Hurra, ein Baby!

Weil ich heute den ganzen Tag arbeiten werde, gibt es mal wieder keine Brote, aber dafür eine freudige Nachricht: Endlich ist es soweit. Zeilenende hat entbunden! Nach Jahren der Schwangerschaft, dauerhafter Morgenübelkeit und merkwürdigen Gelüsten (Spaghetti mit Bolognese-Sauce, Fritten mit Ketchup, Pellkartoffeln mit Quark) ist das Kind endlich da.

Also eigentlich war es nicht Zeilenende, die Schwangerschaft dauerte nur die vorgeschriebenen neun Monate und Bolognese-Sauce wie Ketchup sind in jeder Kombination ein merkwürdiges Gelüst. Die Sache mit der Morgenübelkeit ist allerdings wahr und hat mich deshalb neun Monate lang leiden lassen.

Irgendwie schon verrückt, oder? Ich habe ja schon zugegeben, dass ich Kinder nicht sonderlich mag, also wenn sie nicht auf Toast daher kommen. Aber meine ehemalige Symbiosepartnerin hat ihr erstes Kind zur Welt gebracht und ich freue mich, als sei ich der Vater. Andererseits haben A. (eine andere A. als meine Ex-Kollegin) und ich sechs Jahre zusammen gewohnt, rumgealbert, gegessen, getrunken, gespielt, uns gegenseitig Serien empfohlen, gestrickt. „Du, Zeilenende, ich hab Kopfweh. Ich setz mich mal ne Stunde vor dein Aquarium und schau den Fischen zu.“ „A., mir fällt grad die Decke auf den Kopf. Ich mach jetzt nen Braten. Gleich Rotwein und Scrabble?“ A. und ich haben uns gesucht und gefunden, zusammen mit unserer 80jährigen Vermieterin, ihrem Hund und dem sporadisch auftauchenden Hausfreund waren wir wohl die kurioseste Hausgemeinschaft zumindest unseres Viertels. Das Jungvolk unten sitzt im Salon und strikt, die Alten oben schlagen nachts um Eins Nägel in die Wand und hängen Bilder auf.

Vor neun Monaten herrschte eine Weile lang Funkstille. Ich gehöre zu der Fraktion, die kein kurzes „Mir geht’s gut, wie geht’s dir?“ in die Welt setzt, zumindest dann nicht, wenn mir die Menschen besonders am Herzen liegen, ich gehöre zur Fraktion „Hirtenbrief“. Meine Facebook-Nachrichten sind manchmal länger als meine Blogbeiträge.

Ich hatte nicht wirklich Zeit, mich zu melden, von ihr kam auch nichts, A. ist ähnlich drauf wie ich. Aber dennoch beschlich mich ein ungutes Gefühl. Dann die Meldung: „Mir geht es momentan ständig mies, aber da muss ich durch: Ich bin schwanger!“ Von da an begann das Bibbern und Zittern. Mutter Zeilenende fieberte noch mehr als ich, fragte gefühlt alle zwei Tage, ob das Baby schon da sei. Ich habe sie dann bei der Hand genommen und ihr erst die Geschichte von den Bienchen und den Blümchen erzählt, anschließend erklärt, dass es danach neun Monate braucht. Sie hat dann sehr verständnisvoll genickt und zwei Tage später gefragt, ob das Baby schon da sei. Ich habe sie dann bei der Hand genommen und ihr erst die Geschichte von den Bienchen und den Blümchen erzählt, anschließend, erklärt, dass es danach neun Monate braucht. Sie hat dann sehr verständnisvoll genickt und zwei Tage später gefragt, ob das Baby schon da sei. Ich habe sie dann bei der Hand genommen und ihr die Geschichte vom Klapperstorch erzählt, dessen Firma leider nicht in Deutschland sitzt und er deshalb nur fünf Euro Stundenlohn bekommt. Das findet der Klapperstorch ungerecht und ist deshalb derzeit im Bummelstreik. Mutter Zeilenende war sichtlich empört und wollte eine Kampagne für bessere Arbeitsbedingungen in der Klapperstorchbranche starten. In Folge dessen fragte sie alle zwei Tage nach, ob ihre Kampagne schon Erfolg gezeitigt habe.

Meine Aufklärung war nicht von Erfolg gekrönt, dabei hat sie drei Kinder zur Welt gebracht und ich nicht. Wahrscheinlich hat sie das Mitleid angetrieben. Sie war jedenfalls sichtlich erleichtert, als das Würmchen endlich auf der Welt war. Und ich habe wieder einen Grund, wieso ich nicht nach Süddeutschland auf Besuch fahren kann, das kriege ich in meinem Terminkalender momentan nicht unter, ich bin ja schon mit der Suche nach einem passenden Geschenk überfordert (außer Nerventee, den habe ich schon eingekauft). Die junge Familie ist zum Glück jetzt erst mal ordentlich eingebunden. Andererseits würde ich A. gern auch mal wiedersehen, gemeinsam Rotwein trinken und Scrabble spielen … Aber das geht ja erst, wenn sie nicht mehr stillt. 🙂

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9 Kommentare zu „Hurra, ein Baby!

  1. Während der Stillphase kann die Mutter – im Gegensatz zur Schwangerschaft – durchaus einen Rotwein trinken. Sie sollte es nicht übertreiben, aber ein bisschen schadet nicht. Rein mengentechnisch müsste sich die Mutter schon ordentlich die Kante geben, damit beim Baby über die Stillmilch soviel Alkohol ankommt, dass es schadet. Insofern: Flasche und Geschenke schnappen, unangemeldet (das lieben junge Eltern besonders) dort aufkreuzen, alle Blogeinträge der letzten Wochen am Stück und in voller Länge vorlesen… 😉

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    1. Also…..meine Oma hatte früher immer Rotwein mit Eigelb und Traubenzucker für Genesende zubereitet….zur Not einfach als Medizin deklarieren….das Kind muss nur den richtigen Namen haben….also….der Rotwein…also…das Rotwein Kind…quasi….ach….eeejjjjaaallll……

      Herzlich willkommen dem neuen Erdenbürger! 🙂

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  2. Scrabble und Rotwein trinken?
    Ich würde sagen: vergiss es.
    Du darfst die schönen Augen des Babys loben, das weiche Haar, den perfekt geformten Mund.
    Dir evtl. noch anhören, wie schwer die Geburt war oder wie nervtötend die Mitpatienten.
    Den „Stuhl“ (also Kacka) wirst du dir anschauen müssen, ob du willst oder nicht.
    Vom Bäuerchen bis hin zu „die ganze Milch ist auf einmal herausgekommen“….du wirst alles erfahren. Alles, alles, alles.
    Wenn du Glück hast, bekommst du zwischendurch einen Kaffee (bring dir am besten einen mit) und sitzt in einer unaufgeräumten Bude (die vorher mal perfekt durchgestylt war).
    Das glaubst du nicht?
    Hallo? Ich habe es erst vor wenigen Jahren erlebt und werde es Ende November erneut erleben.

    (flüster: aber ich freue ich so auf mein zweites Enkelkind 🙂 )

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    1. Ich kenne meine Ex-Mitbewohnerin, das Baby sorgt höchstens für neue Ordnung … Aber ich fürchte auch, es geht so aus, wie du schilderst. Noch ein Grund, mich fern zu halten. ^^ Aber schon einmal herzlichen Glückwunsch. 🙂

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