Heimkehr

Das schlimmste ist, dass ich mir keine Gerbera-Sträuße mehr ins Haus holen kann. So oder so ähnlich könnte man es zusmmenfassen, was mir widerfahren ist. Das schöne Leben, das man in meiner Situation durchaus Strohwitwerdasein nennen kann, ist schon ein Weilchen vorbei … Und ich hasse es.

Nichts gegen die Familie. Ich habe umfangreichen Grund zur Klage, egal ob sie anwesend ist oder nicht. Ich bin ein Meister der Beschwerde, da mache man sich nichts vor. Meine beiden Brüder kann man in der Pfeife rauchen. Da bin ich zur Abwechslung mal arbeiten und bitte darum, die Wäsche zu waschen, damit ich am nächsten Tag bügeln kann, stelle morgens um 6 noch die erste Maschine mit der Bügelwäsche an und versehe die übrigen Wäschekörbe mit Post-its (Waschanleitungen!), komme 12 Stunden später zurück und stelle fest, dass gerade die zweite Ladung läuft. Brüder …
Das wollte eigentlich aber gar nicht Thema sein. Die Bande, also meine Eltern, sind zurück. Glücklicherweise ist Bruderherz aufgebrochen, sich etwa eine Woche lang in Festivalschlamm zu wälzen. Es war ganz nett, wir haben es geschafft, zwei Abende hintereinander den Fernseher aus zu lassen, sondern uns zu unterhalten und zu spielen. Nur bei der Hausarbeit bin ich disqualifiziert. Setz dich in die Ecke, du hast doch schon genug gemacht. Kaum ist Mutter Zeilenende wieder im Haus, explodiert nicht nur die Wäschemenge (Es ist mir schleierhaft: Bei drei Personen reicht ein Waschtagmit drei Waschgängen  pro Woche, bei fünf Personen braucht es drei Waschgänge pro Tag) sondern auch ihr Arbeitseifer erneut. Ich hatte das ein oder Andere delegiert, kann im Haushalt selbst prinzipiell alles, aber kaum ist sie zurück, reißt sie mir alles aus der Hand … und klagt am Abend, dass sie furchtbar erschöpft sei. Mein Signal, die Rotweinflasche zu entkorken.
Es ist ruhelos geworden im Zeilenendeschen Haushalt. Ständig läuft jemand rein, raus, hoch, runter, quer durch die frisch geputzte Küche und erst in einen Erdhaufen und dann durch den Flur. Vielleicht schieße ich sie doch auf den Mond, damit ich endlich die letzten beiden Folgen Marvels Agents of SHIELD schauen kann, da warte ich schon eine Woche drauf. Andererseits: Astern machen sich in der Vase auch ganz gut.

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Und weil heute Sonntag ist, gibt es auch noch ein Brot dazu, wenn auch ein nicht angeschnittenes, weil ich heute 8h arbeiten und außer Haus frühstücken werde. Beim Backen hatte ich allerdings sehr viel Spaß. Das längliche Brot ist ein Dinkel-Vollkorn-Roggenmischbrot mit Sonnenblumenkernen und Kürbiskernen. Eine hausinterne Umfrage hat ergeben, dass dies neben Sesam das liebste Korn sei, außer bei Herrn Zeilenende Sr. Der bekommt dafür nächste Woche Paderborner. Das unförmige Brot behauptet von sich, ein toskanisches Landbrot zu sein. Im Wesentlichen ein Hefebrot auf Basis von 550er-Weizenmehl, wird es ungewöhnlich behandelt. Erst will es fünf Minuten gerührt, dann zehn Minuten gefaltet werden. Dabei braucht es unnatürlich viel zusätzliches Mehl. Nach zwei Stunden Gare will es nochmal zehn Minuten geknetet werden und dann mit öligen Händen drei mal gefaltet und in eine ölige Schüssel gegeben werden. Dort ist es mir dann zu lang gegangen, weil Herr Zeilenende Sr. een Wohnwagen wegbringen wollte und meiner Begleitung bedurfte. Bevor ich das Ofen völlig übergangen doch noch in den Ofen bekommen habe, habe ich es einfach noch zwei Mal gefaltet. Aber egal, ist eh nur ein Weißbrot. Und ich mag kein Weißbrot. Das ist nur für die Kinder. Für echte Kerle gibts Körnerbrot und einen Hefekranz mit Rosinen, Sukkade und Mandeln. (zweites und drittes Bild) für den Samstagskaffee.

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12 Kommentare zu „Heimkehr

  1. Jaaaaaa, die Familie im Haus ist so eine Sache. Ich habe vier Geschwister, die ich alle mag, mit denen ich gut auskomme — solange ich Nicht zu eng auf ihnen drauf sitze, denn dann rauben sie mir den letzten Nerv. Einer meiner Brüder ist ein wahres Organisations-»Genie« (=eher das Gegenteil), der andere ein Zyniker (und somit nur in kleinen Dosierungen erträglich), meine Schwestern sind da besser zu ertragen, aber auch hier muss man irgendwo dann sein eigenes Ding durchziehen.

    Langer Schreibse kurzer Sinn: Ich kann deine Situation nur zu gut nachvollziehen. Ich weiß noch, wie die Eltern bei uns im Urlaub waren… Ich hatte mit meiner Schwester eine Abwechslung in der Küchensauberkeit vereinbart, die für sie aber so aussah, dass sie den ganzen Tag sammelte und „einweichte“, ich dann abends alles wegspülen sollte. Hahaha. Selten so gelacht. 😤

    Schönen Tag heute!

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    1. Vielen Dank, der Tag verspricht in der Tat sehr ruhig zu werden. Und wenn ich ganz ehrlich bin, mag ich Astern auch … Und sowohl deine Mitbewohner als auch meine … Aber letzteres habe ich NICHT zugegeben, also: Pssst! 😉

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  2. Meine Familie halte ich nur einen Abend lang aus und dann auch nur, wenn ich die meiste Zeit davon in der Küche verbringe. Mein Mann rät mir immer, einen imaginären Alufolienhelm aufzusetzen und die „negativen Strahlungen“, die beispielweise meine Tante in Form von Gejammer über Krankheiten absondert, gar nicht an mich ran zu lassen. „Einfach nett lächeln, nicken und ja nicht über den Unsinn nachdenken. Und vor allem nicht kommentieren“.
    Meine eigene Familie – also Tochter, Beutetöchter und Anhang- hält dagegen mich nur in kleinen Dosen aus. Ich habe da wohl zum einen Züge von Frau Zeilenende und zum anderen habe ich festgestellt, dass mich zuviel Geplauder und Geplapper einfach nervt und das wohl auch signalisiere. Deswegen bin ich lieber in einer Ferienwohnung und zumindest einige Stunden allein mit mir und/oder mit meinem Mann und angenehmer Ruhe, als bei den Töchter zu übernachten.
    Kochen können sie übrigens auch nicht…

    Im Laufe des Tages werde ich dir noch ein Blumenfoto schenken -mit Nigella beschäftige ich mich heute nachmittag – und zuvor in einschlägigen Foren verbreiten, dass du Astern magst.

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