Freier Sonntag

Willkommen zur Rückkehr zweier mir gleichermaßen lieber wie vernachlässigter Routinen: Der sonntags geschriebene Sonntagsbeitrag und das Brotbackbild. Brote habe ich natürlich auch in letzter Zeit gebacken, aber Brotbilder und Sonntage gehören bei mir zusammen, deshalb gibt es Brotbackbilder nur an freien Sonntagen.

Sonntags zu arbeiten ist nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich arbeite gern sonntags. Ich habe keine Kinder, mit denen ich Zeit verbringen könnte (müsste?), ich habe nur eine Familie, die des Sonntags das Haus besetzt. Wenn ich am Sonntag arbeite, muss ich nicht erst lieb fragen, bevor ich fernsehen darf und im Gegenzug habe ich unter der Woche einen freien Tag, an dem der Rest der Familie mit dem Alltag okkupiert ist und im Lesesessel Ruhe herrscht.
Der zweite Grund, warum Sonntagsarbeit toll ist, liegt ebenso auf der Hand: Ich langweile mich an diesem ruhigen Tag häufig. Viele Einrichtungen haben geschlossen, einkaufen geht bspw. nicht. Kultureinrichtungen sind geöffnet, aber Sonntags häufig überlaufen, weil alle Welt frei hat und ihre Langeweile durch einen Ausflug bekämpfen will. Gern in Begleitung vieler Kinder. Wenn es sich vermeiden lässt, besuche ich Museen, Kirchen, Schlösser aber, wenn ich nicht um den besten Platz vor dem Exponat kämpfen muss und einem wesentlichen Teil meiner Arbeit (besagten Kindern) nicht über den Weg laufe.
Der dritte Grund hängt ebenfalls damit zusammen, dass alle Welt sonntags frei hat, aber aus meiner Perspektive als arbeitende Bevölkerung. Die Bibliothekskundschaft hat frei und ist tiefenentspannt. Gerade sonntags haben wir viel Stammkundschaft. Morgens kommen vornehmlich alleinstehende älteren Herrschaften, die erst die Sonntagszeitung lesen und dann im Café frühstücken sind immer sehr höflich. Überhaupt: Niemand streitet, weil er oder sie angeblich zu unrecht angemahnt worden sei, man muss sich keine Märchen anhören, wieso man vergessen hat, ein Medium zu verlängern. Keine Erklärungen, dass man keine Ahnung hat, wie der halbe Liter Kakao über das Buch geflossen ist und das „Können Sie nicht mal schneller machen, ich habe noch einen Termin!“ vom Kunden in der Warteschlange hört man auch nicht. Eine Neuaufnahme braucht seine Zeit und Neukunden haben ein Recht darauf, dass man ihnen den Aufbau und die Services der Bibliothek erklärt. Schneller gibt es nicht.
Damit man mich nicht missversteht: Ich finde das Sonntagsruhegebot als gesellschaftliche Institution super. Den meisten Menschen, egal ob als Arbeitnehmer oder Kunde, tut dieser verordnete Ruhetag gut. Vielleicht ist es ihnen nicht bewusst, aber der Staat markiert damit nicht nur ein Recht auf Freizeit, er stutzt auch die Ansprüche der Konsumgesellschaft und eröffnet damit Freiräume. Selbst wenn man den Sonntag für banale Dinge wie das Aufräumen des Kleiderschranks benutzt: Indem der Staat uns gewisse Optionen nimmt, eröffnet er uns neue, jenseits einer kapitalistischen Logik. Solche, die bedauerlicherweise zu kurz kommen, wenn man aus unzähligen Konsumoptionen wählen muss. Er zeigt: Ein anderes Leben als das des Arbeitnehmers und Konsumenten ist möglich und nötig.
Die meisten Menschen sind allerdings auch in soziale Kontexte eingebunden, die einen gemeinsamen freien Tag wie ein Geschenk wirken lassen. Das ist derzeit bei mir nur begrenzt der Fall. Ich bin vor anderthalb Jahren davon ausgegangen, nicht lang hier wohnen zu bleiben. Dementsprechend habe ich mehr Energie in den Beruf und meine Solo-Hobbys investiert, statt mir eine Rollenspielgruppe zu suchen, die ich nach kurzer Zeit wieder verlassen muss. Derzeit suche ich deutschlandweit einen neuen Job, es besteht also zumindest Hoffnung, dass sich das Interim „bei der Familie wohnen“ bald wirklich erledigt hat. Und wenn ich mehr Planungssicherheit als halbjährliche Vertragsverlängerungen habe, ändert sich meine Sicht auf die ganze Angelegenheit auch wieder. Derzeit bin ich aber dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe, den Sonntag arbeitend nutzen zu können.

