Ich habe keinen sonderlich ausgeprägten Gleichgewichtssinn und meine Haltung ist auch nicht die beste. Also dachte ich mir: Schulen wir das Gleichgewicht und arbeiten an der Körperspannung. Bevor meine Leserschaft besorgt ein medizinisches Problem vermutet: Zumindest in der Hinsicht bin ich kerngesund, nur schlecht sozialisiert.

Mein Gleichgewicht ist eine Katastrophe. Wenn ich auf einem Tisch sitze und mich ein wenig nach hinten lehnen möchte, falle ich gern vom Selbigen. Glücklicherweise bin ich einigermaßen beweglich und lande mit einer uneleganten Rolle Rückwärts wenigstens auf dem Po. Ebenso glücklicherweise bin ich aus dem Alter heraus, in dem man ständig das Bedürfnis hat, auf Tischen sitzen zu müssen. Als Gegenmaßnahme gegen meinen mangelhaften Gleichgewichtssinn balanciere ich gern auf Mauern und Bordsteinen. Es wird besser.

Gegen meine mangelhafte Haltung habe ich mich früher hochschulpolitisch engagiert und bin vom Rest der ausgesprochen linken Fachschaft mit dem Titel „der traurige Liberale“ darin unterstützt worden, meine völlig illusorischen Ideale zumindest im Kleinen leben zu können. Da meine Liberalität keinen institutionellen Halt (die FDP ist nur wirtschaftsliberal, die Grünen tarnen mit Liberalität nur ihren Dogmatismus, über die übrigen Parteien mag ich nicht sprechen) mehr findet, habe ich meine Ideale aufgegeben und bin Realist geworden. Seitdem beschränke ich mich auf Körperhaltung, ein schöner Rücken kann nämlich entzücken, ein gebeugter Rücken … Jedenfalls führt er zum Buckel und da bin ich erblich vorbelastet. Körperspannung ist als vorbeugende Maßnahme essentiell und im Fitnessstudio gibt es die ein oder andere Möglichkeit, daran zu arbeiten.

Das ist mir aber noch nicht genug. Da ich noch jung bin und über ein gerüttelt Maß Freizeit verfüge, habe ich mir ein neues Hobby zugelegt, das meiner allgemeinen Fitness, insbesondere aber den beiden genannten meiner vielfältigen Problemzonen zuträglich ist. Das Problem ist nur, dass ich nun auch nicht mehr so jung bin und mir Gedanken darüber mache, dass ich albern aussehen könnte, wenn ich übe.

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Alles begann mit meinem neuen Rucksack für die Arbeit. Der brachte ich mich auf die Idee. Ich bleibe noch ein wenig kryptisch, auch wenn der geübte Blick sicherlich leicht erkennen wird, worum es im Folgenden geht. Der Rucksack ist nämlich für die Ausübung meines neuen Hobbys gedacht. Ich hatte ihn eigentlich nur gekauft, weil er groß, rot, komfortabel zu tragen und um 50% reduziert war.

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Ich habe zu Ostern schon einmal angefangen, mich mit meinem neuen Hobby zu beschäftigen. Das Problem ist, dass man als Anfänger eine möglichst ebene Fläche aus Beton oder Asphalt braucht. Waldwege, Trampelpfade, Wiesen sind gänzlich ungeeignet, auch gepflasterte Plätze oder solche mit Gefälle oder in schlechtem Zustand. Die Kommune, in der ich wohne, ist nicht die reichste, ich habe also eine breite Auswahl an inakzeptablen Übungsplätzen. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe es auf einem rissigen Asphaltboden probiert.

