Weinabend mit Fladenbrot (BBD #76)

Der Weinabend ist geschafft und vor Allem ich bin geschafft, vertrage ich doch keinen Alkohol – und floss der bedauernswerterweise in Strömen. Mittlerweile wieder ausgenüchtert, kann ich die Vorbereitungen für den Abend mühsam rekonstruieren. Zum Abend selber kann ich nicht viel sagen, denn was dort gesprochen wurde, treibt mir immer noch die Schamesröte ins Gesicht. Ihr merkt, es war feucht-fröhlich, inklusive Kinderserienintro-Karaoke.

Bread Baking Day #76 - Flatbread/Fladenbrot (Last day of submission August 1, 2015)

Passt ja wie Arsch auf Eimer, dass im Kochtopf das aktuelle Motto für den Bread Baking Day „Fladenbrote“ ist. Denn zum Weinabend gehört neben Wein natürlich auch was Gutes zu essen. Was bietet sich bei dem Wetter mehr an als zu grillen? Und was passt zum Grillen besser als Fladenbrot? Richtig, Baguette, aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, welches zu backen … Und wollte dieses simple Fladenbrotrezept aus dem Goldenen von G+U unbedingt ausprobieren.

Bis zum Fladenbrot müsst ihr euch noch ein wenig gedulden, denn das kommt natürlich frisch aus dem Ofen und wird dementsprechend kurz vor Ankunft der Gäste fertig gemacht und in den Ofen geschoben, am Besten wenn das Fleisch auf den Grill kommt. Auch wenn ich normalerweise fürs Grillen zuständig bin, habe ich das an Bruderherz delegiert, der schließlich Gastgeber war. Mir gebührte die Rolle der Küchenfee. Also wenden wir uns zunächst den Begleitern des Fladenbrotes zu. Fleisch wird beim Metzger mariniert gekauft, dafür bin ich 1. zu faul, wird 2. von meinem Metzger selbst angesetzt, schmeckt 3. gut und ich war 4. wirklich viel zu faul für Marinade. Das mache ich nur, wenn ich etwas ganz Spezielles haben will.

Was braucht man noch für einen Weinabend außer Wein, den die Gäste mitbringen, Fleisch und Brot? Ich brauche zum Brot Butter. Weil ich in der entsprechenden Stimmung war und mein Bruder auf Tomatenbutter spekuliert hatte, beginnen wir also mit den Buttervariationen. Damit ist auch eine Vorentscheidung fürs Fladenbrot getroffen worden. Kein Schnickschnack, noch nicht einmal das Tomaten-Chili-Öl werden dem Teig zugesetzt, es wird puristisch, ganz nach Rezept ohne Abwandlung.

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Kräuterbutter ist simpel. Man nehme ein Päckchen Butter, schlage es in der Küchenmaschine mit etwas Salz weiß und vermenge diese luftiglockere Buttermasse mit verschiedenen Geschmackszutaten. Für die gehypte Tomatenbutter nehme ich eine Handvoll Oregano und ein paar Blättchen Basilikum, hacke sie klein, gebe Tomatenmark, Paprikapulver (wer hat, nehme das geräucherte) und etwas Tomaten-Chili-Öl hinzu, weil mir der Chayenne-Pfeffer ausgegangen ist, den ich normalerweise benutze, und vermenge alles.
Die Kräuterbutter wird nach Vorratslage im Garten individuell zusammengestellt, in diese sind Dill, Kreta-Majoran, Maggi-Kraut, Thymian, Rosmarin, Schnittlauch und irgendein Kraut, das nach Lakritze schmeckt, gewandert. Maggi-Kraut, Dill und die Lakritzpflanze nur sehr wohldosiert, Schnittlauch dafür umso mehr. Ihr fragt euch eventuell, wo die Petersilie steckt: Die kommt mir nicht in den Garten und in den Kochtopf noch weniger. Ich bin absolut kein Fan von Petersilie, außer in der Suppe. Statdessen lege ich euch Bohnenkraut ans Herz, das ich im Eifer des Gefechts vergessen habe mitzuhacken.
Die Krönung des Abends in der Mitte: Senfbutter. Es klang beim Lesen widerlich, da bin ich ehrlich, aber ausprobieren wollte ich das Rezept dennoch. Sie wurde weggeputzt als gäbe es kein Morgen. Auf 100g Butter nimmt man 1EL dieses körnigen französischen Senfs, 1EL mittelscharfen Senf (ich nehme Bautzner), viel Salz und einen Schuss Worcestershire-Sauce. Probiert es aus, es ist ein uuunglaublicher Geschmack.
Die Butter haben wir, Ketchup brauche ich nicht, weil ich noch Rhabarber-Chutney im Keller habe und die Jungs ein Herz für fertige Grillsaucen haben, Senf ist in der Butter drin, also widmen wir uns den Salaten.

