Kalorienbombiges Ende

Zeit für ein wenig Nachlese. Mit mir verlässt die einzige geborene Hausfrau das Seniorenzentrum, was kein gutes Licht auf meine Kolleginnen wirft, die ihr Leben zu einem Gutteil als Hausfrau gelebt haben und mehr aus ökonomischer Not denn aus Erfüllung im Job bei uns arbeiten. Nicht dass ich fordere, dass man liebt, was man tut, doch wenn man die Alterntive hat, zu lieben was man tut oder etwas anderes zu machen, dann kann ich die Entscheidung, sich im bisherigen Leben auf den Haushalt beschränkt zu haben, nicht wirklich nachvollziehen, egal.

Ich habe zum Abschied einen vielfachen Wunsch erfüllt. Es gibt nämlich genau zwei Dinge, die unsere Bewohner*innen besonders lieben. Das eine sind Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne. Das können die Kolleginnen, weil der Waffelteig von der Küche ebenso zubereitet wird wie die Kirschen, die nur noch erhitzt werden müssen. Die Sahne kommt aus der Sprühflasche (und das Großartige: Sie ist ungesüßt und schmeckt nicht nach dem Triebmittel). Die Bedienung eines Waffeleisens und eines Induktionsherdes lasse ich nicht als haushälterische Tätigkeit gelten.
Das zweite Geliebte unserer Bewohner*innen besteht aus besonders vielen fiesen kleinen Kalorienmännchen auf besonders engem Raum. Wer die Kalorienmännchen nicht kennt: Das sind die Zwerge, die euch nachts die Hosen enger nähen. Anders gesagt … Was brauchen wir, Frau W.? „Haben Sie Butterkekse gekauft, Chef?“ „Ja, Sie kennen doch meine Kekssucht, Frau W.“ „Und was ist das, Chef? Palmin?“ Sie bekommt ein Glitzern in den Augen. „Haben Sie auch Kakaopulver in Ihrer Tüte?“ „Viel besser, Frau W. Wir machen die edle Variante mit Kuvertüre. Und ein paar Löffelbiskuits habe ich auch noch über, die verarbeiten wir mit.“ „Alles klar, meine Mutter hat auch immer die Reste dabei mitverwertet.“
Diesmal ist er gelungen und ich dürfte am Tag nach dem „Backen“ locker 10kg mehr gewogen haben. So satt das Zeug macht, wenn ich einmal anfange, von Kaltem Hund zu naschen tue ich das bis mir schlecht wird. Also nach anderthalb Stücken. Für unsere Bewohner*innen ist es pure Nostalgie, Erinnerung an große Feste oder gar die eigene Kindheit, wie im Falle von Frau W. Vor allem ist es aber ein zu Unrecht verpönter bis vergessener Klassiker, den man sich hin und wieder gönnen sollte, weil er unfassbar lecker ist.
Nachdem ich mir im vergangenen Jahr unterstellen lassen durfte, Bäcker, Konditor oder Koch gelernt zu haben, habe ich auch eines meiner düsteren Geheimnisse, Unterabteilung Küchenkatastrophen, preisgegeben, sozusagen als Abschiedsgeschenk. Als ich meinen ersten Kalten Hund gemacht habe, gab es Palmin noch nicht in den kleinen Päckchen, sondern nur in den riesigen Stangen – und wir hatten damals noch keine Fritteuse, also keine Verwendung für so viel Fett. Aber ich hatte im Supermrkt doch einen kleineren Block Palmin entdeckt. Ich bereitete daheim freudestrahlend den Kalten Hund zu, schob ihn in den Kühlschrank und freute mich am nächsten Tag so lang, bis ich die Form anfasste und merkte, dass der Hund von einem Kalten Hund nicht richtig fest geworden war … In der kleineren Packung war Palmin Soft.
Gemeinerweise befindet sich auf den heutzutage käuflichen kleinen Palminpackungen übrigens auf der Rückseite eine kleine Werbung für Palmin Soft, die mir regelmäßig einen Schreck in die Glieder fahren lässt, wenn ich Kalten Hund mache und die leere Packung nach getaner Arbeit entsorge. Dann fällt mir ein, dass es nur Werbung ist, drehe zur Selbstversicherung die Verpackung noch einmal um und entspanne mich. Meine Erklärung für den spitzen Schrei beim Aufräumen im Seniorenzentrum erheiterte dementsprechend nicht nur Frau W.
Als ich daheim erzählte, ich hätte Kalten Hund gemacht, bestand die Familie darauf, das sie auch einen haben wollte, auch mit Löffelbiskuits als Extra. Das traf sich ganz gut, hatte ich auf der Arbeit doch vergessen, Bilder zu schießen und euch auch visuell zu erfreuen. Und jetzt guten Appetit, nachmachen ist ganz einfach, braucht ihr doch nur ein Paket Butterkekse, Palmin und Kuvertüre (Mischung nach Wahl, ich nehme je 200g Vollmilch und Zartbitter sowie 250-300g Palmin), eine Kastenform und Frischhaltefolie: Kleidet die Kastenform mit Frischhaltefolie aus, belegt den Boden mit Butterkeksen, schmelzt Kuvertüre und Palmin und schichtet abwechselnd die Schokomasse und Kekse in die Form. Über Nacht im Kühlschrank fest werden lassen, stürzen und wochenlang davon essen.

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2 Kommentare zu „Kalorienbombiges Ende

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