Selbstbilder, Fremdbilder, Essensbilder

Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes: Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Katze quakt, Downton Abbey wird von Folge zu Folge spannender und das, obwohl ich mit der dritten Staffel fast durch bin. Ich werde immer brauner, schlafe die Nächte beinahe durch und ärgere mich einmal mehr darüber, dass ich das Photographieren gelegentlich vergesse.  Doch eins nach dem Anderen. Heute möchte ich euch noch einen Nachtrag zu einem Geburtstagsgeschenk liefern, interessiere mich für eure Meinung und zeige euch entgegen meiner Absicht doch ein Brotbild. Und was drauf gibts auch.

Fremdbilder

Es ist schön, von anderen wahrgenommen zu werden. Doch wie andere uns wahrnehmen, ist zugleich immer ein Grund von Bekümmernis. Nebenan erzähle ich gelegentlich von meiner Kollegin, die mir regelmäßig Kopfschmerzen bereitet. Ihre Wahrnehmung meiner Person und meine Selbstwahrnehmung sind diametral entgegengesetzt: Sie hebt mich auf einen Sockel, ich bin für sie die Perfektion auf zwei Beinen, sowohl äußerlich wie innerlich. Ich warte auf den Tag, an dem es gewaltig kracht, weil daraus bei ihr Erwartungen resultieren (müssen), die ich (zwangsläufig) nicht erfüllen kann, es sei denn ich bin entgegen meiner eigenen Wahrnehmung doch perfekt.
Eine andere Art der Fremdwahrnehmung habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Sie stammt wohl von eine*r/m Kund*in Kundin der Bibliothek, in der ich (auch) arbeite. Eine Kollegin hat das Bild in einem zurückgegebenen Buch entdeckt und war sofort überzeugt, dass es den Herrn Zeilenende darstellen müsse. Sie hat es zur Seite gelegt und mir gerahmt zum Geburtstag geschenkt. In der Tat, so sehe ich immer aus, wenn ich draußen eine kurze Pause mache. Und von einem sehr beliebten Lesesessel aus kann man mich dabei gut beobachten. Offenbar war ich Inspiration für eine spontane Skizze. Ich fand es sehr nett, auch wenn man meine Angewohnheiten auch wenig schmeichelhaft interpretieren kann. Aber ich kann über mich selbst lachen. Und meine Mutter fand das Bild so gut getroffen, dass es jetzt bei uns an der Wand hängt.

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Selbstbilder

Meine Selbstwahrnehmung ist wahrscheinlich nicht minder verzerrt als die Wahrnehmung meiner Kollegin. Das ist wohl bei jedem Menschen so, wenn auch bei Manchen ausgeprägter als bei Anderen. Ich arbeite daran, es auf ein Normalmaß zu reduzieren, aber das ist nicht so einfach, wenn man so wie ich bei aller gestörter Selbstwahrnehmung auch noch zur Eitelkeit neigt.
Ich habe ein banales Problem von dennoch existentieller Bedeutung: Welche Frisur sieht besser aus? Ich hatte nie kurzes Haar, ich hatte sogar jahrelang langes, lockiges Haar. Zuletzt sah meine Frisur meist so aus wie auf dem Profilbild, gewöhnlich sauber seitengescheitelt und in verschiedenen Farben von schwarz bis granatrot leuchtend. Das Problem mit der Frisur ist, das ich damit jung wirke. So jung, dass man mich gelegentlich für minderjährig hält. Daran ändert weder Vollbart, Henriquatre, Koteletten oder Dreitagebart etwas.
Also war ich am Samstag beim Friseur und habe kurzen Prozess gemacht. Nicht ganz kurzen, dazu war ich nicht mutig genug. Aber ich wollte einmal ausprobieren, wie es aussieht, vielleicht versuche ich es dann zukünftig mit langem Haupthaar und ausrasierten Seiten. Aber auch die 12mm haben ihren Reiz. Sie fühlen sich flauschig an und ich finde, es sieht erwachsener aus, vielleicht auch männlicher. Andererseits erinnere ich mich manchmal phänotypisch an einen verkappten Neonazi. Und die Frau Mama findet es schaurig. Was denkt ihr, was sieht besser aus?

