Blogparade: Schau doch mal …

In dem Ratgeber zum Erfolgreichen Bloggen stand irgendwas von: Beteiligen Sie sich an Blogparaden.Ich habe mir redlich Mühe gegeben und gesucht, ich habe sogar in meinem Reader das Schlagwort Blogparade abonniert, aber ich habe weder einen Lieblingsmascara noch einen Vater an meiner Seite, der mein Rückgrat bei der Kindesaufzucht ist. Ersteres könnte daran liegen, dass ich nicht einmal genau weiß, was Mascara ist … Irgendwas fürs Auge, Wimperntusche? … Zweiteres liegt weniger an den erzieherischen Fähigkeiten von Herrn Zeilenende Sr., def sich rührend um seinen Erstgeborenen gekümmert hat, sondern vielmehr an dessen Fortpflanzungsverweigerung.

Also, gewollt, aber nicht gekonnt, nicht das mit dem Kinderkriegen, sondern mit der Blogparade. Ich weiß, wie das mit dem braunen Zucker auf der Fensterbank geht. Eigentlich ist mir das mit den Followern ja egal… Nein, nicht egal, aber ich habe lieber einen treuen Samweis-Gamdschie-Follower als zehn Stormtroopers-Karteileichen. Aber der Austausch, den Blogparaden initiieren, finde ich spannend. Nachdem ich eher zufällig bereits was für den Bread Baking Day zur Hand hatte und derzeit die Montagsfrage bespiele, bin ich jetzt über eine Serienblogparade gestolpert, die mich thematisch gereizt hat. Und weil die Frist am Freitag ausläuft, verschiebe ich die Montagsfrage auf Samstag, wenn ich sie in dieser Woche nicht auslasse. Amerdale vom Mind Palace habe ich zwar bislang nicht gefolgt, aber immer wieder in meinem Reader mit Beiträgen aufpoppen gesehen, die ich gelegentlich gelesen habe. Ich bin beim Followen eben auch zögerlich, weil ich die ganzen Beiträge ja auch irgendwann lesen muss. Und dann kommt da ihre Blogparade zum Thema „wenig beachtete Serien“. Das ist ein interessantes Thema und ich hoffe nicht nur, auf ein paar neue Serien zu stoßen, sondern auch wenigstens ein oder zwei Menschen mit meinen drei „Kandidaten“ einen Sehtipp geben zu können. Ich verlinke auf IMDB, habe mich aber gegen Bilder entschieden. Bei Zeug aus dem Babylon-5-Universum weiß ich, dass man es unter Quellen-Nennung verwenden darf, alles andere ist mir nach wie vor zu heiß, wenn ich es nicht selbst geknipst habe.

