Ich habe ein Faible für Rhabarber. Die Leidensgeschichte, die ich im letzten Jahr zu erdulden hatte, könnt ihr hier nachlesen, aber in diesem Jahr hat er mich reichlich bedacht. Bevor die Saison nun endet, musste ich ihm schnell noch einen Blogbeitrag widmen und ihn einer sinnvollen Verwendung im Küchenlabor zuführen.

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Was haben wir denn da? Ich sehe etwa 750g Rhabarber, geschält und klein geschnitten in einer Pfanne liegen. Weil ich noch eine schöne Stange Lauch im Keller liegen hatte, kam ich nicht umhin, ihr all meine Liebe angedeihen zu lassen und sie in Ringform dem Rhabarber beiwohnen zu lassen. Eh ichs mich versah, hatten sich noch einige getrockenee Aprikosen und Cranberrys selbst eingeladen und sind in die Pfanne gehüpft.
Als ich mir die Malaise besah, kam mein Bruder mit einigen Chilischoten um die Ecke. Die seien ihm zu mild, sagte er. Ich kostete, spie Feuer, dankte und wollte sie entsorgen, aber da hatten sie sich schon unters Messer gelegt. Getane Arbeit nivelliert man nicht gern, also durften sie ebenso hinein wie eine gute Portion Zucker und Apfelessig, womöglich das Ergebnis der Beiwohnung von Rhabarber und Lauch. Wenn in der Bibel ohne Beiwohnung Kinder entstehen, können mit Beiwohnung in meiner Küche durchaus solche kleineren Wunder geschehen. Und wenn man schon eine Party in der Pfanne feiert, benötigt man schließlich Getränke und Naschwerk. In der Bibel musste dafür noch aufwändig die chemische Struktur von Wasser in die von Wein verwandelt werden. Oder die haben sich vertan und das Wasser war schon vorher sehr schlechter Wein.
Für die Party, also die in meiner Pfanne, ansonsten hasse ich solche Veranstaltungen, hatte ich mir etwas besonderes überlegt und ein paar Stargäste eingeladen. Aber die behielt ich erst für mich, sodass die Pfannengesellschaft eine Weile im eigenen Saft ziehen musste. Schließlich gab ich mein Geheimnis doch frei und stellte Herrn Anis, Frau Ingwer und das Koriandersamen-Ding, einige meiner liebsten Superhelden vor und heizte der Party mit Nummer 4 der Fantastic 4, der Herdplatten-Fackel, für eine halbe Stunde richtig ein.
Was soll ich sagen? Das junge Gemüse verträgt nichts mehr, nach kürzester Zeit war es weich gekocht und hing mit matschiger Birne rum. Vielleicht habe ich ja aus Versehen auch Wasser in Wein verwandelt … Ich habe mich den Resten erbarmt und ein kühles Bett für sie im Vorratskeller bereitet.

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6 Kommentare zu „Rhabarberisierung der Küche

  1. Ich bin leidenschaftliche Köchin, habe aber mittelschwere Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass das schmecken könnte 🙂 🙂 🙂

    Ich fahre jetzt ins Wochenende und versuche die hessische Küche zu ertragen. Also genauer: die hessische Küche meiner Tochter 😉

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    1. Es schmeckt süßsauer. Eben wie ein gutes Chutney schmecken sollte. Ich war beim ersten Mal auch sehr skeptisch, aber ich koche Rhabarberchutney in unterschiedlichen Varianten mittlerweile sehr gerne und esse es am liebsten zu einem Steak, dem ich die heiße Pfanne zeige, bevor ich es verputze. Es ist jedenflls bekömmlicher als das, was der Hesse unverschämterweise Spezialität nennt, von Grüner Sauce mal abgesehen. Ich wünsche dir einen robusten Magen. 🙂

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  2. Mutiges Rezept. Ich kenne Rhabarber eigentlich nur in süßer Verarbeitung (Kompott oder auf dem Kuchen, allerhöchstens noch in Zucker gedippt), aber schon die Kombination mit Lauch wirkt dezent »verstörend«… 😜

    Hat es denn geschmeckt?

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    1. Den Lauch habe ich nur genommen, weil mir die Zwiebeln ausgegangen waren… Das ist bei mir beinahe ein Grund für die Hemingway-Methode. Glücklicherweise war der Lauch dann da und hat mich bewahrt. Rhabarber eignet sich wegen seiner Säure exzellent auch für süßsaure Küche. Und geschmeckt? Um Mutter Zeilenende zu zitieren: „Ih, was ist das denn?“ Ich: „Nimm mal nen Löffel.“ Nam nam nam “ Oh, das Glas ist leer? Du hast doch noch mehr davon gemacht, oder?“

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