TV-Konsum

Geschichten die das Leben schreibt oder: Dann rechtfertige ich mich mal für mich selbst. In unserer Familie läuft der TV ziemlich häufig. Mutter Zeilenende schaltet ihn abends nach einem arbeitsreichen Tag ein, weil Herr Zeilenende Sr. die Abendstunden gern und ausufernd in seinem Arbeitszimmer verbringt.

Ich habe Verständnis dafür, dass man nach einem langen Tag keine Lust oder Kraft mehr hat, noch in einem Buch zu lesen. Die Augenlider sind bereits schwer, die Beine auch, aber der Körper und der Geist sind noch nicht ermattet genug, um sich zu Bett zu begeben. Die Alternativen sind dann rar gesät. Spiele erfordern ebenfalls zu viel Konzentration, Handarbeiten fallen wegen Problemen mit Nacken, Schultern und Armen ebenso aus. Je älter man wird, desto mehr wird der Körper zur Baustelle.
Also der Fernseher. Mutter Zeilenende hat ein paar Serien, die sie aufzeichnet, weil sie zur Ausstrahlung meist noch mit dem Haushalt beschäftigt ist. Doch statt sich die Aufzeichnungen anzusehen, zappt sie sich durchs Programm. Meistens findet sie nichts, was sie wirklich interessiert, auch weil sie den Dreh noch nicht heraus hat, VOR 20:15 das Filmangebot zu überprüfen und von Anfang an dabei zu sein. Dann beschließt sie, das am wenigsten uninteressante Programm zu verfolgen. Und jammert bei Gelegenheit, dass sie x Folgen von Serie Y im Hintertreffen ist.
Mir schmiert sie, wenn ich meine Serien erwähne, aufs Butterbrot, dass ich regelmäßig sage, ich würde ja kaum TV gucken. Das stimmt sogar, auch wenn ich durchaus hin und wieder Anfälle von Binge Watching habe. Vor Allem ist es dahingehend wahr, dass ich gezielt schaue, was mich interessiert. Ich sehe nach, ob ein Film läuft, der mich interessiert, breche langweilige Filme ab und schaue ansonsten das, was auf meiner Watchlist steht (die mit Eureka, Once upon a time, Batman: The Brave and the Bold und Alpha 0.7 zugegebenermaßen derzeit gut gefüllt ist). Und wenn nichts kommt, höre ich halt einen Podcast oder lese noch ein paar Seiten.
Was Mutter Zeilenende nicht einsehen will ist, dass ich unseren TV-Konsum für qualitativ verschieden halte, selbst wenn ich auch mal einen ganzen Abend vor der Glotze hocke, um mir drei oder vier Folgen hintereinander reinzuziehen. Ist das nun Snobismus oder gehe ich wirklich bewusster mit meinem Medienkonsum um? Mutter Zeilenende hat diebische Freude, mich vorm TV zu sehen und mir dann Inkonsequenz vorzuwerfen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie das macht, um mich zu ärgern, manchmal habe ich das Gefühl, dass Neid mitschwingt. Unabhängig davon ist es lästig. Vielleicht wird „Erziehe deine Mutter“ mein neues Projekt.

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13 Kommentare zu „TV-Konsum

  1. … Und andersherum sollte man nie vergessen, dass man auch von den Alten lernen kann. Ich drucke den Kommentar aus und lege ihn ihr auf den Frühstücksteller. Andererseits müsste ich ihr dann den Blog auch zu lesen geben und dann würde sie diesen Kommentar ebenfalls sehen. *g* Ich wünsche dir einen guten Start ins Wochenende. 🙂

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  2. Ich glaube das TV-Konsumverhalten verändert sich einfach. Meine Kinder werden es später mal überhaupt nicht mehr kennen, dass man sich zu einer bestimmten Zeit vor den TV setzen musste, um etwas zu sehen. Alles (bis auf große Live-Sport-Events) wird on demand laufen. Was die qualitativen Unterschiede zwischen Büchern und Serien angeht, so hat sich dies auch geändert: Wenn man zwei Folgen „The Wire“ schaut, dann ist die intellektuelle Stimulanz bestimmt größer, als wenn man einen trivialen 08/15-Krimi liest. Wie so vieles lässt sich eben auch dies nicht pauschalisieren.

