Scheißtage-Kur

Dieser Blogbeitrag war etwas kompliziert. Zuerst wollte ich mich über meine Arbeit einmal so richtig auskotzen, dann wollte ich mich ausheulen wegen des ersten Abschieds, mich über meine unmögliche Kollegin beschweren und schließlich meine Art des Umgangs damit schildern. Dann habe ich beschlossen, alles wohldosiert einzubringen, weil ich nicht ZU viel zur eindeutigen Identifizierung erzählen will, ich eigentlich nicht schlecht über meinen zukünftigen Beinahe-Ex-Arbeitgeber reden möchte und beschlossen habe, dass reine Motzbeiträge zumindest in meinem ausufernden Stil ohnehin niemand lesen will. Aber dann das Problem: Wie betitel ich das Ganze?

Ja, ich weiß, der Titel klingt eher wie ein Ratgeber gegen Magen-Darm-Infektionen. Aber ehrlich gesagt, wie sollte ich es sonst lösen? Ich gebe mir einige Mühe damit, meine Titel interessant klingen zu lassen. Ich führe ein Allerweltsblog und auch wenn ich hoffe, dass die Inhalte für euch interessant sind, geht es ganz ohne hübsche Verpackung nicht, gell? Und eitel genug für ein gelegentliches Linsen auf Likes und Follower bin ich auch. Jedes Mal eine Bauchpinselei, wenn jemand neues followt oder einer von euch liket. Danke dafür. 🙂
Ich finde die Vorstellung, die der Titel zumindest bei mir auslöst, zwar ekelig, aber ich finde auch Twilight ekelig und das haben Millarden Menschen freiwillig und dann auch noch mit Genuss gelesen. Also kann der Titel nicht sooo schlecht sein.

Scheißtag

Wo anfangen? Heute morgen vielleicht. Ich war eine halbe Stunde vor dem Wecker wach und habe rumgelegen. Ich bin morgens meist ohnehin früh dran und habe viel Zeit vor dem Weg zur Arbeit. Zudem ist Mutter Zeilenende ein ziemlicher Morgenmuffel. Ich versuche unter der Woche erst nach ihrer ersten Tasse Kaffee in der Küche aufzutauchen oder vor ihrem linken Bein auf dem Boden vor dem Bett schon auf dem Weg zur Arbeit zu sein.
Ich könnte weitermachen mit einem straffen Tagesplan, in dem ich irgendwie auch noch eine Hospitantin anleiten musste, mich zu einem Lamento über einen nur mühsam abgewehrten Keksfressanfall, bedingt durch zahllose störende Kleinigkeiten, steigern und schließlich damit enden, dass heute Türen geknallt, herumgeschrien und wütend davongestapft wurde; und das obwohl ich mit der Verarbeitung von Alltagsemotionen meiner Umwelt schon am Rande der Belastbarkeit bin. Als Epilog könnte ich zwei Krankmeldungen anfügen, das unser Team auf jetzt nur noch niedrigen einstelligen Bereich reduziert. Und das obwohl das Sommerfest vor der Tür steht. (Ihr merkt, chronologisches Erzählen ist bloß was für Amateure, da stehe ich drüber.) Fazit: Ich habe noch nicht einmal meine Tagesdosis Kaffee geschafft.

Abschiede

Auch wenn manche Kollegen und Bewohner immer noch nicht davon gehört haben und überrascht bis entsetzt reagieren, wissen die meisten, dass ich Ende des Monats das  Haus verlassen werde. Frau W., nicht die aus dem Zoo, meint dazu seit Wochen nur: „Sie sind ja immer noch da. Ich dachte, ich wäre sie endlich los. Dann müsste ich keine Lügen mehr über meine Frisur hören.“ Aber Frau W. hört sie gern, da machen wir uns mal nichts vor. Die Personalabteilung wäre mich am liebsten jetzt schon los, mein Arbeitszeitkonto hatten sie schon vor ein paar Tagen gelöscht und eine mittelschwere Panikattacke bei mir ausgelöst. Ich habe schließlich noch genug Resturlaub und Überstunden, um zwei Wochen bezahlt zu Hause auf der Couch zu sitzen und fett zu werden. Glücklicherweise kommt nichts weg. Aber ich schweife ab.
Kollegin P. geht in den Urlaub und war somit die Erste, der ich Adieu sagen müsste. Sie hat es mir leicht gemacht. Wir haben über all die guten und schlechten Momente des vergangenen Jahres geredet, wir haben etwa zur gleichen Zeit angefangen. Ich gehe nach wie vorn gern und zufrieden mit meiner geleisteten Arbeit. Ich weiß aber auch, dass ich die einzig richtige Entscheidung getroffen habe, sowohl aus ökonomischen als auch vor Allem aus ethischen Gründen. Dennoch war ich so traurig wie im ganzen vergangenen Jahr nicht, als wir uns zum Abschied umarmt haben. Und ich mag Umarmungen eigentlich gar nicht. Ganz weg bin ich nicht, aber es wird anders sein … Mir graut vor meinen letzten Tagen. Die doofen Kollegenchecken bestimmt was aus und machen mich verlegen.

