Rezension: Dana S. Eliott – Das Geheimnis von Pamunar (Taberna Libraria Bd. 2)

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Verwaschene Bilder, verwaschene Bücher. Heute nehme ich mir den zweiten Band der Fantasy-Reihe „Taberna Libraria“ vor, mit dem herrlich unpassenden Titel „Das Geheimnis von Panumar“. Warum unpassend, fragt ihr euch? Weil das Geheimnis irgendwo in der Buchmitte beiläufig erwähnt wird und en passant bei der Lösung eines viel wichtigeren Rätsels gelöst – und erst nach der Lösung überhaupt ausführlich erläutert – wird. Ich schlage als besseren Titel „Der Tragödie zweiter Teil“ vor und das nicht nur, weil der zweite Teil vom Faust ähnlich unerträglich ist, sondern noch schlimmer als der erste.

Inhalt laut Buchcover

Eine fremde Welt, ein dunkler Magier und ein verbotenes Buch – Die fantastische Geschichte um Corrie und Silvana geht weiter!

Corrie und Silvana konnten dem dunklen Magier Lamassar einen herben Rückschlag zufügen. Doch beide wissen, dass dieser nicht so schnell aufgeben wird. Also müssen sie das nächste Puzzlestück des Buches von Angwil so schnell wie möglich finden. Die Suche führt die beiden Frauen auf die abgelegene Insel Panumar. Aber Lamassar erwartet sie schon …

Sprache

Ich habe in der letzten Rezension den furchtbar gekünstelten Stil kritisiert. Immerhin konnte man dem ersten Band zugute halten, dass er wohl ein Lektorat genossen hat. Das haben sich die Damen und Herren beim Knaur Verlag diesmal gespart, wie ich vermute. Oder niemand wollte freiwillig lektorieren – aus Sorge um die geistige Gesundheit. Geschmacksprobe gefälligst? Gerne doch.Ich muss nur die erste Seite aufschlagen.
Fangarme aus Rauch kräuseln sich suchend und wabern. Anschließend hinterließen krallenbewehrte Pranken dampfende Spuren, schnüffelnd wird das Opfer gesucht, und das Highlight: Gierig sogen die Kreaturen Luft in ihre schwelenden Nüstern, und der qualmende Atem war durchzogen von knisternden Funken.
Nach dem Geknistere war mir schlecht, aber ich habe mich weiter durch den Prolog gequält. Dummerweise warteten zwei Seiten später Unmengen an Füllwörtern auf mich: leider, wirklich, irgendwelchen und weil das leider wirklich noch nicht reicht an irgendwelchen Wortblasen gleich mehrfach noch.
Da wird mit wütendem Blick fixiert und werden kühle Krüge voller Limonade serviert. Dabei darf man Kola auch mit K schreiben … So viel Humor hatten die Autorinnen leider nicht. So zieht es sich durchs gesamte Buch, die Lust am Partizip Präsens Aktiv der Autorinnen mag ich gar nicht ausführlicher geißeln. Das ist manchmal brauchbar, um Situationen kurz und knapp zu schildern, in der Masse sind PPAs im Deutschen aber nur eines: lästig. Der Lesegenuss wird dadurch vollkommen unmöglich gemacht, dass eine der beiden Protagonistinnen ein gewünschtes und gutes Getränk bekommt, aber nicht be- sondern entgeistert darauf reagiert, hitzige Gefechte aus langen, verschachtelten Sätzen bestehen oder auf einer Seite den sonst so wortgewandten Autorinnen keine Synonyme für Gelächter einfallen und das Wort gleich drei Mal verwenden. Das ist schlampig.

