Essen aus Hessen ist eine wunderbare Sache. Grüne Sauce, Kasseler, Grüne Sauce, Ahle Wurst, Grüne Sauce, Frankfurter Kranz, Grüne Sauce, Rindswurst, Grüne Sauce, Kochkäse (was hat mein Herz Hüpfer gemacht, als ich den hier im Supermarkt gefunden habe!), Grüne Sauce, Spundekäs, Grüne Sauce, und vor allen Dingen, weil man sie nicht oft genug erwähnen kann, Grüne Sauce. Doch davon vielleicht ein anderes Mal. Eins gelang den Bäckern in der Alma Mater leider nicht: Brötchen, wie ich sie mag.

Bread Baking Day #77 (Einsendeschluss/last day of submission September 1, 2015)

Egal, bei welchem Bäcker ich war, es gab weiche Brötchen und trockene Brötchen, aber keine knusprigen Brötchen. Ich wollte nicht viel: Rösche Kruste und fluffiges Innenleben. Solche Brötchen gab es aber nur belegt in der Mensa-Cafeteria. Zurück in der Heimat backen die Bäcker Brötchen nach meinem Geschmack. Deshalb hatte ich bislang keine Veranlassung, mich selbst daran zu geben. Ich hatte auch zu viel Bammel, dass ich am Ende ebenfalls nur „Marburger Brötchen“ zustande bringe.

Der Bread Baking Day, ausgerichtet von From-Snuggs-Kitchen (Essen aus Hessen), war ein willkommener Stupser. Die Familie verdrehte die Augen. „Jetzt auch noch Brötchen?“ Blankes Ensetzen, trotz meines Versprechens, sie aus dem Ofen direkt auf den Tisch zu bringen. Herr Zeilenende Sr. hat in einer Projektwoche auch mal Brötchen gebacken. Das mitgebrachte Testexemplar hat einige Jahre im Werkzeugkasten gelebt und als Hammer-Ersatz gedient. Und doch, sie waren neugierig. Bruderherz hat sogar eine Vorstandssitzung (Sonntags um 10, hallo?!) ausfallen lassen, um als Versuchskaninchen Testesser Mitgenießer an diesem Event teilzunehmen.

Nehmen wir es vorweg. Nesthäkchen kam zu spät zum Frühstück: „Na, da musst du halt auch mal kleine Brötchen backen.“ Und Mutter Zeilenende sekundiert: „Ist ihm verdammt schwer gefallen.“ Aber geschmeckt haben sie trotzdem. Es waren zwar keine Brötchen, wie ich sie gern hätte, aber frisch aus dem Ofen und mit Marmelade (bei uns gab es Stachelbeer-Wein-Rosen-Gelee, Brombeer-Vanille-Marmelade und Johannisbeer-Himbeer-Marmelade, dazu wahlweise Erdnussbutter oder Schichtkäse) waren sie ein Genuss und Mutmacher-Brötchen. Ich: „Beim nächsten Mal probiere ich die Sauerteig-Brötchen.“ Da kein vehementer Widerspruch kam, darf ich das als Lob auffassen.

Das folgende Rezept eignet sich für 12 kleine Brötchen, ist anfängerfreundlich und wie der Titel verspricht ein Mutmacher-Rezept. Es sind eher Muffins (im englischen Sinne des Wortes) denn klassische deutsche Sonntagsbrötchen, aber das wundert beim Blick auf die Zutaten wohl nicht weiter. Ihr braucht:

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Noch sind alle Zutaten friedlich.

500g Weizenmehl Typ 550

1TL Salz

1 Eiweiß (Eigelb aufbewahren!)

250ml lauwarme Milch

1TL Honig

1/2 Würfel Frischhefe

Vermischt das Mehl mit dem Salz, löst erst den Honig und dann die Frischhefe in der Milch auf und gebt die Hefemilch gemeinsam mit dem Eiweiß zum Mehl. Dann geht das muntere Kneten los. Ich war heute morgen faul, weil ich gestern schon zwei Brote geknetet und vor den Brötchen noch einen Kuchen gebacken hatte. Das Rezept sieht 8 Minuten Knetzeit vor, meine Küchenmaschine habe ich 6 Minuten laufen lassen und dann noch ein Minütchen von Hand nachgeknetet.

Hier geht's rund!
Hier geht’s rund!

Nachdem der schweißtreibende Teil der Arbeit erledigt ist, wollen die Brötchen ein wenig verschnaufen, aber so schnell geht das nicht. Man kann ja nicht auf einem Haufen rumliegen. Neinnein, jedes Brötchen darf einzeln ruhen. Also den Teig in 12 Portionen teilen und auf ein Blech legen. Dann eine Zudecke aus Frischhaltefolie darüber legen und 30 Minuten ruhen lassen. Ich rate übrigens dringend dazu, ein tiefes Blech zu nehmen und die Folie so zu hängen, dass die Teiglinge auch nach dem Gehen keinen Kontakt zur Folie bekommen …

Schlafenszeit!
Schlafenszeit!