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Essensbilder

Ich habe am Feiertag ein Walnussbrot ausprobiert und dafür tatsächlich einmal nach einem Rezept gebacken. Das Brot ist wunderbar geworden, nicht bloß geschmacklich, sondern auch optisch. Leider habe ich vergessen, es zu photographieren und das noch übrige halbe Brot liegt trostlos in der Tiefkühltruhe. Auch die vorzüglichen Nougat-Kekse vom Samstag habe ich zu photographieren vergessen und die sind alle verputzt. Bliebe noch das Rhabarberchutney, das ich eingekocht habe, aber dafür müsste ich fauler Hund in den Keller gehen.
Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung gehen Hand in Hand, deshalb wollte ich euch die Bilder vom heutigen Brot nicht zeigen. Im Gegensatz zum Walnussbrot sehen das Roggen-Dinkelbrot und das Weizen-Leinsamenbrot nämlich trostlos aus und ich will mir keine Blöße geben. Das Backen war dramatisch. Die Teige waren zu klebrig, zu trocken, zu feucht, zu teigig, das Wetter war komisch und beim runden Brot hat der Laib auch noch am Gärkörbchen festgeklebt. Grund genug, euch deshalb nichts zu zeigen. Aber man soll auch zu seinen Fehlern stehen, deshalb gibt es doch ein Brotbild. Damit ihr nicht ganz so schlecht von mir denkt, gibt es dafür auch noch Restebilder vom Grillen gestern Abend:
In der grünen Schüssel ist Obatzda, der famos schmeckt, aber dessentwegen die Küche seit Donnerstag nach überreifendem Camenbert riecht, in der Glasschüssel sind die Rest der Buttervariationen:
Das rote ist Tomaten-Paprika-Butter, die wie immer der Renner war,
die leicht rot verfärbte Butter ist Currybutter (etwas Currypaste und ein Kraut, das ich als Currykraut erworben habe), die mein Favorit war, weil das verwendete Kraut eine leicht bittere Note einbringt und
die grüne Butter ist Kräuterbutter, bei der ich zu sehr am Salz gespart und mit dem Dill etwas großzügig war, die aber mit Oregano, Basilikum, Dill, Kerbel und Kreta-Majoran eine überraschende Abwechslung zur Supermarktware ist.

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6 Kommentare zu „Selbstbilder, Fremdbilder, Essensbilder

  1. Ich trage die Haare immer sehr kurz, weil es die Arbeit erspart. Andererseits mache ich das seit der 12. Klasse fast durchgängig (also ca. seit dem 18. Lebensjahr), da ich nun fast 40 bin, haben mich die wenigsten anders erlebt. Gerade meine Schüler amüsieren sich sehr darüber, wenn ich von meiner Langhaarpracht aus meiner Sturm-und-Drang-Phase berichte… Aber man muss die Frisur sicher eine Weile haben, um dann wirklich beurteilen zu können, was wirklich passt. ⏳

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  2. Ich stehe auf kurze bis gar keine Haare, deswegen wähle ich Bild zwei.

    Als Kind trug ich meine Haare taillenlang, dann jahrzehnte einen perfekt geschnittenen Kurzhaarschnitt (der alle vier Wochen nachgeschnitten wurde) und nun halblange, verwuschelte Locken. Und genau diese (die sich mit zunehmenden Alter immer mehr entwickelten) passen jetzt zu mir.
    Irgendwie haben wir doch einen Knall….unterhalten uns jetzt schon unbekannterweise über unsere Frisuren 🙂 Womöglich fragen wir uns morgen, was wir übermorgen anziehen sollen *lol*

    Downton muss man schon wegen der wunderbaren Maggie Smith schauen;-) Ich bin bei Staffel vier und überlege, ob ich die teure Staffel 5 demnächst kaufen soll oder ob ich es nicht besser meiner Schwester aufschwatze.
    Eigentlich mag ich keine Staffeln schauen, eigentlich schaue ich nie Serien, aber -falls du einen Tipp benötigst- es gibt noch zwei, die ich so gut finde, dass ich sie mir gekauft habe:

    Borgen/ Gefährliche Seilschaften
    und
    Kommissarin Lund

    Das Rezept für einen Dip liefere ich im Laufe des Abends;-))

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    1. Borgen steht bei mir tatsächlich auf der Liste, beim Fernsehen bin ich aber noch langsamer als beim Lesen. ^^
      Was ich anziehe, krieg ich grad so noch selbst hin, bei Frisuren tu ich mich aber einfach schwer. Wart noch 10 Jahre, dann muss ich nicht mehr nachfragen, obs gut ausschaut, dann bin ich auf ewig dein Traum. 🙂
      Danke auch für das Rezept, wird spätestens zum nächsten Grillen ausprobiert.
      Danke auch allen anderen für ihre bisherigen Meinungen, alle anderen dürfen auch gern voten. 🙂

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  3. Hier der Dip:

    Liptauer Käse

    150 g Butter
    200 g Philadelphia
    250 g Magerquark
    1 fein gehackte Zwiebel
    1 El. Paprika edelsüss
    1 Tl. Senf
    1 Tl. Kümmel (gemahlen)
    1 Bund fein gehackter Schnittlauch

    Cayennepfeffer, Salz, Pfeffer

    Zutaten gut miteinander verrühren und
    mit Cayennepfeffer, Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten über Nacht in den Kühlschrank stellen, damit er durchziehen kann.
    Eignet sich als Dip für Gemüsestücke, Brot oder
    Cräcker.

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