Heldinnen …

Ich gebe zu, ich kann Corrie und Silvana, die beiden Heldinnen, nur noch anhand eines Merkmals auseinanderhalten: Silvana steht auf ihren Sugar Daddy Hexer-Vampir, Corrie steht auf starke Männer. Sobald ein physisch starker Charakter auftaucht, spürt man als Leser, wie sie sich ihm zu Füßen werfen will. Auch wenn Corrie ein festes Love interest haben soll, liest sie sich als Fantasy-Nutte wesentlich logischer. Ich weiß, dass das gemein und sexistisch klingt, aber dieses Buch ist in seinem Frauenbild nun einmal ein Ärgernis, das genau dieses Klischee erfüllt.
Ansonsten bleiben die beiden Damen furchtbar farblos (sic!). Sie haben keine Lust mehr auf Abenteuer, wo sie im ersten Band noch bis zur Penetranz alles ausprobieren wollten. Sie hören nun weitestgehend auf die männlichen Nebenfiguren und haben keinen eigenen Willen mehr. Traurigerweise findet ansonsten keinerlei Charakterentwicklung statt, obwohl die Situation so viel Potential hätte. Die Welt jenseits des Portals ist voll von Sklaverei und Freibeutertum, das nach unseren moralischen Maßstäben beides verwerflich ist. Corrie und Silvana ist das bewusst, tun dies aber mit einem Achselzucken ab: Andere Welten, andere Sitten. Nicht einen Gedanken verschwenden sie daran, dass Freibeutertum und Sklaverei in jeder möglichen Welt verwerflich sein könnten.
Ebensowenig stört sie die gelegentlich aufschimmernde Rachsucht und Mordlust ihrer Kampfgefährten. An einer Stelle löst sie einen Schauder aus, aber das war es schon. Kein Gedanke daran, dass sie aus niederen Motiven töten wollen, nein, nur ein einziges Mal Entsetzen: Als der Schurke überlegt, er könne die Kampfgefährten umbringen. Dann werden sie gefühlsduselig. So viel Dumpfbackentum ist nur erträglich, wenn die übrigen Charaktere überzeugen.

… Paternalisten …

Doch die Kampfgefährten bleiben ebenfalls blass. Die im ersten Band eingeführten interessanteren Charaktere sind in Band 2 aus diversen Gründen außen vor, bleiben nur eine Bande Freibeuter und ein paar warmherzige Werwölfe … Ja, ich kann noch mehr Alliterationen! All diesen Sidekicks ist gemein, dass sie exzellente Kämpfer sind, um das mangelnde Talent der Damen an der Waffe auszugleichen und dass sie durch ihre paternalistische Art den mangelnden Charakter der Heldinnen erfolglos zu kaschieren versuchen. Insbesondere der aus Band 1 bekannte Oberbeschützer Yazeem ist die Hälfte der Zeit damit beschäftigt, den Heldinnen ein schlechtes Gewissen zu machen, weil er sie doch beschützen müsse und hält ihnen an einer Stelle eine regelrechte Gardinenpredigt. Die Reaktion? Betretenes Starren auf die Fußspitzen, als ob sie kleine Kinder wären. Ich war beinahe enttäuscht, dass sie am Ende nicht sagen: „Verzeihen Sie uns, Herr Papa. Bitte verzeihen Sie uns, auch wenn wir Ihrer nicht würdig sind!“ Über die konkreten Gefahren hingegen schweigen sie sich alle aus. Die Heldinnen werden in Sicherheit gebracht, bekommen Dolche, aber welche konkreten Gefahren ihnen in der für sie unbekannten Welt lauern, verschweigen die Sidekicks. Als ob allein schon das Wissen über die Gefahren eine Bedrohung für ihre zarten Kinderseelen wäre. Das sind erwachsene Frauen, Himmelherrgottnochmal!!!1111einseinseinself

… und Schurken

Wenn schon die Guten versagen, vielleicht retten die Bösen den Roman? Die Handlanger des Oberschurken Lamassar aus Band 1 waren wenigstens furchteinflößend. In Band 2 begegnen Corrie und Silvana endlich dem obersten Bösewicht persönlich. Doch der behandelt sie nett und zuvorkommend, lässt sie zu sich eskortieren und am Ende frei wieder abziehen. Sie sind geneigt, ihm zu vertrauen, unterschätzen jedoch sein Potential. Lamassar ist der klassische Fantasyschurke, er erläutert den beiden sogar die finsteren Absichten, die er dann doch hegt. Das wäre ein interessanter Punkt, um Corrie und Silvana Tiefe zu geben, die beiden sind immerhin Buchhändlerinnen und hätten Lamassars Verhalten – oder das ihrer bisherigen Freunde – ordentlich reflektieren können. Doch stattdessen stampfen sie dumpfbackig weiter durch die Geschichte und fühlen sich erst wieder sicher in Begleitung ihrer väterlichen Beschützer. Zu den Schurken gäbe es noch mehr ärgerliches zu sagen, aber ich möchte nicht spoilern.