… Also nicht so, wie ich es gemacht habe. Die Frischhaltefolie und ich mögen uns mittlerweile eigentlich ganz gern, aber es ist wie in jeder Beziehung: Sie besteht aus zahllosen Tiefpunkten, verbunden mit der ein oder anderen Katastrophe. Heute hatte die Folie einen wortwörtlichen Durchhänger und klammerte. Nicht nur an mir, auch an sich selbst. Nur nicht am Rand des Bleches.

Vorfreude ist die schönste Freude.
Vorfreude ist die schönste Freude.

Auf dem Bild kann man sehen, dass einige der Brötchen gepapscht haben. Ich sagte ja: Nehmt meine Warnung mit der Frischhaltefolie ernst. Während der Ofen auf 200°C Ober-/Unterhitze hochheizt und die Brötchen selig schlummern, hat man ein wenig Zeit. Da kommt das Eigelb ins Spiel: Mit etwas Wasser verquirlt ist die Vorbereitung getan. In der restlichen Zeit kann man einen Blogbeitrag schreiben, mit der WordPress-App hadern, Beiträge anderer Blogs lesen, die Katze füttern, Kaffee trinken, die Fingernägel maniküren, Fenster putzen oder was ihr sonst so tut, wenn ein Hefeteig ruht. Sobald die Brötchen nach 30 Minuten ausgeschlafen sind, ritzt ihr sie ein (nicht so schüchtern wie ich), bepinselt sie mit dem verquirlten Eigelb, und sperrt sie für ca. 20 Minuten in den Ofen. Von da aus geht es direkt auf den Frühstückstisch.

Guten Appetit!
Guten Appetit!

Für’s erste Mal doch ganz ordentlich. Mir fielen erste Male ein, die wesentlich schlechter für mich ausgingen als meine ersten Brötchen, wenn ich mich meiner Vergangenheit intensiv stellen würde. Die Tasse hinten rechts ist übrigens meine, nur um den Beweis für meine Behauptung zu liefern.

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16 Kommentare zu „Mutmacher

  1. Klar ist Essen in Hessen am besten…und MEINE Grüne Soße ist eh die Allerbeste 😉

    Mutmacherbrötchen hört sich soooo toll an….aber ich darf kein Weizen und keine Milch….seufz….
    naja, mit Dinkelmehl und Mandelmilch müsste es doch auch gehen, oder?
    Wünsch dir einen guten Start ins Wochenende
    liebe Grüsse
    Ilanah

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    1. Ich kann sonst nichts, aber Worte erfinden liegt mir einfach. 😉

      Dinkelmehl geht als Ersatz für Weizenmehl meiner Erfahrung nach beim Brotbacken immer, was die diversen Milchalternativen angeht, habe ich leider keine Backerfahrung, im Zweifel rate ich zum Ausprobieren. Aber eigentlich sollte auch Wasser funktionieren, Milch im Brotteig ist ja schon eher ungewöhnlich. Wenn du es mit Mandelmilch probierst, bin ich auf deine Erfahrungsberichte gespannt. Dir auch einen guten Einstieg ins WE. 🙂

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      1. PROOOOOTEST!!!!!!
        du kannst schon was…du schreibst sehr gut, du bringst Menschen zum Schmunzeln, du traust dich an selbstgebackene Brötchen ran, du gibst ihnen eigene Namen, du erkennst das gute hessische Essen und und und…. das musste ja mal gesagt werden…:)

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    1. Familie Zeilenende schwört auf die Segnungen der modernen Medizin und die Alten werden halt nicht jünger und verweigern sich meinen Gesundheitsvorschlägen (Inhalationen, Wickel, Geißelungen, Chips im Gehirn), weil wahlweise antiquiert, grob oder zu experimentell. Da kann ich mir den Mund fusselig reden. 😄

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  2. Die Brötchen sehen gut aus! Und die Hauptsache ist sowieso immer, dass sie schmecken 🙂
    Vielen lieben Dank, dass Du Dich getraut hast. Ich würde sagen, es hat sich doch gelohnt!
    Danke für den Beitrag zum BBD #77

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  3. Ich verstehe den Wunsch nach „außen knusprig, innen weich“ schon, doch die meisten Bäckereien übertreiben es mit dem „außen knusprig“-Teil eindeutig. Letzten (Zeilen)Endes (Verzeihung, der Wortwitz war schlecht…) artet das dann in ein unendliches Gebrösel aus, ohne dass der innere Teil des Brötchens noch ein solcher Genuss wäre… Ich mag ja alle Brötchen, Brezeln und dergleichen eher etwas weicher (muss das „amerikanische Erbe“ sein).

    Dennoch: Sie sahen toll aus und schmeckten bestimmt besser als der Hammerersatz. 😉

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