Die Plätze, die es gibt und die sich eignen, liegen hingegen sehr zentral, ich bin mir also der ständigen Aufmerksamkeit meiner Mitmenschen sicher. Das mag ich schon im Fitnessstudio   gern, weil ich mich unter Druck gesetzt fühle und unter Beobachtung anders trainiere als wenn ich allein bin. Doch dann hatte ich eine Idee: Ein Weg, den ich selbst erst vor einiger Zeit beim herumstromern entdeckt hatte. Im Laufe meiner ersten Trainingsstunde bin ich dementsprechend auch nur einem Jogger (dummerweise einem feist grinsenden Bekannten aus dem Fitnessstudio) und zwei Hundehaltern begegnet.

wpid-20150719_123925.jpgNach der einen Stunde war ich allerdings auch bedient. Ich war stolz darauf, mir nicht weh getan zu haben und die ganze Strecke drei Mal in einem Rutsch geschafft zu haben. Aber ich war auch völlig fertig. Ich weiß nicht, ob man den Schweiß im Gesicht sieht, aber der Gesichtsausdruck spricht Bände, denke ich. Mein Shirt indessen sah so aus. Dabei hatten wir den ersten nicht so warmen Tag nach einer kleinen Hitze-Episode.

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Jemand erraten, was ich getrieben habe? Was könnte einem Mann wohl peinlich sein, weil er eigentlich ein wenig zu alt für das Beginnen mit seinem Hobby ist? Wofür braucht man eine ebene, glatte Fläche? Und was kann man wohl wunderbar an meinem Rucksack fest machen? Richtig, das Super-Sonderangebot, 20€ statt 80€ wegen Geschäftsaufgabe. Da nehme ich auch den albernen Print in Kauf, dennoch ein weiterer Grund, warum ich nicht in der Öffentlichkeit übe, sondern nur euch zur Belustigung davon erzähle.

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Und ich hatte von der ersten Einheit am nächsten Tag auch nur ein wenig Muskelkater.

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6 Kommentare zu „Körperliche Ertüchtigung

  1. Gleichgewichtsinn ist bei mir auch nur wenig vorhanden. Am liebsten steuere ich Türrahmen oder irgendwelche Pfosten an. Aber so ein Skateboard ist total super. Auf der selben Etage wie meine Schulküche ist die Fundgrube, wo alles hingebracht wird, was Kinder so im laufe der zeit vergessen. Vor kurzem fand sich da nun auch ein Skateboard ein. Eine Kollegin konnte mehr oder weniger, okay weniger, elegant durch den Schulflur rollen. Aber was richtig Spaß macht, ist sich darauf zu setzen und eine andere Person schiebt einen kräftig an. So das man mit lautem gejohle und gekreische durch den Flur sausen kann.:)

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  2. Zunächst dachte ich, du betreibst jetzt „Geocaching“. Dann war ich mir sicher, es ist die Teilnahme an „Ironman Frankfurt 2018″…..auf „Skateboard“ wäre ich nicht so schnell gekommen.
    Ich habe mal einen Kurs besucht, der „Fallen/ Stürzen bei Rollerskaten“ hieß. Lustig, aber auf Dauer nichts für mich. Ich konnte schon nicht Rollschuh fahren.
    Fallschirmspringen haben ich nach einem Bungeesprung von der Liste gestrichen.
    Ich bin Schwimmer und Läufer, beim Laufen ziehe das gelenkefreundliche Walken vor.
    Ich verzichte auf den Fahrstuhl, wenn ich mich gerade beim Geburtstag einer Kollegin/ eines Kollegen vollgestopft habe. (Anmerkung: ich stopfe mich nie voll, sondern esse alles in Maßen).

    Chapeau und vielleicht ein Tschakka, du schaffst es:-))

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    1. Skaten kann ich übrigens auch gar nicht. Da wollen meine beiden Beine gleichzeitig in fünf unterschiedliche Richtungen, dummerweise jedes Bein in andere fünf.
      Da ich mich noch nichtmal auf Leitern traue, gibt es bei mir kein Bungee, den Fahrstuhltrick nutze ich auch intensiv. Ich nehme eigentlich aus Prinzip die Treppe.
      Danke für den Zuspruch!

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