Nur weil man sich etwas angeschaut und die Entschiedung getroffen hat, etwas zu verändern, heißt das nicht, dass man weiß wie man etwas ändert. Ich pragmatischer Geist habe das bislang gedacht, saß aber einem schweren Irrtum auf. Die Geschichte der Neugestaltung des Grabes meiner Großeltern bot noch einige weitere Überraschungen und fertig geworden sind wir nicht. Hätte ich mich schon an diesem Tag daran erinnert, wie großartig das Escapology-Album von Robbie Williams ist, wäre der Tag entspannter gelaufen.

Der Abend davor

Ich bin ein simpler Geist. Wenn ich mich für eine Änderung entscheide, entscheide ich mich rasch auch für die Art der Änderung und setze sie anschließend um. Das kann wie im Falle meiner neuen Frisur zu Irritationen meiner Umwelt und der Erkenntnis führen, dass man sich falsch entschieden hat. Aber indem man angefangen hat hört man zumindest das Zagen und Zaudern auf. Das ist die halbe Miete.
Ich stellte am Abend vor dem geplanten Arbeitseinsatz zwei Fragen: Wann fahren wir morgen los und wie genau machen wir es jetzt? Ich war müde und hatte gehofft, eine knappe Antwort zu erhalten. Ich wollte bloß wissen, was mich zu erwarten hat. Nach zehnminütiger Diskussion zwischen Herr Zeilenende Sr. und Mutter Zeilenende bin ich frustriert zu Bett gegangen. Sie hatten noch keine Entscheidung getroffen.

Der Ausflug in den Baustoffhandel

Wir fanden uns am nächsten Morgen, meine Eltern hatten abends zuvor noch einige Zeit diskutiert, auf einem solch trostlosen Hof wieder, dass ich spontan kein Bedürfnis mehr verspürte Photos zu schießen. Überall standen Kisten und Säcke mit Pflastersteinen, Kieseln, Bruchsteinen, Steinblöcken herum, umwuchert von Unkraut, vermischt mit altem Laub. Gepaart mit dem bewölkten Himmel und der ahnungslosen Verkäuferin wahrlich kein Vergnügen, aber wir waren auch gekommen, um uns für Farben zu entscheiden und nicht, um ausgiebig Baustoffe zu shoppen.
Die Auswahl war überschaubar, weil vieles nicht in Frage kam. Dennoch war standen wir vor einer Herausforderung. Neben der Farbe (Passt sie zum Stein? Passt sie zur Einfassung?), galt es sich für eine Körnung zu entscheiden und ob man Kiesel oder Steinabschlag haben möchte. Ähnliche Fragen stellten sich in Bezug auf die Pflastersteine, mit der die Pflanzbeete von der Kiesfläche getrennt werden sollen.

Herr Zeilenende Sr.: Das gefällt mir alles irgendwie nicht. (in leidendem Tonfall)
Mutter Zeilenende: Was stellst du dir denn vor? (scharfer Unterton)
Ich: Dreht sich eine Zigarette und setzt sich abseits.

Es folgt die übliche Aufführung. Die gewünschte Körnung steht fest, die Kieselsorte so gut wie und zum Grabstein passt eigentlich nur eine Sorte Pflaster. Eigentlich müssten sich die Altvorderen nur noch auf die Breite der Begrenzung und damit die Größe der Pflastersteine einigen. Am Ende setzt sich Mutter Zeilenende eingeschnappt ins Auto, Herr Zeilenende Sr. stromert unentschlossen zwischen den Pflastersteinen enflang und ich mache nach einem Dutzend weiterer Zigaretten zwei Alternativ-Vorschläge:
Wie wäre es mit einer Begrenzung aus Blech wie bei einer Beetbegrenzung? Dann würden wir uns zumindest die Frage nach den Pflastersteinen sparen und beim Kies haben wir doch eine Sorte, die sich als Favorit abgezeichnet hat.
Warum nehmen wir nicht diese Sorte weiß-bunten Kies und als Begrenzung keine Pflastersteine, sondern drei Reihen der gleichen Steinsorte, nur in faustgroß?

Die Vorschläge waren nicht wirklich ernst gemeint, ich habe sie bewusst eingeworfen, um aus ihren Mündern zu hören, dass die Entscheidung eigentlich gefallen ist. Und es funktionierte. So konnte ich die beiden zurück zu den einzig passenden Pflastersteinen schleppen und nach geschlagenen zwei Stunden stieg weißer Rauch vom Hof des Baustoffhandels auf. Ich hatte mir gleichzeitig ein Dutzend weitere Zigare… nein, eine Entscheidung war getroffen und der Anhänger konnte beladen werden.

Grabumgestaltung Teil 1

Die Umsetzung selbst ging rasch vonstatten. Das Grab musste nur gründlich durchgeharkt werden, weil das Unkraut ziemlich gewuchert war. Die Schale oben rechts ist in meinen Besitz übergegangen, die rote Pflanze und das weiß-grüne Gras in den Garten, der Rest in die Biotonne gewandert.

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Anschließend kam Vlies auf das Grab, was eine größere Aktion war, weil unsere Bahn zu klein geraten war. Glücklicherweise hatte Herr Zeilenende Sr. noch etwas in seinem Depot gehamstert. Doch wie legt man das am Ökonomischsten auf das Grab? Vier Akademiker (zwei Naturwissenschaftler, ein Techniker, ein Geisteswissenschaftler) hatten dazu fünf unterschiedliche Ansichten und damit beinahe einen weiteren handfesten Familienstreit ausgelöst, während Mutter Zeilenende einmal mehr einen Sitzplatz gefunden hatte, diesmal kopfschüttelnd. Leider gibt es kein Bild vom gevliesten Grab, ich war noch zu missgelaunt.

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Am Ende haben wir es dann einfach irgendwie gemacht und mussten nur noch zentnerweise Kies ausbringen. Das ging erstaunlich schnell und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bis zur Fertigstellung fehlt die Bepflanzung. Weil das Aufgabe von Mutter Zeilenende und mir ist, verspreche ich euch, dass das schneller vonstatten geht und das Grab mit dem nächsten Beitrag fertig sein wird. Obwohl ich der Ansicht bin, dass die Stiefmütterchen nicht mehr gut aussehen und wir (also ich) dringend eine neue Schale machen müssen. Passend zum neuen Grab mit Steingartengewächsen.

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4 Kommentare zu „Kies oder Stein, eine Entscheidung muss sein (Grabumbau Teil 2)

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