When the moon is in the 7th house

Lasst uns nach Indien pilgern, liebe Freunde und Krishna huldigen … oder so. Vielleicht sollte ich einmal darüber nachdenken. Wenn ich schon nicht zu mir selbst finde, vielleicht zumindest einen gesunden Schlaf. Andererseits könnte ich dann keine spannenden Himmelsphänomene mehr beobachten.

Ich schlafe nicht mehr gut. Alles begann irgendwann vor zwei Jahren, als ich immensen Druck verspürt habe, zwei uralte Hausarbeiten endlich fertig zu bekommen (bzw. endlich einmal anzufangen), um mich fürs Examen anmelden zu können. Ich hatte sie mehrere Jahre prokrastriniert und nun waren es die letzten beiden Leistungsnachweise, die ich noch benötigte. Die Arbeiten gingen gut, eine fand ich mies und wurde gut benotet, eine fand ich brillant und wurde mit einer der gemeinsten Noten bedacht, die es im Studium gibt. Aber Hauptsache, alles ging gut.
Dann begann die Belastung der Examensarbeit, die mein Leben aufzufressen drohte, begleitet von regelmäßigen Panikattacken wegen sich nähernder Fristen. Habe ich alle Nachweise und stehen meine Prüfer wirklich zur Verfügung? Klappt die Kommunikation der Prüfungsbüros untereinander? Werden meine Korrektoren noch rechtzeitig fertig? Alles ging gut, auch wenn der Zweitkorrektor die Arbeit am allerletzten Tag durch hatte, soweit ich weiß.
Dann begann das Lernen für die Prüfungen. Es ist nicht der Stoff selbst, der einen schlaflos werden lässt, es ist die Masse an Stoff, gerade in auswendiglernintensiven Fächern wie Geschichte, gepaart mit der steten Angst, man könne im entscheidenen Moment eine wichtige Information vergessen und sprachlos in der Prüfung sitzen. Alles ging gut.
Während der Examensphase der erste Job, Umzug, wie soll ich das hinbekommen? Als Berufsanfänger ein eigenes Projekt? Dann: Wir können Ihnen keine reguläre Stelle anbieten, nur auf geringfügiger Basis die Realisierung des Projekts ermöglichen.. Unterbringung im Seniorenzentrum, stetes Kämpfen mit mir selbst, Angst, als unfähig ertappt zu werden, Angst, dass das Projekt doch nicht ankommt. Angst.

Blöde Jammerei? Ihr habt recht. Mir ist durchaus bewusst, dass ich irrational bin und lasse es mein bewusstes Leben nicht versauen. Nur ist irgendwann mein Schlaf auf der Strecke geblieben. Ich schlafe nur noch sehr selten Nächte durch und das mit noch nicht einmal 30 Jahren. Aber es ist das Leben, das ich mir ausgesucht habe, mit allen seinen Konsequenzen. Und ich liebe es. Das Projekt ist noch einmal um ein halbes Jahr verlängert, alles Weitere fügt sich langsam. Und es hat seine schönen Momente, wenn man morgens ab 4 mit einer Zigarette am Fenster steht, so wie heute. Auf der einen Seite geht der große runde gelbsüchtige Mond hinter einem Berg unter, auf der anderen Seite, wie ein Blick durch ein anderes Fenster zeigt, geht zur gleichen Zeit und genau gegenüber die Sonne auf. Das habe ich noch nie gesehen. Vielleicht passiert es ständig und es ist mir nur nie aufgefallen, aber es ist wunderschön und versöhnt mich mit meiner Schlaflosigkeit.

7 Kommentare zu „When the moon is in the 7th house

    1. Ich balanciere auf so ziemlich jeder Mauer, der ich begegne, das hilft meinem Gleichgewicht enorm. Mein Schlaf und ich waren aber noch nie wirkliche Freunde. Ich habe jahrelang 10 Stunden am Stück schlafen können, ohne ausgeruht zu sein. Trotz Wachphasen in der Nacht fühle ich mich mittlerweile besser. Ich sollte vielleicht auch präzisieren: Ich wache auf und bin so 15-30 Minuten wach, dann kann ich wieder schlafen. Aber danke für deine Sorge. 🙂

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  1. Diese Druckphasen kenne ich aus dem Studium auch noch, aber das ging schneller vorbei, als ich mir vorher jemals gedacht hatte. Und die Versagensängste kenne ich zur Genüge (immerhin war meine erste Stelle an einer Schule für Hochbegabte, da liegt die Messlatte für guten Unterricht ein klein wenig höher – zumindest gefühlt…). Aber auch das legt sich, sobald man ein wenig Fuß gefasst hat. Insofern kann ich dich beruhigen, mit der Zeit sollte das besser werden. Kopf hoch, Zigarette aus (da bin ich ein unverbesserlicher Moralist), abends ein paar altbekannte Star Trek-Folgen, das entspannt. 😉

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  2. Ich wäre ja froh drum, wenn etwas einmal nicht bloß besser, sondern gut wäre. Danke für die aufbauenden Worte, ich gehöre ja eh zur Fraktion der Limonadenmacher(gibt dir das leben Zitronen …) und sei es, dass ich mich an Himmelsphänomenen erfreue oder an dieser unglaublich beruhigenden Stille im Haus. 🙂

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