Der gute Solera hat mich zu gleich zwei Blogbeiträgen inspiriert. Die erste Inspiration war sein Kommentar zu meiner Rezension von Marvels Agent Carter, der meine Überlegungen zu Superhelden und deren doch recht stereotypen Filmen befeuert hat. An der zweiten arbeite ich noch.

Ich bin ein Fanboy von ganzem Herzen. Ich liebe meine Superhelden, egal was man ihnen filmisch oder gedruckt antut (Green Lantern), so wie ich manch andere Helden aus Prinzip hasse, egal wie flott ihre Sprüche sind (Iron Man). Das heißt nicht, dass ich unreflektiert bin, ich habe auch das Leben des Galilei von Brecht gelesen und stimme seinem Galileo zu: Arm das Land, das Helden braucht. Und mir ist durchaus bewusst, dass Superhelden als außerhalb des Rechtsstaats operierende Privat-Polizisten gewaltige ethische Probleme implizieren sowie dass die Verehrung von Homo Superior anthropologisch ebenfalls ungesund ist. Superhelden halten sich nur aus freien Stücken an die Gesetze, an die sie sich halten wollen und sind uns so dermaßen überlegen, dass wir sie eigentlich nur anbeten können, um keine Minderwertigkeitskomplexe zu bekommen, sobald wir uns auf den Gedanken ihrer Möglichkeit in der Realität einlassen.

Die schwere Kost beiseite haben wir vor Allem cineastische Probleme. Superheldenfilme sind spätestens seit der Spiderman-Trilogie mit Tobey Maguire sowas wie Hollywoods Goldenes Kalb. Sie bringen zuverlässig die Kassen zum Klingeln, weil ihre Protagonisten bekannte Mitglieder der Popkultur sind. Das ist gleich doppelt gut:

1) Der Charakter muss nicht erst eingeführt werden; auch wenn seine Entstehungsgeschichte erzählt wird, kennt man den Helden bereits.
2) Man kann einen Haufen Asche mit Merchandise verdienen, ohne sonderlich innovativ sein zu müssen. Man druckt ihr Konterfei einfach auf alle möglichen und unmöglichen Produkte (Für den Fall, dass es das noch nicht gibt, möchte ich bitte an den Gewinnen durch „Batman-Duftkerzen“ beteiligt werden!) und kann sich sicher sein, dass viele Leute sich gern auf vielfältige Weise mit ihrem Helden schmücken wollen.

Das Problem an Superheldenfilmen ist, dass sie ein arg limitiertes Subgenre darstellen. Ich weiß, dass es Diskussionen gibt, ob es ein eigenständiges Filmgenre ist, ob man es zu SciFi oder Fantasy rechnen kann. Schaue ich mir die Filme an, sehe ich eine sehr stereotype Machart, die auf Special Effects, Verfolgungsjagden und Explosionen setzt. Die geringe Varianz lässt mich am eigenständigen Genre zweifeln, Superheldenfilme sind für mich derzeit ein Subgenre des Actionfilms.

Das ist schade, erklärt aber den Überdruss mancher Zeitgenossen, vor Allem, wenn man sich mal drei Filme hintereinander angeschaut hat. Ich könnte mir alle zehn (ja, zehn, verdammt!) Star Trek Filme hintereinander weg geben, auf einen Marvel-Marathon hätte ich hingegen keinen Bock, weil die Filme immer nach dem Muster „Riesenbedrohung, Held versucht zu helfen, Held scheitert, Held schafft es doch und irgendwas Großes explodiert“ funktionieren. Okay, das ist formal klassisches Drama, aber inhaltlich arg limitiert.
Dabei bietet das Genre der Comicverfilmungen so viel mehr. Ich muss nicht gleich auf Watchmen hinweisen, um den Punkt klar zu machen, denke ich. Das Genre Comic bietet auch im Mainstream so viel mehr Potential als abgerufen wird. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn sich Superheldenfilme über ihre von den Studios limitierten Grenzen hinwegsetzen und zu einem breiten Genre werden würden. Und ja, ich weiß, dass es auch Superhelden-Komödien und Kinderfilme gibt, aber mir geht es nicht darum, was vereinzelt an den Rändern passiert.

In Ansätzen erleben wir schon eine Verbreiterung. Die Dark-Knight-Trilogie stellt Fragen nach Schuld, Verantwortung, der Bedeutung von Rache, Wahnsinn, etc. Allein die Figur des Joker wäre eine philosophische Dissertation wert. Im Mittelpunkt stehen Batmans Gadgets und viel Bumm, aber die Schurken haben hier auch wirkliche Motivationen und sind nicht einfach nur die Bösen, so wie Batman zwar der Held, aber sicherlich kein Held ist, wenn man genauer hinschaut.
Superman erlaubt es, über Verantwortung nachzudenken, bei den Guardians of the Galaxy geht es auch um Identität und Herkunft, so wie sich bei X-Men neben den ganzen Explosionen Fragen nach Andersartigkeit und gesellschaftlicher Toleranz stellen. All dies wird in den Filmen ansatzweise behandelt, das Dumme ist nur, dass es am Rande der Action geschieht und deshalb oft übersehen oder durch den Film selbst marginalisiert wird.

