Hinterbliebenen wird, ob die bedauernswerten Witwer auf ewig ins Tierheim müssen oder ob sie kinderlieb genug für eine Weitervermittlung in eine Familie sind. Außerdem bin ich voll nachdenklichen Ernstes. Das war ein hartes Stück Arbeit, weil der Ernst sich Heidegger und einer Spielart der Phänomenologie verschrieben hat, die schwer verständlich und verdaulich ist, aber ich habe ihn heruntergewürgt. Und egal was in dem Artikel zum Thema „Analytische Philosophie“ steht, in seinem Alterswerk, das mir besonders schwer im Magen liegt, kommt der Heidegger besonders stark durch, denn da wird aus Ernst Mythos und Verwirrung.

Doch worauf will ich jetzt eigentlich hinaus, fragt ihr euch, mit dem Beitragstitel habe ich noch nicht wirklich etwas zu tun. Ich habe etwas über Blödsinn geschrieben, ohne ihn zu praktizieren und ohne dessen Wert herauszustellen und musikalisch ist es auch noch nicht geworden. Blödsinn lässt sich aber nun einmal nicht praktizieren, Blödsinn ist eine Haltung zur Welt. Nur wer die Welt nicht ernst nimmt, kann sie verändern. Ernsthaftigkeit ist der kleine Bruder von Alternativlosigkeit. Und Alternativlosigkeit ist der fiese Typ auf dem Schulhof, der eure Kinder verprügelt.

Das geklärt, stellt ihr euch wahrscheinlich die Frage: Lieber Zeilenende, wie werde ich denn nun blödsinnig? Nunja, sagt euer neuer Guru, es gibt den leichten und den schwierigen Weg. Der leichte wäre es, mir all euer Geld zu überweisen. Das wäre ziemlich blödsinnig, davon könntet ihr jahrelang zehren. Aber andererseits bedeutet leichter nicht zugleich stärker, es ist nur verführerischer, wie ein Großmeister des Blödsinns einmal treffend gesagt hat.

Bleibt nur der schwierige Weg: Es einfach mal ausprobieren, Blödsinn zu machen. Und jetzt kommt die Musik ins Spiel: Manche Musik ist höherer Blödsinn. Ich spreche nicht von diversen Ballermanngestalten, das ist musikalische Armseligkeit. Ich spreche auch nicht von Alexander Markus, das ist schon die Meisterschule des Blödsinns.

Da kommen wir irgendwann einmal hin, da bin ich mir sicher, aber bis dahin empfehle ich einfache Vorübungen. Musik ist dafür dennoch sehr geeignet. Ihr braucht dafür nur zwei einfache Zutaten und das entsprechende Equipment. Ihr braucht ein Lied, das irgendwie erhaben ist, ergreifend oder sonstwie aufgeladen. Sagen wir mal „Stars and Stripes forever“, ein grässlich patriotisches Stück Musik. Dann braucht ihr eine Orgel. Orgeln, das sind die großen glänzenden Dinger in Kirchen, an denen Dilettanten geistliche Musik vergewaltigen jedes Lied, sofern der Organist Talent besitzt, getragen, erhaben, entrückt und irgendwie wichtig klingt. Damit sind die beiden Zutaten schon beisammen. Habt ihr sie, stopft ihr sie in eine Wurlitzer und aus dem patriotischen Lied, gespielt am ergreifenden Organ (Ha, ein Wortwitz!) wird: Blödsinn, der Spaß macht.

Ihr glaubt nicht, dass das so einfach geht? Ihr meint, dass der Zeilenende einen Knall hat? Dann hört mal genau hin. Der Klang und die Special Effects der Wurlitzer-Orgeln, von Kino-Orgeln insgesamt, vertreibt nicht nur zuverlässig schlechte Laune, man möchte auch sogleich mitsingen, aber wenn man ansetzt, kommt einem nicht

Hurrah for the flag of the free.
May it wave as our standard forever

über die Lippen, sondern man beginnt 1) mitzuklatschen und gröhlt 2)

Wir trinken das schäumende Bier
Und scheißen dem Wirt auf die Theke

Ihr seid noch nicht überzeugt? Dann hört euch noch die folgenden beiden Stücke an:

Bämm! Aus der Mutter aller Filmeröffnungen wird was zum Lachen.

Und wer nach dem hier nicht selbst das kindliche Verlangen spürt, an einer Kinoorgel Blödsinn zu treiben, dem kann ich auch nicht helfen. Dieses „Instrument“ macht einfach Spaß.

9 Kommentare zu „Blödsinn, mal musikalisch

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