Gartenfreuden mit Brühstück

Ich bin ein ungemein spießiger Kerl, wie ich einmal mehr gemerkt habe. „Du bist immer entgeistert über das Unkonventionelle“ – Ich liebe es, wenn das Fernsehen passende Zitate zu meinen Beiträgen liefert.
In den letzten beiden Wochen war ich viel unterwegs, dementsprechend war ich an den Wochenenden nicht daheim und konnte meiner Samstagsroutine nicht nachgehen. Diese besteht aus Brot backen, Kuchen backen, im Garten werkeln und Abendessen kochen. Dieser Samstag war eine Offenbarung, denn ich habe all das getan und gleich Pläne geschmiedet, wie der Rhabarber einzukochen ist. Jetzt läuft Downton Abbey und ich habe ein Beitragsthema gesucht. Eigentlich wollte ich über diverse Kuchen schreiben, aber ich habe vergessen, sie zu photographieren (mein ewiges Problem, ich bin kein großer Photograph: Leider doch kein Rhabarberkuchen), deshalb gibt es was über den Rhabarber.

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Auf dem Bild seht ihr nicht nur meinen Rhabarber, der in diesem Jahr herrlich gewuchert ist, sondern auch die ebenso gewucherten Erdbeeren, den Liebstöckel, den Lavendel und die Pfefferminze (beide sehr versteckt), viel Arbeit (der Rückschnitt von den Apfelbäumen) und eine unbekannte Pflanze, die eines morgens in dem Beet hockte und – weil ich sie schön fand – bleiben durfte. Wenn mir jemand verraten könnte, um was es sich da handelt, wäre ich sehr dankbar. Bei Bedarf hätte ich auch noch ein oder zwei weitere Bilder.
Das Bild ist etwa einen Monat alt. Da es momentan regnet, kann ich kein Neueres zum Vergleich anbieten, aber die Erdbeeren stehen noch dichter und tragen die ersten grünen Früchte, der Rhabarber ist noch üppiger, der Liebstöckel ist doppelt so hoch geschossen und aus dieser Einstellung sieht man den Lavendel und die Pfefferminze gar nicht mehr. Aber immerhin: Beide haben den Winter im Beet gut überstanden. Und achja, die Äste haben immer noch keine Begegnung mit dem Häcksler gehabt. Sie liegen weiterhin faul auf der Wiese herum und sorgen dafür, dass weniger zu mähen ist.

Ich bin schon ein wenig stolz auf dieses kleine Stück mehr oder minder kultivierter Natur. Letztes Frühjahr habe ich drei Erdbeerpflanzen ausgesetzt und keine einzige Erdbeere geerntet, weil alles von Schnecken und Ameisen angefressen wurde. In diesem Jahr habe ich beschlossen, die chemische Keule auszupacken und das Schneckenkorn tut sein Werk besser als ich erwartet hätte. Die gebildeten Ableger sind zudem gut und kräftig angewachsen, Vielleicht bekomme ich ja zumindest ein Glas Erdbeermarmelade heraus.
Ähnlich sieht es mit dem Rhabarber aus. Er hat in den letzten Jahren geschwächelt, dsshalb habe ich um ihn herum im letzten Jahr geharkt, Kompost und Blaukorn ausgebracht sowie Rindenmulch verteilt. Der Lohn war, dass der Rhabarber bis Johannis schlapp und unverwertbar auf dem Boden lag. Erst nach diesem magischen Datum, wenn er nicht mehr genießbar ist, erholte er sich plötzlich und sah wunderschön kräftig aus. Er hat pünktlich bis zu diesem Tag gewartet. Er hat mir für meine Bemühungen eine lange Nase gezeigt, aber in diesem Jahr dankt er mir die Spa-Behandlung doch. Ich gedenke, die Tage Rhabarberchutney zu kochen und sobald die Erdbeeren reif sind, Rhabarber-Erdbeer-Konfitüre.
Der Liebstöckel sah den Sommer über auch nicht gut aus. Obwohl der Boden an seinem Standort ziemlich feucht ist, wirkte er immer wie ausgetrocknet. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, dass er sich nach dem Winter aus seinem Schlummer unter der Erde wieder hervorwagt. Was den Lavendel angeht, waren nur noch vertrocknete Zweige zu sehen. Als ich ihn dann ausmachen wollte und erst einmal einige trockene Zweige abbrach, entdeckte ich zu meiner Überraschung zarte grüne Blätter. Meine Freude war grenzenlos. Durch den Rhabarber liegt er ziemlich schattig und wächst momentan nicht so gut, aber der Sommer ist ja noch lang.
Die Pfefferminze schließlich ist ein Kuriosum. Ich weiß zwar, dass dieses Gewächs unverwüstlich ist und zur Landplage werden kann, aber bei meiner Pfefferminze handelt es sich um eine Supermarktpflanze, die das ganze Jahr über im kleinen Originaltopf, gänzlich ohne Dünger und nur mit sporadischer Wassergabe überlebt hat. Ich hätte erwartet, dass die Pfefferminze keine drei Monate bis zur Biotonne braucht. Als sie dann wieder ausschlug, kam sie zur Belohnung ins Freiland.

So viel zu dieser kleinen Gartenecke. Ich hoffe, es war für euch nicht allzu langweilig, ich habe nämlich noch mehr Ecken und eine ganze Armee an Töpfen mit Kräutern und Gemüsepflanzen, mit denen ich euch erfreuen kann. Wer sich dennoch angeödet fühlt, aber bis zum Ende durchgehalten hat, dem kann ich zur Versöhnung immerhin zwei Brote anbieten, die hat die Familie im Gegensatz zum Kuchen von gestern noch nicht aufgefressen. Kein einziges Stück Streusel und auch kein Stück Rhabarber-Baiser sind übrig. Deshalb präsentiere ich euch heute Morgen zwei Experimente: Helles Mischbrot mit Weizenmehl-Brühstück (links) und Roggen-Dinkelvollkorn-Brot mit Roggenmehl-Brühstück (rechts). Zumindest vom Verarbeitungsverhalten bin ich sehr zufrieden mit der Verwendung von Brühstücken. Meine Teige hat es elastischer und besser knet- und formbar gemacht als gewöhnlich.

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12 Kommentare zu „Gartenfreuden mit Brühstück

    1. Brühstück ist ein Vorteig ohne Triebmittel. Man übergießt Sachen mit heißem Wasser und lässt es 1-3h quellen. Macht man normalerweise mit Schrot und Saaten, damit sie sich schön in den Brotteig „einfügen“. Ich habe es in diesem Fall mit dem Mehl direkt gemacht und nur 30 Minuten quellen lassen, aus Neugierde, was passiert.

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    1. Danke für deinen Zuspruch. 🙂 Ich weiß das meistens auch, es widerspricht nur meinem Ideal von mir selbst. Deshalb arbeite ich an der Abschaffung meiner Ideale. Außerdem gehe ich mit mir selbst so um wie mit anderen Menschen auch: Erstmal nicht ernst nehmen.

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