Nun zu Ernsterem, es ist Sonntag, also gibt es Brot!

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Rechterhand ist ein Weizen-Dinkel-Mischbrot. Eigentlich ist das eine meiner Lieblingsmischungen und führt zu ansehnlichen Laiben, in den letzten Wochen habe ich aber ein Problem mit der Teigspannung. Ist der Laib geformt, fühlt er sich schön straff an, auch wenn der Teig in letzter Zeit trotz wenig Wassers ziemlich flüssig ist. Nach der Gare läuft das Brot dennoch breiter als ich es gern hätte. Nur ein Schönheitsmakel, aber ich verstehe nicht, woran es liegt. Dieses Mal habe ich etwas Weizenvollkornmehl hinzugegeben, damit es weniger flüssig wird, aber geholfen hat es nicht. Ich bastel daran.
Linkerhand ist ein Roggenbrot mit Körnermischung. Der Discounter mit dem großen A hatte was im Angebot, bestehend aus Kürbiskernen, Sesamsaat, Sonnenblumenkernen und … habe ich vergessen. Meistens mische ich mir die Kerne selbst zusammen. Der Nachteil ist, dass man lauter kleine Beutel angebrochen im Vorratsschrank liegen hat, also habe ich zugegriffen. Da mir das Mischungsverhältnis nicht zusagt (zu viel Sesam), verbacke ich noch die Reste und mische zukünftig wieder selber. Bei der Farbe habe ich übrigens nachgeholfen. Ich habe für ein Brot nach Rezept einmal Gerstenmalzextrakt gebraucht. Das angebrochene Glas steht nun ebenfalls im Vorratsschrank herum, also setze ich meinen Roggenbroten immer mal wieder einen Löffel zu. Auf Brot schmeckt es mir nämlich nicht.

P.S.: Wenn jemand einen Job für einen Berufseinsteiger (Geisteswissenschaftler) mit vielen Talenten und erster Berufserfahrung in verantwortlicher Position hat, nur her damit. 😉

8 Kommentare zu „Freier Sonntag

  1. Genau dem heutigen Trend entsprechend: nimm eins – krieg zwei….soviel Input ( na ja…aus Deiner Sicht eher Output ) in einem Artikel…wow 😀

    So wie es aussieht backst Du freigeschobenes Brot – warum nicht in einer Form wo DU bestimmst welche Form das Brot später hat ( denn Davonlaufen ist nicht )?

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    1. Ich bin halt Marketing-Experte. Wobei der Sonntagsbeitrag immer wenn ich Zeit habe „Wort zum Sonntag“ + Brot ist. Was die Formen angeht: Ich kann eigentlich frei geschoben. 🙂 Genau genommen bin ich mit Broten, die ich in Spring- und Auflaufformen gebacken habe, nie zufrieden gewesen und im Kasten backe ich nur Paderborner, da wird mir die Kruste nicht rösch genug. Die Familie erträgts mit Humor, hat sie wenigstens nen Grund zum Sticheln.

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  2. Als ich das Foto sah, wußte ich sofort: das ist Zeilenende! 🙂 Nicht dass das jetzt Dein Markenzeichen ist. Aber Menschen, die Brotbacken, finde ich einfach sympathisch. Sie nutzen außer ihrem Hirn auch ihre Hände. Die angefangenen Beutelchen kenne ich auch – ich koche gern, auch experimentell. Schon als Kind habe ich Sauerkraut mit Schokoladenstreusel versucht…… Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und -Augen auf bei der Jobsuche!!! – 🙂

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    1. Naja, eine Zeitlang war der Brot-Sonntag ja mein Markenzeichen, neben der Montagsfrage am Dienstag und den Besprechungen am Donnerstag. Letztere kommen übrigens auch wieder, aber momentan lese ich hauptsächlich Fachbücher und einen Band Kant habe ich auch noch.
      Danke jedenfalls für das Kompliment und die guten Wünsche. Ich geh jetzt mal Schokoladenstreusel suchen … Sauerkraut habe ich noch. 🙂

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