Ich hatte diesen Beitrag schon vor längerer Zeit versprochen, aber irgendwas kam immer dazwischen und er hat eine ganze Weile gebraucht. Lest deshalb verspätet erst jetzt von einem eintönigen Trip nach München über Vatertag (für die nicht-säkularen Christen unter euch: Christi Himmelfahrt).

Herr Zeilenende Sr. war vor über dreißig Jahren mal im Deutschen Museum, gemeinsam mit einem Kumpel aus Sandkastentagen. Mit dabei waren auch die Gattinnen. Die fanden es ganz furchtbar, dass ihre beiden Gemahle sich über mehrere Tage hinweg in diesem Gebäude vergnügen konnten. So entstand die Idee, Herrn Zeilenende Sr. ein verlängertes Wochenende in München mit zwei Tagen Eintritt ins Deutsche Museum zu schenken, inkl. Begleitung durch Zeilenende persönlich, der Museen liebt und ganze Urlaube in diesen Etablissements verbringen kann, sowie mit einem der beiden Zeilenende-Brüder. Ich glaube, die beiden haben Streichhölzer gezogen, wer mitkommen muss. Erstaunlich, bin ich doch der einzige Geisteswissenschaftler in der Familie, während der Rest der technisch-naturwissenschaftlichen Fakultät entstammt.

Der Termin war einfach zu finden. Herr Zeilenende Sr. darf man nicht die Wahl lassen, sonst entscheidet er sich nicht. Aber Herr Zeilenende Sr. ist glücklicherweise Lehrer und dementsprechend an den Ferienkalender gebunden. Über Pfingsten hatte seine Reisebegleitung keine Zeit, an Fronleichnam lag am Freitag eine Konferenz, blieb also nur Vatertag. Passte ja auch.

Die Anfahrt war nicht problematisch, lediglich die Wahl des Verkehrsmittels. Zeilenende wollte fliegen, weil er gern fliegt, Herr Zeilenende Sr. wollte nicht fliegen, weil er Flugangst hat, es aber nicht zugibt. Die Info hat mir Mutter Zeilenende gesteckt. Die Bahn war unverschämt teuer und sowohl Zeilenende als auch sein Bruderherz können Bahnfahrten nicht ausstehen. Herr Zeilenende Sr. fährt gern Bahn, aber nicht ICE. „Wir könnten ja mit Regionalzü…“ „Dann fährst du aber allein vor. Wir kommen mit dem Auto nach.“ Jetzt wissen wir auch, dass der neue Wagen hält, was die Tachonadel verspricht. Bruderherz hat auf langen Reisen immer einen Ziegelstein fürs Gaspedal dabei.

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Kaiserwetter sieht anders aus, aber der Kaiser ist ja auch eine preußische Erfindung.

Kaum angekommen und eingecheckt Freude darüber, dass ich mein Sportprogramm nicht vernachlässigen muss. Aufzüge aus der Zeit vor der neolithischen Revolution sind ein noch größeres Problem als Aufzüge allgemein. Und ernsthaft, sieben Stockwerke sind doch ein Klacks, gell? Ich war aber das einzige Mitglied unserer kleinen Reisegesellschaft, der das so gesehen hat. Egal, erst einmal einen Kaffee und anschließend Begehung der Innenstadt. Kirche, Feldherrenhalle, Stachus, das übliche. Ich erlaufe mir neue Orte gern und meine Reisebegleitung hat in den Tagen immer brav mitgemacht. Pedes statt U-Bahn ist die Devise.

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Bruderherz hat eine Schwäche für Schwarz, deshalb wird er geschwärzt. Zeilenende steht eher auf Schwarz von Innen.

Wir haben in den beiden Tagen nicht viel anderes gemacht als das Museum zu erkunden, zu saufen, Skat zu spielen und zu mampfen. Dementsprechend gibt es vor Allem Bilder von Exponaten. Herr Zeilenende Sr. hat zwar auch Landschaftsbilder gemacht, bspw. von unserer Visite an den touristischen Hotspots, von unserem Spaziergang durch den Englischen Garten und von noch mehr Essen, soweit ich weiß, aber auch er hat vor Allem Exponate geknipst. Nur, er nutzt eine Digitalkamera. Und er hat es bis heute nicht geschafft, die Bilder auf den Homeserver zu laden, damit ich sie einbinden kann. Vielleicht reiche ich sie mal nach.

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Selbst vom Essen haben wir nur das eine Bild. Leberkäse mit Spiegelei für Herrn Zeilenende Sr. und Bruderherz (dabei mögen die eigentlich kein Spiegelei!), Schweinebraten für den Spargeltarzan.

Das Deutsche Museum ist eine Wucht. Es gibt sooo viel zu sehen, zwei volle Tage haben nicht gereicht. Obwohl einige Bereiche nicht zugänglich waren wegen Umbaus haben wir einiges nicht gesehen und hätten noch ein oder zwei Tage mehr gebraucht. Aber bei aller Obsession meinerseits für Museen … Ich war nach den beiden Tagen am Ende meiner Aufnahmekapazität. Ich beneide jeden, der in München oder näherer Umgebung wohnt.

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Fliegeralarm!
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Wie sich Schlagzeilenschreiber doch irren können!