GreenLantern
Held ❤

Es gab, ich will mich nicht auf ein Jahr festlegen, vor langer Zeit einmal ein Team-up von Green Lantern und Green Arrow in den Comics, das sich mit den sozialen Problemen Amerikas befasste. Lantern und Arrow waren auf einem gezeichneten Road Trip durch Amerika, aber statt Schurken zu begegnen und Superheldendinge zu tun, fanden sie Elend, Ungleichheit, Rassismus, Sexismus, … Schwere Kost für einen Superhelden, der eigentlich doch ein All American ist. Stellen wir uns das einmal als Film vor. Das funktioniert nicht als Actionkino, die Kräfte und Fähigkeiten unserer Helden würden versagen, es gäbe höchstens Frust-Explosionen. Es wäre ein sozialkritischer Road Movie, wenn Captain America Thor sein Land zeigen wollte und sie durch das verwaiste Detroit führen, in Kalifornien die Folgen der Wasserknappheit bewunderten und wenn Thor fragt, ob es überall so sei, sie nach Lampedusa flögen. Im Comic ist es möglich und das Elend bekäme eine neue Dimension, weil man in solch einem Film begreifen könnte, dass solche Probleme sich nicht durch einzelne Taten von Einzelnen lösen ließen.
Ja, an den Rändern geschieht es, aber wir nehmen so etwas noch als außergewöhnlich wahr. Batman sprengt noch die Grenzen des Genres und ist nicht selbstverständlicher Teil des Genres wie Iron Man und co. Ich brauche auch nicht ständig solche Filme, Popcornkino mit Superhelden ist cool. Aber ein bisschen weniger Einheitsbrei auch bei den populären Figuren könnte der Filmlandschaft wirklich gut tun.

5 Kommentare zu „Über Superheldenfilme

  1. Hmmmmmm, da rennt man morgens nichts ahnend durch die Toskana, schon zuckt das iPhone am Arm und vermeldet, Zeilenende habe sich mal wieder literarisch verausgabt. Und dann auch noch so gut. Ich stimme voll und ganz zu. Der Grund für den Mangel an wirklich außergewöhnlichen Superheldenfilmen mit „echtem Tiefgang“ ist sicher die ständige Sorge um die Rentabilität eines Filmes. Wenn man bedenkt, dass die heutigen Produktionen oft mehrere hundert Millionen Dollar kosten, gehen die Studios schon ein gewaltiges Risiko ein. Ich würde es ja wirklich begrüßen, wenn man die von dir angedachten Problemstellungen tatsächlich so inszenieren würde — das hätte nämlich totales Potenzial. Aber die Amerikaner bekommen nicht ganz so gern einen Spiegel vorgehalten.

    Ich denke da an „The Day After Tomorrow“, dessen Ende ja schön anzusehen, leider aber alles andere als realistisch ist. Ich denke, die meisten Deutschen würden auch sehr ungern einen Film darüber ansehen, wie sich unser Land aktuell nach außen darstellt (Griechenland, Flüchtlinge…). Noch dazu geht da dann allzu schnell der Popcorn-Faktor verloren.

    Ich denke, wir zwei sollten uns zusammenschließen und ein Drehbuch für einen außergewöhnlichen Superhelden-Film schreiben. Mit uns beiden in den Hauptrollen. Ich übernehme freiwillig die Rolle des Superhelden, dann darfst du der Schurke sein, das bietet sicher mehr Potenzial für schauspielerische Entfaltung… 😉

    Liken

    1. Da kriege ich schon wieder rote Ohren – und winke gen Süden, ich habe mich über die Zugriffe aus Bella Italia in den Stats sehr gefreut. 🙂
      Ja, der Popcornfaktor ginge verloren, andererseits sind zumindest die Produktionskosten geringer, weil nicht alles auf Hochglanz poliert werden muss und die SFX auch nicht so wichtig sind.
      Hier habe ich aber ehrlich gesagt auch höhere Erwartungen an DC als an Marvel, weil letztere erdverbundener sind, DC-Abenteuer können durchaus auch mal im All spielen. Damit würde man die Sache mit dem Spiegel umgehen können, der Film könnte die Probleme in anderen Kontexten aufnehmen.
      Das Drehbuch überlasse ich besser anderen Leuten, es könnte passieren, dass der Film sich nicht ernst nimmt. Die Schurkenrolle übernehme ich hingegen gern. Zumindest solange ich dem Helden nicht irgendwann meinen teuflischen Plan brühwarm darlegen muss, weil er von allein nicht darauf kommt. ^^

      Gefällt 1 Person

Datenschutzhinweise: Die Kommentarangaben werden an Auttomatic, USA (die Wordpress-Entwickler) zur Spamprüfung übermittelt und die E-Mailadresse an den Dienst Gravatar (Ebenfalls von Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu sowie generell zur Verarbeitung Ihrer Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir Sie auf unsere Datenschutzerklärung. Sie können gerne Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s