Buchfresserchen hat eine weitere Montagsfrage gestellt, die wieder einmal einen Einblick in mein Leseverhalten bietet. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen und diese Frage bentworten … Oder zumindest dumm rummlabern und so tun als würde ich sie beantworten.

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Im Originaltitel ist bei Buchfresserchen vom SuB die Rede, auf dem ein Buch am Längsten liegen solle. Nun ist es bei mir so, dass ich mich von dem Konzept SuB schon lange verabschiedet habe. In meiner Studentenbude gab es solche Stapel noch, dort waren es gleich mehrere, fein säuberlich thematisch sortiert. Es gab einen Stapel für Science Fiction und Fantasy, einen für jedes Sachbuchgenre, dessen ich habhaft werden konnte, in der restlichen schönen Literatur war nach Unterhaltung, Klassikern und sonstigen Romanen unterschieden. Diese SuBs am Fußende meines Bettes sahen lustig aus und waren Teil meines wöchentlichen Fitnessprogramms, weil sie zum Behufe der Zimmerreinigung zunächst aufs Bett und nach erfolgter Bodensäuberung und rudimentären Abstaubens wieder an ihren alten Platz verbracht werden mussten. Mittlerweile habe ich aufgerüstet und verfüge über ein Regalfach mit drei Reihen und zwei Ebenen allein für die ungelesenen Bücher.
Bei solch einer Masse verliert man allzu leicht den Überblick über die Titel. Wie konnte es zu dieser Explosion kommen? Wie so häufig handelte es sich um einen schleichenden Prozess. Hier und da ein Buch kaufen oder geschenkt zu bekommen war nur der Anfang, hinzu kamen zahlreiche Flohmarktsbücher und vor Allem ehemalige Bibliotheksbücher, denen ich bei mir ein schönes neues Zuhause geben wollte, mein Bücherregal als Gnadenhof für gebrauchte Bücher. Besonders wichtig war aber der Tod meiner Großmutter mütterlicherseits, aus deren Haushalt ich vor einigen Jahren die Bücher übernahm. Einen Gutteil übernahm ich direkt und „Die drei Musketiere“ ist eines dieser Bücher, das eine Rekordzeit als ungelesenes Buch bei mir fristet. Zahlreiche Bücher haben allerdings auch ihren Weg zu diversen Tauschbörsen im Netz gefunden, ebenso wie einmal gelesene Bücher, wenn ich meinen Bestand doch einmal ausdünnen musste. Erstaunlicherweise hat das aber nicht zu einer Reduktion oder auch nur Konstanz, sondern zu einem exponentiellen Anstieg meines Bücherbestandes geführt, sodass seit beinahe zwei Jahren das Bücherkaufembargo über mir schwebt und ich nur sehr gezielt Bücher kufe, um die Bücher zu bändigen. Wie das rein ökonomisch möglich war, weiß ich nicht, aber sobald ich es begriffen habe, sollte der Finanzmarkt mit seinem sich selbst vermehrenden Geld auch kein Problem und der Wirtschaftsnobelpreis für mich gesichert sein.
So viel zu den Voraussetzungen. Aus diesen diversen Quellen, könnt ihr euch vorstellen, sind wirklich viele Titel angefallen, es waren einmal knapp 200, glaube ich. Soweit ich derzeit den Überblick habe, sollten es noch knapp 100 Bücher sein. Ich hätte spontan getippt, dass die Musketiere Kandidaten für das am längsten ungelesene Buch in meinem Haus sein könnten, dann fiel mir ein, dass ich den Herrn der Ringe zu Weihnachten 2002 geschenkt bekommen habe und seitdem als unlesbares Monstrum darauf harrt, dass ich es bei meinen gelegentlichen Anläufen doch irgendwann schaffe, durch die Story zu kommen. Ein weiterer guter Kandidat, wird aber durch noch ein weiteres Buch getoppt.
Ich habe im letzten Winter ein paar Kisten durchgesehen, die ich bei meinem Auszug bei meinen Eltern zurück gelassen hatte. Dabei ist mir eine Kiste mit Kinderbüchern in die Finger gefallen. Einige Bücher habe ich aus Nostalgie behalten, andere nach wochenlanger Lüftung verschenkt, einige auch entsorgen müssen, weil sie ihren muffigen Geruch nicht verlieren wollten. Unter diesen Büchern fand sich eine Sammelreihe Jugendbuchklassiker, enthielt solche Titel wie Winnetou und Buffalo Bill. Ich erinnerte mich, die zu meinem 8. Geburtstag von meinem Patenonkel geschenkt bekommen zu haben. Die meisten Titel interessierten mich damals wie heute nicht, sodass ich alle Bücher ungelesen im Regal belassen hatte. Bei der Wiederentdeckung fiel mir allerdings ein Buch ins Auge, das ich schmählich ignoriert hatte. So kommt es, dass Jules Vernes „Reise zum Mond“ seit stolzen 20 Jahren ungelesen bei mir herumsteht, während seine Kollegen den Weg in einen Bücherschrank gefunden haben. Aber ich habe dem Buch versprochen, dass es bald zu seinem Recht kommen wird. Das war an Weihnachten letzten Jahres. Mal sehen, wie lang ich noch brauche, das Versprechen zu halten.
Wie ist es mit euch? Seid ihr so stur wie ich,
dass ein eigentlich ungenießbares Buch dennoch bei euch auf sein Gelesenwerden harrt ,
euch die schiere Zahl an Lesemöglichkeiten zuweilen überfordert und ihr lieber was kaufft, statt euch den Prokrastinationsopfern zu stellen
oder habt ihr auch zufällig in einer Kiste einen verschollenen Gruß aus der Vergangenheit erhalten?