1. Crusade

Fangen wir mit einer abgesetzten Serie an. Ich habe ja schon hin und wieder fallen lassen, dass ich ein riesiger Babylon-5-Fan bin. Und ich würde so weit gehen, dass ich Babylon 5 mein erstes Coming Out als Science Fiction Nerd hatte, also dem vor mir selbst. Zugegeben, die letzte Staffel war ziemlicher Bockmist, aber es war unklar, ob es eine fünfte Staffel geben würde und JMS wollte so viel von der Geschichte auserzählen wie möglich.
Crusade ist der Spin-off zu Babylon 5. Die Serie spielt fünf Jahre nach dem Ende des Handlungsrahmens von Babylon 5. Die Erde wurde verseucht, ein später Racheakt der Drakh, ehemalige Verbündete der Schatten. In Crusade bricht nun Captain Gillion auf, ein Heilmittel zu suchen. Unterstützung erhält er dabei von einer eigenwilligen Truppe: Einer ehemaligen Diebin, einem Archäologen und einem Technomagier.
Der Reiz von Crusade lag weniger daran, dass man sich Sorgen um das Schicksal der Menschheit machen musste, denn durch Vorausblicke in Babylon 5 war es klar, dass die Mission erfolgreich sein musste. Aber die spannende Frage war: Wie wollen sie das ohne auch nur den geringsten Anhaltspunkt schaffen, ein Heilmittel gegen die Drakh-Seuche in den unendlichen Weiten des Alls zu finden? Hinzu kommen die kuriosen Charaktere. Die Technomagier haben mich in Babylon 5 schon fasziniert, Magie mit Computern. Da hätte man mit Galen das Konzept vertiefen können. Die Technomagier hätten für Crusade das werden können, was die Telepathen für Babylon 5 waren… Auch wenn Crusade natürlich auch seinen eigenen Telepathen hat – als Teil der regulären Erdstreitkräfte!
Von Crusade wurden nur 13 Folgen gedreht, die Produktion wurde schon vor Erstausstrhlung abgebrochen. Ich weiß bis heute nicht, wieso. JMS ist bekannt dafür, dass seine Geschichten einen großen Rahmen haben und in den produzierten Folgen wurden nur die Charaktere, die Handlung und das Schiff eingeführt. Das sah, nicht zuletzt durch JMS Händchen für Spannungsausbau nach einem würdigen Babylon-5-Nachfolger aus. Schade, dass die Serie keine Chance bekommen hat. Noch betrüblicher ist es, dass auch viele Science Fiction Fans offenbar nicht wissen, dass es  einen Spin Off zu Babylon 5 gab, deshalb dürfen sie hier an erster Stelle stehen.

2. Taras Welten

Bevor ich eine weitere, mittendrin abgebrochene Serie vorstelle, kommt hier eine, die in Deutschland sogar im Free TV lief, wenn auch meiner Erinnerung nach nur im Nachtprogramm der ARD. Dabei hat Taras Welten in Form der Hauptdarstellerin Toni Collette gar einen Emmy und einen Golden Globe eingeheimst. Taras Welten ist die abgefahrendste Comedy, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, auch wenn es eigentlich Dramedy ist. Die Idee stammt übrigens von Diablo Cody, die das Drehbuch zu Juno geschrieben hat.
Es geht um eine amerikanische Familie und erzählt eigentlich nur deren Alltag. Job, Ehe, Kindererziehung, wäre da nicht … Ja, wäre da nicht Tara mit ihrer multiplen Persönlichkeit. Wann immer der Stress überhand nimmt, verschwindet Tara und Alice, Buck oder T mischen die Familie auf. Jede von Taras Persönlichkeiten ist ein vollwertiger Charakter und wird als Teil der Familie akzeptiert, auch wenn es schwierig ist. Die findigen Kinder nutzen das gelegentlich aus, um mit dem Teenager T. Blödsinn zu machen, hoffen dass die Fünfziger-Jahre-Hausfrau Alice den Kuchen bäckt, … Natürlich werden die Schwierigkeiten dieses Lebens thematisiert, aber alles in sehr liebenswerter Perspektive und mit einer gehörigen Portion Humor. Herrlich sind Alices Versuche, Taras Mann zu verführen, dass er ihr ein Baby macht, großartig, wie der pöbelnde Vietnamkriegsveteran Buck manchmal der beste Kumpel von Taras Mann ist oder wie T. ihn als ihren uncoolen Vater behandelt. Taras Welten ist bei aller potentiellen Schwere des Themas leicht und lustig, ohne dabei seicht zu werden und damit eine klare Schau-Empfehlung.