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Beide Salate mache ich aus der Lameng. Für den Kartoffelsalat nehme ich Miracel Whip Balance, vermische sie mit einem Becher Naturjoghurt, füge viel Salz, etwas Pfeffer und Muskat hinzu, hacke Dill und Majoran, vermische alles gründlich und gebe es über Pellkartoffeln (oder vielmehr Schalenkartoffeln, weil ich die Schale von Kartoffeln mag) vom Vortag und einige kleingeschnittenen Gurken aus dem Glas. Mein Favorit sind dabei „Schlesische Gurkenhappen“, was auch immer das ist. So entsteht ein Kartoffelsalat, den ich zwar nicht mag, aber esse. Ich mag die süddeutsche Variante lieber.
Der Nudelsalat ist ebenso vollkommen frei Schnauze entstanden mit dem, was so da war. Ich habe 250g Vollkorn-Farfalle gekocht, eine rote Paprika in Streifen geschnitten, Artischockenherzen aus dem Glas (ich habe im Supermarkt welche entdeckt, die in Wasser statt Öl eingelegt sind, herrlich!) und Kirschtomaten halbiert und ein Glas selbst eingemachte süßsaure Zucchini (das Rezept liefere ich euch auch einmal) geopfert. Das Dressing besteht aus Joghurt, Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Tomatenmark, etwas Milch und 2 Teelöffeln selbst gemachtem Pesto (ich war vor ein paar Tagen sehr fleißig und habe verschiedene Pestovarianten hergestellt). Dann hatte ich mir eine Pause verdient, damit die Jungs auch einen anständigen Nachtisch serviert bekommen.

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Zu diesem Behufe habe ich Kolatschen gebacken: Quark-Öl-Teig, garniert mit Mohnback und einer Masse aus Magerquark, Ei, Zucker und Speisestärke. Eigentlich gehört auch Pflaumenmus drauf, aber das mögen weder Bruderherz noch Nesthäkchen, also habe ich es mir verkniffen. Mein selbst gemachtes Zwetschgenmus schmeckt ohnehin auf Brot viel besser. Leider nur noch zwei Gläser da und der Sommer noch so lang.
Nach etwa 15 Minuten im Ofen wird das Gebäck noch aprikotiert, was ich überlesen und dementsprechend keine Aprikosenmarmelade eingekauft hatte. Aber mein Apfel-Vanille-Gelee vom letzten Herbst sieht genau so aus wie Aprikosenmarmelade, ist ebenso süß und lungert noch in größeren Mengen im Keller herum, weil ich es aus Platzmangel hinter den Gemüsekonserven stapeln musste und es dort regelmäßig übersehen wird. Ihr seht übrigens einmal mehr: Ansprechende Optik ist absolut nicht mein Metier, aber um die Gäste zu zitieren: Boah, so vollgefressen habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

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Schnell noch was Fleischfreies für den Grill in Saté eingelegt (da musste ich selbst marinieren) und damit sind wir endlich beim Fladenbrot angelangt, weil ich nach dem Kaffee nicht nur meine Eitelkeit, sondern auch meinen Sonnenbrand pflegen musste und das seine Zeit dauert, wenn man den dreißig näher ist als den 20 …. Die Gäste rücken näher, also fangen wir an.

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Wir wollen es wie gesagt ganz simpel und klassisch. Das Fladenbrot soll frisch gebacken und hefig schmecken, aber die Akzente darf die Butter setzen. Deshalb nehmen wir 500g Mehl (das ganz normale Type 405), geben es in eine Schüssel und bröckeln einen Würfel Hefe mit 1TL Zucker und 5EL Wasser in die Mulde in der Mitte. Dann warten wir 15 Minuten und cremen nochmal über den Sonnenbrand.

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Nach dem Cremen fügen wir 1TL Salz, 2EL Olivenöl, 50g flüssige aber abgekühlte Butter und 250ml Wasser zum Vorteig hinzu und bearbeiten das Ganze so lange mit dem Handmixer, bis ein glatter Teig entsteht. Hefeteig mache ich nicht gern mit der Küchenmaschine und solch flüssige Teige bearbeite ich auch nicht gern händisch. Dann schmeißen wir ein Tuch drüber und warten etwa eine Dreiviertelstunde, in der wir kopflos durch die Gegend rennen, weil wir bestimmt etwas Wichtiges vergessen haben – oder gehen wie ich neuen Tabak kaufen.

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Wie ihr seht, zeitigt man mit der Tabakkaufmethode die besten Resultate und der Teig wächst ganz famos. Nun nochmal kräftig vermöbeln, halbieren und mehr oder weniger zu einem Teigfladen ausrollen, -ziehen, -kratzen und -beißen. Weitere 15 Minuten gehen lassen, in denen man sich mit den Verschlüssen von Armbändern und Ketten abplagen und den Ofen auf 220 Grad vorheizen und ein Eigelb mit 1EL Wasser verquirlen kann. Dann drückt man mit dem Rücken eines Messers ein Gittermuster in den lädierten Fladen …

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…bepinselt den Laib mit dem Eigelb, streue nach Gusto Sesam (ich nehme ungeschälten) und Schwarzkümmel (den mag nur ich, also lasse ich ihn weg) und werfe ihn für 15 bis 20 Minuten ins Höllenfeuer.

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Am Ende duftet es gar köstlich und schaut auch noch lecker aus, obwohl ich zunächst die Arbeitsfläche zu knapp bemehlt hattd, der Teig zu elastisch war, ich ihn aus Versehen einmal zerriss, etc.

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Geschmacklich überzeugt das Fladenbrot und hält genau das, was ich mir von ihm versprochen habe. Außerdem ist es unheimlich simpel zu machen, bis auf den Sesam hat ein Haushalt, in dem regelmäßig gekocht und gebacken wird, alle Zutaten griffbereit und kann damit auch als Mitbringsel für spontan anberaumte Grillzusammenkünfte eingesetzt werden. Und schaut es euch nur mal im Zusammenspiel an: Ich bin zwar immer noch vollgefressen, bekomme aber sofort wieder Appetit.

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5 Kommentare zu „Weinabend mit Fladenbrot (BBD #76)

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