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    1. Grundsätzlich denke ich, dass das zunehmen wird, andererseits denke ich nicht, dass Fernsehsender aussterben werden. Es ist ähnlich wie mit dem Radio. Um neues zu entdecken oder sich mit dem Medium zu entspannen, muss man die Entscheidung, was man gucken möchte, auch mal delegieren. Wenn ich mich vor jedem Akt des TV-Sehens erst einmal für einen ganz bestimmten Film entscheiden muss, statt einfach mal rein zu zappen, verliert das Medium einen Teil seiner Attraktivität. Ich bin in der Hinsicht ja auch kein Asket, mein Berieselungsprogramm heißt nur WDR5 und nicht RTL2, das Prinzip bleibt aber. Das Programm entscheidet für uns und wir müssen nur noch entscheiden: Dranbleiben oder wegschalten?
      Die Streamingdienste werden also nicht umhin kommen, wenn sie eine ernsthafte Konkurrenz werden wollen, zumindest eine Art Autostart-Dienst anzubieten, d. h. nicht nur: „Wir empfehlen Ihnen“ mit 1000 aalternativen, sondern Glotze an, Film/Doku/Serie los. Die Musikstreamer beschreiten ja derzeit mit ihren kuratierten Playlists und „Radiosendern“ genau so einen Weg.

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  3. Wir haben nur am iMac Fernsehempfang, das auch nur im Winter, wenn die Blätter der gut 18-20 Meter hohen Pappeln direkt hinter unserem Haus (aber auf einem fremden Grundstück) abgefallen sind. Das ist kein Drama, denn wirklich normales Fernsehen interessiert mich persönlich kaum. Ich habe mir noch nie Talkshows angesehen, das war mir immer zu langatmig und — fast ausnahmslos — zu flach.

    Mit dem Großteil dessen, was im deutschen Fernsehprogramm so angeboten wird, kann ich auch nicht viel anfangen, daher nehme ich (nur im Winter) zielgerichtet auf, was mich interessiert, dann schneide ich die Werbung heraus (die kann ich nämlich gar nicht ertragen) und konvertiere die Filme für iTunes. Mittlerweile habe ich etwa 2 TB an Filmen in meiner Mediathek, wenn ich nun dringend neues Glotzfutter brauche, gibt es iTunes und Amazon. Damit kann ich ganz gut leben (auch wenn die Pappeln schon hin und wieder nerven…).

    Zum allabendlichen Absacken vor der Glotze muss ich mich leider auch beinahe ausnahmslos schuldig bekennen. Der Grund liegt aber eigentlich nur daran, dass ich ein absoluter Frühaufsteher bin (in der Schulzeit 4:40 h). Da ist abends ab ca. 21:30 h wirklich nichts mehr zu holen. Lesen könnte ich, aber nach spätestens fünf Minuten wäre ich dann aus, ein bisschen Zeit mit meiner Frau (und OHNE sich ständig aufdrängende Kinder) muss einfach sein.

    An deiner Stelle würde ich das aktuelle Vorgehen weiterhin zelebrieren, denn es wirkt ganz passend. Und wenn jemand meint, dich damit aufziehen zu müssen, kannst du es ja auch ganz sportlich nehmen und auf die aufgezeichneten Folgen hinweisen… Oder die betreffende Person zwingen, sich deinem Programm-Diktat zu unterwerfen. Zeilenende, der Programm-Diktator, Charlie Chaplin wäre stolz auf dich. 😂

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    1. Das Problem ist dann, dass ich tatsächlich mit dem Rest der Bande fernsehen müsste. Wenn mich was nicht interessiert, geht das ganz gut, wenn mich was begeistett, bin ich gern allein. Ich lasse mich doch nicht dabei beobachten, wenn ich aus Versehen Gefühle zeige. 😄

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    1. Das glaube ich noch nicht einmal. Die Tageszeitung ist ebenso wenig ausgestorben wie das Radio, das nach wie vor stündlich Nachrichten bringt. Das lineare Fernsehen wird vielleicht an Bedeutung verlieren und es wird ergänzt werden, bspw. durch Playlists, aber so ganz wird der kontinuierliche Strom an Videos sicher nicht verschwinden, wie ich in meinem Kommentar zu bullion auch schon ausgeführt habe. Ich betrachte Streaming eher als praktische Ergänzung denn als Alternative. Man denke auch ans serielle Erzählen: Wenn es jede Woche um 20:15 eine neue Folge der Lieblingsserie auf der Streamingplattform gibt, wird es nach wie vor viele Leute geben, die dann Punkt 20:15 vor der Glotze sitzen werden.

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  4. Bei mir läuft aufm Bildschirm mindestens 80% Konserve, will heißen DVD oder aufgezeichnete Sendung. Live schaue ich außer Nachrichten, Sportübertragungen und Talkshows (die aber eher selten) kaum etwas. Bin also auch mein eigener Programmdirektor, wenn man so will.

    Einfach nur berieseln lasse ich mich eigentlich nur dann, wenn ich zu platt bin, um etwas anderes zu machen. Früher hab ich manche Serien oder auch mal den Tatort geschaut, wenn es ausgestrahlt wurde, aber das passt heute mit meinem Zeitplan kaum zusammen.

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    1. Das mit dem Zeitplan ist so ein Grund, weshalb ich Streaming und Mediatheken an und für sich schick finde. Das entstresst das Leben ungemein. Ich kriegs zwar hin, pünktlich zu sein, aber das bedeutet immer zu irgendeinem Punkt Hektik.

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