Ein gutes Haar?

Der Schluss ist ein zu Papier gebrachtes Klischee, inkl. vorhersehbarer Auflösung der Krise und einem billigen Cliffhanger. Es ist kein Vergnügen, sich durch das Buch zu quälen, dennoch hat es ein paar Stärken. Die Fabulierlust und Erfindungsgabe der Autorinnen macht da Spaß, wo sie Welten beschreiben können. In diesem Fall gibt es ein langes Kapitel, das sich der Flora und Fauna des Zweimondreiches widmet. Für die Story ist das Kapitel überflüssig, aber es hat viel Spaß gemacht, mit diesen Schilderungen in eine fremde Welt abzutauchen. Gleiches gilt für das Piratenabenteuer. Ein Teil der Geschichte spielt auf dem Schiff der Freibeuter und wird zu einem klassischen Seeabenteuer. Die Schilderungen des Lebens an Bord, die Schätze, Geschichten und der nautische Alltag werden so lebendig geschildert, dass man das Rauschen der Wellen zu hören glaubt. Ob das jedem so geht, mag ich nicht beurteilen, in der Hinsicht bin ich speziell: Man male ein Segelschiff aufs Buch, lasse es auf einem solchen spielen und ich finde das Buch gut.
Die zweite Stärke ist es, dass gewisse Fantasy-Klischees gebrochen werden: Lykanthropie und Vampirismus sind in der Zweimondwelt entgegen der Genreregeln offenbar keine Krankheiten. Werwölfe und Vampire bilden eigene Spezies. Doch nicht nur das: Die Spezies insgesamt sind nicht so entscheidend. Sie leben mehr oder weniger beliebig, um nicht zu sagen harmonisch, nebeneinander her. Statt die Konflikte auf die üblichen ethnischen Differenzen aufzubauen, bedienen sich die Autorinnen unterschiedlicher Fraktionen, die miteinander in Konflikt stehen: Reiche und Orden, die sich auf Basis unterschiedlicher magischer Talente oder ethischer Codizes konstituieren. Die Spezies stellt kein Hemmnis dar. Das macht die Freund-Feind-Zuordnung und die Orientierung in der Geschichte schwierig. Den Autorinnen gelingt es nicht, die Frontverläufe und Motivationen einzelner Gruppierungen anschaulich zu machen und dem Lesewesen damit zu helfen, sondern führen wahllos und ohne Erläuterungen immer neue Gruppierungen ein. Gut gemeint, garstig gemacht.

Fazit

Wer mal wieder so richtig platte Fantasy mit übelster Verachtung für brauchbare Frauenrollen und ohne intelligente Schurken lesen will, sollte unbedingt zugreifen. Allen anderen kann ich nur raten, die Finger von diesem Buch zu lassen. Im ersten Band war ich noch gnädig, weil eine neue Welt eingeführt werden musste und die Autorinnen ihre Stärke der Weltenerschaffung voll ausspielen konnten. Im zweiten Band kommt dies entschieden zu kurz und ist gegen eine schlechte Story in schrecklicher Sprache, hanebüchene Heldinnen, ein katastrophal kulturrelativistisches Gesellschafts- und Frauenbild und einen schlicht stereotypen Schurken (damit ihr mal spürt, wie grässlich das ist, ständig so einen gekünstelten Stil zu ertragen) nichts, was dennoch für die Lektüre spricht. Spart euch am besten gleich auch Band 1, sonst seid ihr wie ich genötigt, auf Band 3 zu warten. Auch wenn es lausig ist: Ich kann es nicht leiden, nicht zu wissen wie ein Abenteuer endet.

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2 Kommentare zu „Rezension: Dana S. Eliott – Das Geheimnis von Pamunar (Taberna Libraria Bd. 2)

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