In den letzten Wochen hat es den Großteil meiner Energien gefressen – und nicht nur meiner: Die Kolleginnen waren frustriert, die Chefetage hegte große Erwartungen und produzierte damit unglaublichen Erfolgsdruck, am Tag des Festes fühlte es sich zwischenzeitlich katastrophal an. Aber trotz düsterer Überlegungen (Druck zu groß? Sabotage? Simples Versagen?) verschiedener Leute endete es triumphal mit glücklichen Bewohner*innen, Kolleg*innen und einem sichtlich erschöpften Zeilenende: Das Sommerfest!

Wo anfangen?

Das Sommerfest hat eine lange Vorgeschichte, die Planungen begannen bei uns irgendwann im April, die Vorarbeiten in der Verwaltung und der Chefetage noch wesentlich früher. Aber niemand interessiert sich für Telefonate, Mails und Memoranden, außer denjenigen, die sie führen bzw. schreiben.

Am Tag des Sommerfestes begann das Fest zumindest für mich schon früher mit einer Mission. Aber dann sind wir schon zu weit in der Geschichte. Beginnen wir lieber am Tag vor dem Sommerfest. Zur chronologischen Einordnung: Das ist der Tag nach dem Scheißtag und vor dem Brotbacktag. Chronologie ist immer noch was für Amateure.

Kuchen backen für Fortgeschrittene

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Ihr seht Teile der Kuchenproduktion mit den Bewohner*innen. Der Küchenchef, einer meiner Lieblingskollegen, kam mit der Idee um die Ecke, dass meine Schäfchen doch auch etwas zum Kuchenbuffet beitragen könnten. Die Idee fand ich klasse und wurde von mir sofort umgesetzt. Ich musste mir noch nicht einmal ein Motto überlegen, er schlug Erdbeeren vor und der Nostalgiker in mir dachte sofort an Erdbeerböden.

Nun ist es so, dass ich Erdbeerböden für unter meiner Würde halte (obwohl ich eine entsprechende Obstbodenform besitze, warum auch immer) und ich verrate euch exklusiv, wieso: Ich hasse Kuchendekoration, wie ihr an dem Kuchen rechterhand gut erkennen könnt. Bei mir isst das Auge nicht mit, es hat nämlich keine Geschmacksknospen. Und das einzig Wichtige beim Erdbeerbodenbacken ist die ansprechende Drappierung von Erdbeeren auf dem Boden, die dem Backen folgt. Nein, nicht ganz. Meine assistierende Kollegin wollte für den Rührteig alle Zutaten zusammen in die Schüssel schmeißen und dann einmal kurz durchrühren. Ich wollte erst weinen, konnte danach einen Aufschrei gerade noch verhindern und war Frau W. dankbar, die tadelte: „Lassen Sie das mal den Chef machen, Schwester. So geht das nicht.“

Das Ergebnis fand ich gelungen. Liegt wohl daran, dass ich das Dekorieren ganz der Haushaltsrunde überlassen habe. („Ich bestreiche schonmal den zweiten Boden mit Erdbeermarmelade.“) Frau N. interessierte sich aber eher für den kapitalistischen Aspekt: „Wie viele Stücke schneiden Sie denn da raus, Herr Ulf? Und was soll das Stück kosten?“ „Ich denke, 12 oder 16 Stücke. Das lasse ich die Küche schneiden. Und die Preise legen die auch fest.“ Kuchen in Stücke schneiden mache ich wegen eines schlechten Augenmaßes auch nicht gern …

Fünf Minuten später: Frau N.:“ Wie viele Stücke schneiden Sie denn…“ Ich gab die gleiche Antwort. Beim dritten Mal variierte ich die Antwort: „Dieser Kuchen ist ein konditorisches Meisterwerk. Ich dachte an 10€ pro Stück, Frau N. Und wir schneiden mindestens 100 Stücke da raus. Aber dieser Hochgenuss sollte es jedem Besucher wert sein, denken Sie nicht auch?“ „Da haben Sie Recht, Herr Ulf. Ich werde kräftig die Werbetrommel rühren.“ Die Antwort hat Frau N. behalten.

Die Sache war also klar. Letztlich hat die zum Kuchenverkauf abkommandierte Kollegin je12 Stücke aus den beiden Erdbeerböden geschnitten und für 1,80€ das Stück verkauft. Erstaunlicherweise haben nur meine Damen und ich Erdbeerböden gebacken (Ich dachte, das sei DER Klassiker für frühsommerliche Kuchenbuffets.) und beide Böden waren weg, bevor irgend ein anderer Kuchen auch nur halb verkauft war. Dabei war das Buffet imposant und es gab vorher auch üppiges Mittagessen. (s. u.)