3. The Book of Daniel

Die dritte Serie ist erneut eine traurige Geschichte. The Book of Daniel sollte erst im Herbst 2005 seine Premiere feiern, wurde dann aber auf den Jahresbeginn 2006 verlegt, um dann nach vier Folgen abgesetzt zu werden. Die erste Staffel war auf 13 Folgen angelegt, 8 Folgen wurden produziert. Ich finde das zumeist sehr unbefriedigend, wenn eine Serie endet, bevor sie überhaupt begonnen hat oder vielmehr gar kein Ende bekommt. Andererseits gibt es unter diesen Serien das ein oder andere Schmuckstück, dessen Absetzung man bloß als Feigheit bezeichnen kann. Und wer die Charaktere von Taras Welten schon abgedreht fand, wird Daniel Webster und seine Familie lieben.
Im Mittelpunkt steht natürlich diese Familie. Wir haben: Einen chinesischen Adoptivsohn mit Hang zum Bodybuilding und zum gefühllosen Rumvögeln, eine Teenagertochter, die ein Talent für Mangazeichnungen und die typischen Teenagerprobleme hat, einen schwulen Zwilling, dessen Bruder gestorben ist, eine Mutter, die ebenfalls mit dem Tod ihres Sohnes zurecht kommen muss und Daniel Webster, einen episkopalen Pfarrer mit unkonventionellen Ideen, Tablettensucht, einem gerüttelt Maß Ehrgeiz und einem direkten Draht zu Jesus: Er kann mit ihm reden, bekommt Antworten und kann ihn vor Allem auch sehen.
Okay, die Nummer mit dem unkonventionellen Priester, der mit Jesus spricht, kennt man schon von Don Camillo, aber das diskreditiert die Idee nicht. Im Gegenteil, sie fügt dem abgefahrenen Setting noch etwas mehr Abgefahrenheit hinzu. Ist Jesus echt oder sind das Halluzinationen im Gefolge des Medikamentenmissbrauch? Wie kommt der progressive Daniel mit den eher konservativen Schäfchen und Vorgesetzten zurecht? Wie geht die Familie mit den unterschiedlichen Vorstellungen von Liebe und Begehren der beiden Söhne um? Haufenweise Stoff, der ergänzt wird durch Interventionen der Mafia, die Daniel nur zu gern bei seiner Arbeit helfen würde. Aber darf man sich mit dem Bösen einlassen um Gutes zu tun?
Man sieht wohl gleich, dass die Serie auf Provokation zielt: Homosexualität, Promiskuität, der Tod eines Zwillings, Jesus als Serienfigur, aber womöglich als bloße Einbildung eines wahnsinnigen Pfarrers, Einlassungen mit der Mafia – das Herz eines jeden Bible-Belt-Bewohners muss schwer werden, stellt er sich vor, so etwas liefe im TV. Ich vermute deshalb, dass NBC Angst vor der eigenen Courage bekommen hat, als die Serie kein Mega-Erfolg wurde und es wahrscheinlich die ein oder andere Schmähung des Senders durch kirchliche Kreise gab. Das ist betrüblich, aber die gedrehten Episoden sind dennoch unbedingt sehenswert. Man würde sich wünschen, dass das im Kino grassierende Rebooten, Pre- und Sequeln auch andere Fernsehserien als bloß Battlestar Galactica treffen würde und man The Book of Daniel eine neue Chance geben würde. Schaut euch die gedrehten Folgen an, ihr werdet trotz der losen Enden bestens unterhalten. Denn trotz der großen Gefahr solch einer massiven Stoffansammlung: Die Serie wird nie zu schwer, andererseits macht sie sich nicht übermäßig lustig. Ja, sie neigt gelegentlich zur Plattheit, wenn Probleme gleich wieder eingefangen werden, aber es wird nicht kitschig. Es ist positiv und lebensbejahend, statt vor der Größe der Schwierigkeiten des Lebens zu kapitulieren.

Das sind meine Empfehlungen wenig bekannter Serienschätzchen. Habt ihr die ein oder andere Serie auch gesehen oder habe ich euch neugierig gemacht, eine meiner Empfehlungen zu sehen? Das fände ich super. Oder habt ihr eigene gut gehütete Serien-Kleinode? Dann nutzt doch die Gelegenheit und macht bei Amerdales Blogparade noch bis zum 31.07. mit.

3 Kommentare zu „Blogparade: Schau doch mal …

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