Ich habe erst überlegt, ob ich spaßeshalber ein Nacktbild von mir posten sollte. Dann fiel mir ein, dass ich nackt albern genug ausschaue, um bis in alle Ewigkeit nur noch voll bekleidet zu duschen. Ich löse das sich daraus ergebende Problem durch die Doppelstrategie: So heiß duschen, dass der Spiegel beschlägt und Anziehen nur mit geschlossenen Augen. Ich staune, wie schnell ich abschweifen kann, direkt nach der Überschrift. Womöglich schweife ich demnächst gar in der Überschrift ab. Heute wollte ich euch eigentlich von der Johannisbeermarmelade erzählen.

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Ihr seht auf folgendem Bild nicht allein, weshalb in unserem Haushalt die Tageszeitung abonniert wird, sondern vor allem die Überbleibsel von 2,5 Pfund roter Johannisbeeren. Das war die diesjährige Ausbeute meiner drei Johannisbeersträucher. Der vierte ist erst in diesem Jahr in die Erde gekommen und war nicht geneigt, schon Früchte zu tragen. Ich bin mit der Ernte ganz zufrieden.
Normalerweise entsafte ich rote Johannisbeeren, wie ich es in diesem Jahr mit den schwarzen Johannis- und den Stachelbeeren gemacht habe. Mir war gar nicht bewust, dass man sie auch anders verarbeiten kann. Selbst als ich im letzten Jahr Johannis-Himbeermarmelade gekocht habe, wurden die Beeren entsaftet und dann mit den ganzen Himbeeren zur Marmelade gekocht. Das Goldene von G+U, dem ich wohl oder übel mal einen eigenen Blogbeitrag widmen muss, so oft wie ich es erwähne, verzeichnet aber ein Rezept für Marmelade. Ich hatte nach was Neuem gesucht und dachte mir: Wieso nicht?
Die Johannisbeeren werden gewaschen, verlesen und von den Rispen befreit. Währenddessen kann man Bruderherz vorzüglich bei der Formulierung eines Motivationsschreibens für eine Bewerbung bei einer Behörde helfen … Wie surreal: „Mein Traum war es schon immer, Akten zu sortieren, Formulare  abzuheften und Existenzen zu vernichten. Ich glaube deshalb, mit einer Bewerbung bei Ihnen die richtige Entscheidung getroffen zu haben, nachdem mich mein Lehramtsstudium bzgl. der Existenzvernichtungsfrage desillusioniert hat.“ Bruderherz ist damit der zweite gescheiterte Lehrer in der Familie. Daumendrücken, dass es klappt – zur Übernahme des obigen Satzes konnte ich ihn leider nicht bewegen.
Doch weiter im Rezept: Johannisbeeren mit 200ml Wasser in etwa einer Viertelstunde weich kochen.Das ist schon schwieriger als man meinen sollte. Die Scheiße Der Mist ist mir nicht bloß einmal, sondern sogar zwei Mal übergekocht. Beim zweiten Mal, weil dieser Sohn einer syphiliszerfressenen Hure renitente Topfdeckel wieder auf den Topf gerutscht war, als ich mir gerade eine Dosis Koffein einschenken wollte. Normalerweise sieht man immer erst am Ende, wohin Zeilenendes Kunstperformance „Küchenverwüstung“ eigentlich führt. Diesmal war es schon zu Beginn eindeutig: Am Ende wird der Herd stundenlang fein säuberlich geschrubbt werden müssen. Arschloch-Ceranfeld Was für eine grauenvoll schwierig zu pflegende Konstruktion.
Am Ende hatte ich Johannisbeerbrei, immerhin ist nichts im Topf angebrannt, dann hätte ich nicht bloß geschrien, sondern mich weinend und mit den Fäusten hämmernd auf dem Küchenboden gewälzt und gemerkt, dass ich den auch mal wieder wischen sollte. Damit beginnt der Kraftakt. Denn auch wenn unser Keller voller Küchengerümpel ist, eine Flotte Lotte findet sich dort nicht. Ebensowenig in sämtlichen Geschäften mit Haushaltswaren in der näheren und weiteren Umgebung, die ich abgeklappert habe. Eine Verkäuferin eines „Haushaltswaren-Discounters“ wusste nicht einmal, was das sei. Hat man keine Lotte, muss man das zu Passierende in ein Haarsieb füllen und gefühlte fünf Stunden lang mit dem Teigschaber immer wieder gegen den Rand drücken. Wenn ich nicht ein laaanges Hörspiel gehabt hätte: Ich hätte wie ein Rohrspatz weiter geflucht. Aber dann hätte ich nicht zuhören können.

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So sieht das dann am Ende aus, wenn man den Gelierzucker hinzugefügt hat. Der Rest ist leicht, Johannisbeeren sind sehr dankbar, wenn es ums Gelieren geht. Und am Ende hat man eine leckere Marmelade, die sehr viel … samtiger? Ist das das richtige Wort? Ich weiß es  nicht. An Gelee stört mich die Konsistenz von Wackelpudding. Man schneidet eher Blöcke aus dem Glas, als dass man etwas aufstreicht auf das Brot. Ich für meinen Teil werde rote Johannisbeeren trotz des Mehraufwandes nie wieder anders zu Brotbelag verarbeiten. Und zu Weihnachten wünsche ich mir einfach eine Flotte Lotte. 🙂

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10 Kommentare zu „Der Kraftakt

  1. Eine Flotte Lotte kommt mir nie und nimmer nicht ins Haus.
    Zwar zermatsche ich keine Johannisbeeren, mache aber zu gern Apfelmus. Und ebendieser wird nur richtig (jawoll) samtig, wenn er durch ein Haarsieb gestrichen wird. Ein cremiges. Mus, wohingegen bei der Flotten Lotte immer etwas eigenartig aussehendes entsteht.
    Rühre, rühre Löffelstiel meine Kinder (fr)essen viel. ..

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  2. „lass mich an deinen ekligen Phantasien teilhaben“
    (ich habe das „c“ zwischen …Phantasien und teilhaben mal gelöscht, typischer Handy/Tabletfehler)

    gern:-) ich dachte, eine der Katzen hätte gegöbelt und du hättest es fotografiert.

    Wäre es so gewesen, gäbe es von mir extra für dich ein paar fotografierte Highlights aus meinem Berufsalltag.

    Johannisbeeren waren es also…

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