Schiet!

Es gibt Phasen im Leben, in denen nichts ineinander greift. Alles, was man anpackt, misslingt. Solche Phasen gibt es wohl immer im Leben, auch wenn sie mich ärgern. Mir gelingt nämlich das meiste von dem, das ich anpacke. Ich bin ein Glückskind. Rückschläge sind ein Ärgernis, weil ich sie nicht einplane (und – wenn auch zumeist erfolgreich – neu ansetze) und sie ärgern mich doppelt, wenn sie das Resultat anderer Leute Handlungen sind.


Momentan habe ich so eine Phase. Ich halte mich so mit dies und dem über Wasser, mache Ausflüge und suche mir neue Hobbys. Dennoch ist es manchmal zum – Pardon – Kotzen. Der Tag beginnt damit, dass ich kaum aus dem Bett komme und wie ein Zombie durch die Gegend torkele. Schon zu dieser frühen Stunde frage ich mich, wie das in anstehenden arbeitsreicheren Wochen werden soll. An dem einzigen freien Tag in nächster Zeit wartet der Zahnarzt mit seiner jährlichen Prophylaxe. Auch wenn mein Zahnarzt super ist, lustig ist das für mich nie.
Es geht weiter mit dem Sportprogramm, bei dem ich so verkrampft bin, dass ich eher die Geräte verschiebe als die korrekten Muskelgruppen belaste. Frisch verdrossen stelle ich fest, dass das Zwiebelbrot zum Frühstück bitter schmeckt und der Kontrollgang im Garten offenbart, dass die Physalis gebrochen und der einzige Kürbis faul ist. Es macht manchmal echt keinen Spaß.
Auf der Arbeit gehen die Hiobsbotschaften weiter. Keine Rückmeldung von Leuten, von denen man dringend eine erwartet, kranke Kolleginnen, die meine Laune noch weiter herunterziehen. Neben den akuten Problemen noch eine Absage auf meine Bewerbung um einen Studienplatz zu Fortbildungszwecken. Letzteres liegt mir schon seit drei Wochen auf dem Gemüt. Aber die Chefin wusste noch von nichts. Ich sitze also in ihrem Büro, um sie auf den neuesten Stand zu bringen: Von denen noch nichts gehört, die rühren sich auch nicht und im Übrigen haben wir diese Absagen. Achja, und das mit meiner Bewerbung um den Studienplatz ist erstmal auch nichts geworden.

Sie guckt mich an und sagt nur ein Wort. „Schiet.“ Aber nicht als Kritik. „Und mit welcher Begründung?“ Ich erkläre ihr das Zulassungsverfahren, sie schüttelt den Kopf. „Grämen Sie sich nicht, Herr Zeilenende, das mit den Leuten ist so, ich weiß, dass Sie das hinbekommen und die Leute nerven können. Aber das mit dem Studium, ja das ist Schiet.“
Nach dem Gespräch ist es mir leichter und ich weiß einmal mehr, warum ich meine Chefin so liebe. Mit einem Wort hat sie meine für die Arbeit eigentlich unbedeutenden Problemchen zu den großen erklärt und die beruflichen Vorstufen zur Katastrophe beiseite gewischt. „Dann probieren Sie das zum nächsten Semester wieder, dann klappt es bestimmt.“ Tu ich nicht, sondern gehe meinen Weg anders, dazu ein andermal mehr, aber es tut gut, so den Rücken gestärkt zu bekommen und sich als Mensch wertgeschätzt zu fühlen, statt ein Drama aus den (für sie) drängenden Problemen zu machen. Meine Chefin ist die Beste.

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8 Kommentare zu „Schiet!

  1. Ach, Zeilenende, ich kann Dich sooooo gut verstehen. Meine „Schiet“-Phase dauert nun schon seit einigen Jahren an. Ich kenne das morgendliche Zombie-Gefühl nur zu gut (mich begleitet es teilweise den ganzen Tag…). Man sieht jedoch mal wieder, wie aufmunternd ein paar wenige Worte sein können. Wie eine Hand, die Dir kurz vor dem Abtauchen im Moor gereicht wird. Ich halte es da meist mit Münchhausen: Ich ziehe mich an den eigenen Haaren wieder heraus. Dafür habe ich mir meine Haare auch extra wachsen lassen. Die sind jetzt bestimmt schon 6 x so lang wie auf dem Foto. Aber ich kann halt besser reingreifen…. *grins….. Wünsche Dir einen supi-schönen Tag, LG Rita

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    1. Ich bin da auch sehr pragmatisch, ich betrachte das als Herausforderung, mich jetzt neu zu orientieren. Wie ich gelegentlich habe anklingen lassen, sind die eesten Bewerbungen mittlerweile raus, ich bin gespannt, was neues auf mich zukommt.

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