Kur

Was tut man in solchen Fällen? Ich habe im vergangenen Jahr einiges über meine Leistungsfähigkeit gelernt. Ich laufe in acht Stunden zwar mindestens Doppel-Marathon, aber das eigentlich Belastende in der Betreuung ist das Psychische. Alles, was heute geschehen ist, war weniger körperlich als vielmehr seelisch belastend. Dagegen hilft zumindest mir, die Grenzen des Physischen auszureizen. Weil ich nicht gern laufe (also so richtig) und das Rad schon Teil meines Arbeitsweges ist, war es heute umso wichtiger, nach Hause zu kommen, eine Kippe zum Aufwärmen zu rauchen und dann schnurstracks ins Fitnessstudio zu gehen. Ich darf nur nicht den Fehler machen, mich irgendwo hinzusetzen, bevor ich in der Umkleide die Schuhe schnüre. Danach wird zwei Stunden gepumpt, bis es unmenschlich anstrengend wird … Und noch ein wenig weiter, bis ich spüre, dass die jeweils nächste Wiederholung schmerzhaft werden wird. Ich habe meiner Physiotherapeutin vorgeschlagen, als sie mir das erste Mal beim Frusttraining zugeschaut hat und einen skeptischen Kommentar abgab, sie könne alternativ einen Sandsack aufhängen. Dann nickte sie verständnisvoll, schärfte mir noch einmal ein, nie in den Schmerz hinein zu arbeiten und sich nicht bei IHR zu beschweren, wenn ich am nächsten Tagen nur kriechend aus dem Bett käme. Doch bislang waren die nächsten Tage nach solchen Kraftanstrengungen immer die Besten. Und die Abende waren wunderbar, so wie auch an diesem Abend. Mein Kopf ist frei von Sorge und ich kann einigermaßen leidenschaftslos darüber schreiben. Und der nächste Morgen war herrlich. Ein Hoch auf Latzug, Rotator und co.

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8 Kommentare zu „Scheißtage-Kur

  1. Abschiede sind immer Mist. Sätze wie: lass uns bald mal einen Kaffe trinken gehen, kann man sich dann auch schenken. Wird sowieso nichts.
    Ich gehe zweimal die Woche ins Fitnessstudio. Ich gehe gerne und hänge auch gerne an Latzug und co. Leider nutze ich die Aktivitäten auch recht oft zum Frustabbau und nicht nur zum Spaß, wie es am Anfang gedacht war.

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    1. Ich finde es gar nicht schlimm, es zum Frustabbau zu nutzen. Sich den Frust von der Seele zu reden kann ganz schnell dazu führen, dass man nur noch jammert oder sich jemanden sucht, der für das Abladen von Problemen zuständig ist. Beides schadet den sozialen Beziehungen dauerhaft mehr als es nützt. Von daher: Glücklicherweise hast du was, das dir hilft, den Frust in was Produktives zu verwandeln. 🙂

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  2. Glücklicherweise geht jeder Tag rum. Aber Musik finde ich zumindest beim Krafttraining störend, da brauche ich meinen Rhythmus aus Atmen und Fühlen und das bewusste Tun jeder Bewegung. Im Unterschied zum Ausdauertraining, wo ich den Flow genieße, dieser Moment, ab dem alles automatisch geht und mir lange Zeit Máximo Park den Takt der Schritte vorgegeben hat.

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