Am heutigen Dienstags-Montag stellt Buchfresserchen die Frage, was die ideale Strandlektüre sei. Dazu habe ich eine Menge zu sagen, ich könnte darüber gar die ideale Strandlektüre verfassen, denn prinzipiell geht am Strand alles, auch das dicke Sachbuch.

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Auf Grund der Rückkehr des Sommers bemühe ich mich allerdings um Kürze. Ich bemühe mich. Mehr ist nicht drin. Ihr könnt nicht von mir erwarten, dass ich mich tatsächlich kurz fasse, denn dazu bin ich nicht fähig, aber ich versuche. Gckt, n dm Stz hb ch n gnzs Wrt gsprt. Und in dem die Vokale. Das gleiche Spiel mit den Konsonanten spare ich mir, ich denke das reicht zur Demonstration meines guten Willens. 🙂

Kommen wir also zum interessanten Teil des Beitrags, der idealen Strandlektüre. Ich bin der Meinung, dass ein Buch thematisch zum Urlaub passen sollte. Als ich in Wien war, habe ich „Das Hotel New Hampshire“ im Gepäck gehabt, in Budapest habe ich auf einem Schiff residiert, das zum Hotel umgebaut war. Im Reisegepäck hatte ich See-Abenteuer und einen Science Fiction Roman mit vielen Weltraumschlachten. Der letzte Urlaub in den Niederlanden wurde durch ein Buch über die Geschichte dieses Landes begleitet. Die Logik dahinter ist einfach: Im Lesesessel kann man überall hinreisen, aber die Reise wird eindringlicher, wenn das Ambiente auf das Buch abgestimmt ist und das Buch auf das Ambiente.

Meine drei Empfehlungen für einen vergnüglichen Tag am Strand, wenn es nichts lokal passendes gibt (in Algerien würde ich zu Augustinus‘ Gottesstaat raten), sind folgende:

1. Der Dune-Zyklus von Frank Herbert

Um dich herum ist nichts als Wasser und Sand? Du musst den ganzen Tag an diesem öden Ort verbringen, weil die Kinder buddeln wollen oder im Umkreis von mehreren tausend Kilometern kein Museum zu finden ist, das nicht die Geschichte des Sandkorns in Geschichte, Kunst oder Technik erzählt? Gräme dich nicht, du hast viel Zeit für gleich mehrere Romane und bekommst das angenehme Gefühl, dass es noch viel schlimmer sein könnte, denn um dich herum gibt es (wenn du nicht gerade im Maghreb urlaubst, wo du wie gesagt Augustinus lesen solltest) keine irren Sektierer, keine Megaverschwörungen, die Händler am Strand bieten nur Rollex(sic!) feil statt Drogen und immerhin gibt es bei dir Wasser, im Gegensatz zu diesem grässlich trockenen Planeten.

2. Evelyn Sanders – Sämtliche Romane

Dass man am Strand viel Zeit hat, erwähnte ich ja bereits und freiwillig fährt man da doch nur hin, um zu saufen oder weil die Kinder es so wollen. Wenn du dem Alkohol zusprichst, brauchst du keine Lese-Empfehlung, wenn du Kinder hast, brauchst du das Gefühl, dass du noch viel schlimmer dran sein könntest, nämlich mit einer Großfamilie gestraft. Um das zu überleben, muss man so humorvoll sein wie Evelyn Sanders, der es in jedem Roman gelingt, humorvoll, heiter und beschwingt aus dem Leben zu erzählen. Damit bestens geeignet zum Trost bzgl. des eigenen Nachwuchs, wenn er einem beim Lesen ein Hügelgrab schaufelt, ideale leichte Kost für das warme Wetter und natürlich gibt es auch zahllose Episoden zum Thema Urlaub, egal ob mit Sand, Kindern oder Sand und Kindern. Ein echter Seelentröster.