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Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich ein gewisses Faible für Luftfahrt. Eigentlich finde ich Nautik sehr viel spannender und wir haben die ersten drei Stunden unseres Besuchs in der Schifffahrtsausstellung verbracht. Aber die Exponate dort waren so groß, dass ich sie nicht photographiert bekommen habe. Oder es waren Modelle, die schön anzuschauen, aber nicht sehr photogen sind.

wpid-20150515_152632.jpgwpid-20150515_152610.jpg Noch eindrucksvoller als die Flugzeuge fand ich die ausgestellten Drachen, die wirkliche Prachtstücke sind. Und der untere ist wirklich beeindruckend, wie er sich mitten durch die Halle zieht. Mein persönliches Highlight war allerdings – natürlich – die Raumfahrtausstellung.

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Auch ich habe den Marsbewohnern schon einmal einen Brief geschrieben: Wesentlicher Inhalt war meine Bitte, mich wieder nach Hause zu holen.wpid-20150516_120622.jpgLinkerhand die sowjetischen und russischen Raketen, rechterhand die us-amerikanischen. Ich frage euch, liebe Leute, wer hatte die größeren Minderwertigkeitskomplexe wegen des zu klein geratenen Geschlechtsteils?
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Astronaut Zeilenende, wenn auch mit sowjetrotem Haarschopf, ist bereit, seine Mercury-Raumkapsel zu besteigen. Bitte nur ins All, nicht auf den Mond schießen!

Bruderherz hatte eher seinen Spaß an optischen Spielereien, wie den unten abgebildeten 3D-Animationen. Das ist das Beste am Museum: Es gibt so viel auszuprobieren und mit dem man herumspielen kann. Das ist natürlich auch ein Risiko. Einiges war leider bei unserem Besuch defekt. Aber das ist der Preis, den man in einem hochfrequentierten Mitmachmuseum bezahlen muss.

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Bruderherz fands cool, ich fands gruselig.

Neben der Raumfahrt habe ich ein Herz für Spielzeug. Dementsprechend beeindruckt war ich von diesem Bausatz für ein olles Kirchengemäuer. Vielleicht werde ich doch noch Museumspädagoge, wenn ich dann wochenlang mit Bauklötzen spielen darf.

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Was gibt es sonst noch zu erzählen? Ich hätte mir gern diesen Kerl vorführen lassen, leider harrt er seiner Routine-Restaurierung:
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Herr Zeilenende Sr. hatte in der Pharmazie-Ausstellung die meiste Freude. Ich glaube, das liegt daran, dass er dort sich selbst als Exponat entdeckt hat. Seht deshalb exklusiv Herrn Zeilenende Sr., ungeschwärzt!

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Als ob er in einen Spiegel blicken würde!

Glücklicherweise war nicht alles defekt, was man sich so vorführen lassen kann und die Demonstration des Faraday-Käfigs, insbesondere aber die Tesla-Spulen sind krass beeindruckend. Erstaunlich, was für einen Eindruck etwas so Alltägliches wie Strom hinterlassen kann, wenn man ihn nur effektheischend präsentiert.

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Zeilenende wäre einerseits gern im Käfig gewesen, hat andererseits unglaubliche Höhenangst.

Sehnsucht überkam mich unvermittelt in der Ausstellung zur Geschichte der Photographie. Ich ahnte nichts böses, ließ meine Blicke eher desinteressiert über die ausgestellten frühen Photographien schweifen und hatte dann das Bedürfnis, eine Photographie zu photographieren.

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Auslöser von Heimweh an die Stadt der Alma Mater.

Zeilenendes Lieblingsexponat habt ihr gesehen, ich habe ja daneben gepost. Auch das Lieblingsexponat von Bruderherz ist dabei. Herr Zeilenende Sr. ist zwar mit einer Portraitaufnahme dabei, aber was war denn nun sein Lieblingsexponat? Ich vermute fast, dass es dieser Kollege war because of the message he carries. 😉

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Wie gut Herr Zeilenende Sr. und wahrscheinlich alle Lehrer*innen diesen kleinen Kerl verstehen können.

Ich habe mich genug lustig gemacht über den alten Kauz. Eigentlich habe ich ihn ja ganz gern, wenn er mal nicht ähnlich anstrengend und schwierig ist wie sein Erstgeborener. Jede Familie sollte eine Nervensäge habe und in unserer Familie ist das meine Rolle.

Ich habe auch nicht mehr so viele Bilder, auch wenn wir auf mein Drängen auch dem Viktualienmarkt einen Besuch abgestattet haben. Der war aber vor Allem ein Fest für die Nase und da ich Gerüche nicht photographieren konnte, habe ich mir das gespart. Ich musste außerdem viel zu viel gucken.

Jedenfalls wirkte Herr Zeilenende Sr. glücklich und erholt. Und die Hauptsache für ihn war wohl dies: Mit zwei seiner drei Jungs was Spannendes und Lehrreiches erlebt zu haben, in einer solch wundervollen Stadt.

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Blick vom Sonnenuhrengarten des Deutschen Museums.

Letzte Bemerkung: Eine wundervolle Stadt, die Humor hat. Oder warum sonst sollten diese beiden Plakate direkt nebeneinander hängen?

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4 Kommentare zu „Endlich: Der versprochene München-Trip

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