Ansonsten haben wir noch Erdbeerkäsekuchen produziert, das ist das Ding auf dem rechten Bild oben. Einfach eine Käsemasse mit Erdbeeren vermischen und Streusel mit weißer Schokolade anreichern. Sehr simpel aber extrem lecker. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe ihn nicht nur gebacken, von DEM Kuchen habe ich sogar ein Stück abbekommen. Auch wenn er nicht so schön aussieht – Augen haben immer noch keine Geschmacksknospen.

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Mittagsbuffet vorab: Reibekuchen, Paella, Steak, die Würstchen vorne vorübergehend ausverkauft.
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Antipasti, Kartoffelsalat nach Bewohnergeschmack (oben) und nach Zeilenende-Geschmack (unten).
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Was für ein Kuchenbuffet! Obendrauf standen auch noch welche, die habe ich gar nicht aufs Bild bekommen.

Der Morgen davor

Unser Motto war „Europas Nachbarn“ und wir sollten wenn möglich kostümiert erscheinen. Kostümiert! Ich bin zwar Rheinländer, mehr oder weniger zumindest, aber auf Grund meiner Abneigung gegen große Menschenmengen kein Karnevalsfeierer. Ich bin nur vor dem Fernseher jeck und dafür kostümiere ich mich nicht, höchstens mal als antiker Athlet *hust*. Was also anziehen?

Ich fuhr am Abend zuvor wie immer mit dem Rad vom Bahnhof heim, als ich eine Eingebung hatte. Die besten Ideen habe ich erstaunlicherweise beim Rauchen oder beim Radeln. Vielleicht sollte ich mir einen Hometrainer mit integriertem Aschenbecher zulegen. Wie dem auch sei: Ich brauchte Hosenträger!

Kaum zu Hause angelangt, rief ich Mutter Zeilenende an. Die weilte auf einer Chorprobe mit Damen zumeist jenseits der 120, zumindest gefühlt. Da würde sich doch sicher ein Ehegatte mit Hosenträgern finden, die man mir leihen könnte. Aber Pustekuchen. Die Herren tragen mittlerweile alle Gürtel. Dementsprechend musste ich vor Dienstantritt noch ein Bekleidungsgeschäft stürmen, um mein Outfit zu perfektionieren. Die Dinger sind zwar nicht sehr bequem aber kleidsam. Vielleicht trage ich sie zukünftig häufiger. Den Rest des Outfits hatte ich im Kleiderschrank. Na, welche Nation habe ich vertreten? Und wehe, jemand sagt jetzt Hipsterland!

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Was für ein fescher junger Mann!

Dieses Photo hat übrigens eine Geschichte. Unsere Kamera ist verschwunden, also war ich der Einzige, der Bilder machen konnte. Offenbar hatten alle anderen vergessen, dass sie Smartphones mit Kamera in den Taschen hatten. Frau P.: „Bilder mit dem Telefon, erstaunlich!“ Frau P. ist sowieso ein Goldstück.

Die Seniorentanzgruppe von Kollegin U. hatte einen Auftritt. Kollegin U. nutzt das gern, mich zum Tanzen zu zwingen, was ich hasse wie die Pest. Frau P.: „Das hat man gemerkt. Ihr Blick war der Höhepunkt in der Conga. 10 Minuten lang ihr staunender Blick, als ob Sie es nicht fassen können, was Sie da tun.“

Als ich dann den Geschirrwagen durch die Gegend fuhr: „Der Wagen steht Ihnen, Ulf.“ Sie lässt das „Herr“ weg. „Hat von Ihnen schon jemand ein Photo gemacht? Geben Sie mal das Ding her!“ 10 Minuten und 25 Versuche später hatte sie den Dreh raus und den Finger nicht mehr auf der Linse. So ist dieses Bild entstanden.

Es gäbe noch mehr zu erzählen, aber ich denke, ich lasse lieber ein paar Bilder sprechen. Viel Vergnügen!

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Na, wofür brauchen wir die wohl?
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Tombolapreise
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Sommerfeste sind kein Grund, seine übliche Tagesroutine zu ändern, gell Herr S.?
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Frau R. hatte nicht nur Losglück, sondern auch einen Bärenhunger auf Kuchen.
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Die meisten Bewohner*innen haben es bei nur einem dennoch köstlichen Stück Kuchen belassen. Links und rechts im Bild: Zeilenende-Benzin.
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Musikalisch wurde viel geboten. Kollege Paul war ähnlich gut gekleidet wie ich und ich liebe Leierkästen.
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Die Jungs wollte ich nicht verunstalten, ich hoffe sie nehmen es mir nicht übel. Die waren mein persönliches Highlight.
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Und neben einigen anderen Acts hatten wir auch eine solche Truppe zu Gast. Favorit fast sämtlicher Bewohner*innen.
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Und natürlich war es an mir, die Luftballons ihrer Bestimmung zuzuführen: Mir eine bequeme Heimreise zu ermöglichen.
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4 Kommentare zu „Geschafft!

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