3. Die Hornblower-Geschichten von C. S. Forester

Stell dir for, du liegst am Strand, du hast den salzigen Geruch von Meer in der Nase, die Sonne brennt unbarmherzig auf dich nieder, an dein Ohr dringt das Rauschen der Wellen, neben dir betrinkt sich eine Truppe halbstarker Engländer und auf deinem Bauch glänzt der Kot von Möwen. Wo kann man sich besser auf ein Schiff der Royal Navy zu Zeiten der napoleonischen Kriege hineinversetzen als in diesem Umfeld? Spannung, Abenteuer, eine ergreifende Liebesgeschichte, sympathisch portraitierte Charaktere und eine fundierte, wenn auch durch die Erzählperspektive notwendig verklärend, geschilderte Welt der Seefahrt um 1800. Wer sich durch alle Romane gearbeitet hat, fühlt sich nicht nur imstande, Napoleon zu besiegen oder ein Linienschiff seiner Majestät fachmännisch zu befehligen, er vergisst währenddessen alles um sich herum, weil Forester dieses großartige Erzähltalent hat, dass er die passende Umgebung eigentlich nicht nötig hätte. Und gerade deshalb, zur weiteren Verstärkung, die ideale Empfehlung. Außerdem kann man seinen Blagen am Ende des Tages nicht nur damit drohen, sie auszupeitschen, wenn sie nicht SOFORT das Hügelgrab über einem entfernen: Man kennt auch das angemessene Strafmaß.

So, ich hoffe, jemand von euch fährt noch an den Strand und hat was von meinen Empfehlungen. Ansonsten würde ich mich von den Strandheimkehrern über ihre Einschätzung der Lage an den Stränden freuen.

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8 Kommentare zu „Montagsfrage: Die ideale Strandlektüre

  1. Den »Wüstenplaneten« könnte ich mir tatsächlich sehr gut als Strandlektüre vorstellen, da die Hitze des über den Tag hinweg aufgeheizten Sandes sicherlich einen spürbaren Beitrag zum Ambiente der Geschichte leisten kann.

    Ich habe mich an eine gänzlich unverfängliche Science Fiction-Geschichte gehalten und »2010 — Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen« abgeschlossen. Danach ging es ein großes Stück weiter in »Needful Things — In einer kleinen Stadt« von Stephen King. Beides gute Strandlektüre. (Hehe, durch die Ellipse auch ein Wort eingespart — und zum Jubel über so viel Genialität gleich noch einmal — und gleich noch zwei Sätze dazu geschrieben… 😎).

    Nachdem mir »2010« so gut gefallen hat, musste ich natürlich gleich wieder zur Fortsetzung greifen: »2061 — Odyssee III«. Bislang keine Fehlentscheidung, aber dazu wird es einen eigenen Blogeintrag geben.

    So, Zeit zum Durchschütteln der halbwegs alten Knochen (ja, die große 4 rückt unaufhaltsam näher). Bis später am Tag! 😀

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    1. Nachdem ich den Entwurf zu meinem Beitrag geschrieben hatte, las ich deinen Urlaubsbericht und musste grinsen, der passte als ergänzende Lektüre herrlich zu meinen Überlegungen. Science Fiction am Strand eignet sich in der Tat prinzipiell, so mancher Meeresbewohner sieht aus wie nicht von dieser Welt … Und mancher Strandurlauber auch. 😉
      Danke für deine Ergänzungen und das Mit-der-Sprache-spielen. 🙂

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  2. ein neuer Denkansatz für mich, das Buch im passenden Ambiente/Umfeld lesen…. jetzt muss ich nur noch dazu kommen, auch auf Reisen zu lesen. Da war ich bisher immer mit schauen, staunen, einatmen, schmecken, beobachten und so derart ausgefüllt, dass ich jedes noch so lockende Buch neben mir vergessen habe.

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  3. grins….ich lese eh alles was gedruckt ist, außer der BLÖD natürlich.

    Mir wäre es wurscht, ich bin keine Strandleserin, weil ich entweder Land und Leute studiere oder schwimme, am Strand liegen konnte ich noch nie.
    Das Lesen habe ich auf abends im Bett verschoben und da ist es wurscht, was mich zum einschlafen bringt 😉

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