Kleine Kinder glücklich machen

Ich bin der Onkel mit den Lollys in der Tasche. Zu Hause habe ich sogar noch mehr davon. Wenn du magst, zeig ich sie dir mal. Bevor jetzt jemand die Polizei ruft: Ich habe weder Lollys in der Tasche noch daheim. Ich habe bloß sämtliche Asterixhefte, manche mehrfach oder in mehreren Sprachen. Und ich bin glücklich, dass die heute immer noch von Kindern gelesen werden.

Asterix war ein Held meiner Kindheit. Der fällt bei mir in die Phase des Zweitlesealters. Als ich die einfachen Texte durch hatte, kam mit spätestens 8 Jahren anspruchsvollere Literatur hinzu, mit etwa 9 dann die ersten Science Fiction Romane. Zu dieser Leseperiode gehört nicht nur viel von Enid Blyton (vor Allem die Geheimnis-Reihe), sondern auch Clever und Smart, Spirou und Fantasio, Tim und Struppi, Petzi (gut, den habe ich mir schon vorher vorlesen lassen), Donald Duck und die Asterix-Alben von Herrn Zeilenende Sr., die dieser wiederum in seiner Jugend gelesen hat, bzw.die späteren dann natürlich in fortgeschrittenem Alter.
Ich war entsprechend erfreut, als ich beim Thekendienst in der Bibliothek nach Asterix gefragt wurde. Natürlich haben wir den … „Kommense mit, zeig ich Ihnen.“ Der Kunde ruft seinem Johann und ein Knirps von vielleicht sieben Jahren kommt angerannt. Ich lasse die beiden in den Asterixbänden stöbern und kehre an die Theke zurück.
Eine halbe Stunde später: „Entschuldigung, wir können diese beiden Bände nicht ausleihen.“
„Kein Problem, gebense mal her, dürften alte Transponder sein.“ Doch es waren nicht die Transponder, die Bände waren noch als Erwachsenencomics eingearbeitet, stammten noch aus einer Zeit, als wir nur Kindercomics und Erwachsenencomics hatten, aber keine für Jugendliche. Und Johann wollte die Comics haben, nicht Papa! Und Erwachsenenbelletristik lässt sich auf Kinderausweise nicht ausleihen. Ich erkläre, wie es zu dem Problem kam und sehe schon Trauer im Gesicht von Johann aufsteigen, als Papa sagt, sie können die Hefte nicht mitneh… Das kommt davon, wenn man mich nicht ausreden lässt. „Aber ich mein, das ist Asterix. Damit habe ich quasi lesen gelernt. Wenn Sie mich nicht verpetzen, dann leih ich Ihnen einen von den Bänden auf den Ausweis Ihres Sohnes.“ Strahlende Augen bei Vater wie Sohn, es ist dann Asterix im Morgenland geworden, im Rennen waren sonst noch Asterix bei den Pikten und Asterix und Maestria. Letzteren hielt ich in der Auswahl für den besten Band, aber in Anbetracht von Johanns Alter hätte ich ihm auch das Morgenland empfohlen. Immer noch strahlend ziehen Johann und Papa ab, ich rufe noch ein „Viel Spaß damit“ hinterher und erkläre diese kurze Begegnung zum Ereignis der Woche. Deshalb liebe ich Thekendienst so sehr.

6 Kommentare zu „Kleine Kinder glücklich machen

  1. Ha, Jugendschutz mal anders herum! Manchmal muss man Kinderbücher wirklich vor Erwachsenen schützen – zumindest dann, wenn sie verlernt haben, die Welt noch mal aus Kinderaugen zu sehen. Oder ein Comic. 😀

    Ich lese als nächstes die TRIGAN-Neuauflage und freu mich kindlich-königlich darauf.

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