Lasst mich an euren „Ziegelsteinen“ teilhaben.

7 Kommentare zu „Montagsfrage: Welches Buch liegt am längsten ungelesen bei dir herum?

  1. Ich habe ca. 1996 „Idoru“ von William Gibson gekauft – nach drei Anläufen, die vor Langeweile immer irgendwo in der Einleitung stecken blieben, steht es mittlerweile fast 20 Jahre ungelesen in meinem Bücherregal – es ist sogar schon mehrfach mit mir umgezogen. Mal sehen, ob ich es diesen Sommer über die Einleitung hinaus schaffe. Wenn nicht, wird es verschenkt…

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    1. Idoru ist das Buch über diese künstliche Sängerin, oder? Von Gibson habe ich einiges gelesen, aber mit dem tue ich mich auch schwer. Ich schwanke immer, ob ich ihn für brillant oder schlicht unverständlich zu halten.

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  2. Hi Zeilenende! Mich überfordert manchmal die große Anzahl von meinen ungelesenen Büchern – würde ich sie alle aufzählen, hätte ich mich längst in eine dunkle Ecke verkrochen, um dem Lauern ungelesener Bücher zu entfliehen. Allerdings gefällt mir die Idee, alle Bücher systematisch zu stapeln, obwohl… Ehrlich gesagt gäbe es dann bei mir nur einen riesigen Fantasy-Stapel. Erhalte ich aber ein Buch, das mir gar nicht gefällt, lese ich stur trotzdem weiter. Denn am Ende frage ich mich immer, wie das Buch enden wird, selbst wenn die Geschichte nicht gut ist.

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    1. Liebe Julia,
      wer so spezialisiert auf ein Genre ist, dem rate ich dazu, einfach die Subgenres zur Stapelbildung zu benutzen: High Fantasy, Urban Fantasy, Mystery, Romantic Fantasy, Boring Fantasy, Interesting Fantasy, Funny Fantasy, Steampunk, Öhm…
      Aber mir geht es ähnlich, ich bin zu neugierig, um Bücher abzubrechen. Was im Fall vom Herrn der Ringe irgendwie doof ist, weil ich ja WEISS, wie es endet. ^^

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    1. Englische oder deutsche Ausgabe? Der liegt bei mir als englische Ausgabe auch schon ein paar Jahre herum, weil ich die Dubliners so klasse fand. Aber mehr als zwei Seiten habe ich noch nicht geschafft.

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