Rezension – S. D. Perry: Offenbarung Buch 1 (Star Trek: Deep Space Nine)

Nicht dass ihr denkt, ich schriebe  Rezensionen nach einem festgefügten Muster. Vielmehr handele ich schlicht das ab, was mir an einem Buch auffällt, gefällt oder missfällt. So wie jedes Buch für sich ein originäres Produkt ist, sollte damit auch die jeweilige Rezension auf das Buch abgestimmt sein. Im heutigen Falle heißt das, zuerst ein paar Takte zu Deep Space Nine zu sagen.

Ich bin ein Trekkie, seitdem ich zusammenhängende Sätze sprechen kann. Damals, als ich vielleicht vier Jahre alt war, wurden die Abenteuer von Captain Kirk im Fernsehen wiederholt. Meine Mutter war und ist ein Fan der Serie, aber kein Trekkie. Aber sie ist an allem schuld, weil sie mit mir Star Trek geguckt hat. Für mich war es ein Erweckungserlebnis, das mich bis heute in seinem Banne hält. Während andere Kinder meiner Zeit als Helden wohl die Power Rngers, He-Man oder Optimus Prime hatten, ist es für mich bis zum heutigen Tag Pille McCoy.
Die Entwicklung zum Sci Fi Fan wurde bei mir allerdings durch Babylon 5 angestoßen. Es gibt bis heute in meinen Augen keine bessere Science Fiction Serie (auch wenn Doctor Who sich viel Mühe gibt), so war es auf def letzten Fedcon für mich auch das Highlight, den Darsteller von Michael Garibaldi zu sehen. Der fehlte mir als letztes noch lebendes Mitglied des Main Cast von Babylon 5 noch.
Entsprechend auch mein Verhältnis zu Deep Space Nine: Definitiv bei Babylon 5 geklaut, vom Thema Raumstation im All über die religiösen Töne bis hin zum Konzept des Story Arc, der sich über die gesamte Serie zieht. DS9 zieht im Vergleich immer den Kürzeren und ich fremdel insbesondere mit der Darstellung von Religion, die im Star Trek Universum deplaziert wirkt, aber sie ist – trotz Nostalgiepunkten für TOS – insgesamt die gelungenste Serie im Star Trek Universum.

Inhalt laut Buchcover

Nach dem Krieg, der den Alphaquadranten an den Rand der Zerstörung brachte, findet sich die Raumstation Deep Space Nine – Brennpunkt für wissenschaftliche und militärische Intrigen – abermals im Herzen eines bevorstehenden Armageddons wieder. Ein überraschender Angriff trifft die Station hart und sorgt für Hunderte von Toten. Abermals ist der so junge Frieden bedroht. Einzig die Überlebenden um Colonel Kira Nerys und einige streitbare neue Offiziere stehen einem möglichen neuen Krieg noch im Weg – sowie einem furchtbaren Schicksal, das dem ungeborenen Kind von Captain Benjamin Sisko droht. Zur gleichen Zeit machen Captain Jean-Luc Picard und die Besatzung des Raumschiffs Enterprise eine erstaunliche Entdeckung, welche die Zukunft einer ganzen Zivilisation beeinträchtigen und die Leben aller Personen auf Deep Space Nine für immer verändern wird.

Stil

Ich denke nicht gern in Klischees, aber dieses Buch hat es herausgefordert. S. D. Perry ist eine Frau, wie ich mir nachträglich ergooglet habe und das merkt man. Eher untypisch für einen Star Trek Roman besteht dieser hier hauptsächlich in der Schilderung des Innenlebens der einzelnen Charaktere. Das findet man im eher männlich dominierten Star Trek Universum nie so massiv wie in diesem Roman.
Es geht hauptsächlich darum, was die Protagonisten denken und fühlen. Der Roman knüpft an das Serienfinale an, der Krieg ist vorbei. Die Serie DS9 lebte schon immer stark von den Beziehungen der Charaktere zueinander, auch wenn es dabei  eist um die Außenseite der Beziehungen ging. Deshalb fand ich es ansprechend, dass Perry sich die Zeit nimmt, die einzelnen Figuren reflektieren und grübeln zu lassen, ihre jüngere Vergangenheit und die kürzlich getroffenen Entscheidungen zu überdenken. Mit der „8. Staffel“ beginnt für die Crew eine ganz neue Zeit und nichts illustriert dies deutlicher als Perrys Blick in die Charaktere.

Die Charaktere

Damit wären wir beim nächsten Thema. An Bord der Station treffen wir auf alte Bekannte: Dr. Bashir, Ezri Dax, Kira Nerys, Quark, Nog, aber auch die aus anderen Kontexten bekannte Ro Laren. Teilweise haben sie neue Funktionen inne, teilweise gesellen sich neue Charaktere hinzu. Auch dies macht deutlich, dass wir es mit einem Neubeginn zu tun haben. Alle müssen sich in den neuen Strukturen einrichten oder sich in die – durch den Krieg zusammengeschweißte – Gemeinschaft integrieren. Die Kämpfe darum sind nachvollziehbar und erhalten durch die Introspektion für den Fan erst recht das Gefühl, nicht bloß eine Fortschreibung der Geschichte zu erleben, sondern Teil von etwas Neuem zu sein.
Abstriche gibt es nur an zwei Punkten zu machen: Wieso führt man einen neuen Main Cast Charakter ein, um ihn keine 200 Seiten später wieder sterben zu lassen? Wenn es dem Plot dienlich wäre, hätte ich dafür ein wenig Verständnis, aber so hätte man die Seiten besser nutzen können, um einen neuen dauerhaften Charakter zu etablieren. Außerdem habe ich noch nie von einem Andorianer gehört, der sich über Kälte beschwert. Meiner Erinnerung nach ist dieser speziellen Spezies doch meist zu warm.

Story

Die Geschichte ist eine Hommage an den Beginn von DS9. Im Mittelpunkt stehen die Bajoraner und ihre Religion. Wie oben erwähnt stehe ich diesem Teil der Serie ambivalent gegenüber, aber er hat durchaus gute Storys produziert. Da ich nicht spoilern möchte: Nette Idee, aber inhaltlich zumindest im ersten Band schwach. Vielleicht macht es der zweite Band besser. Was mich insbesondere stört ist die Tatsache, dass der Status der bajoranischen Religion in der Serie letztlich immer zweifelhaft war: Sind die Propheten Götter oder nicht? Sind die Drehkörper und Prophezeiungen relevant oder höherer Hokus Pokus? Die Story von Offenbarung entscheidet sich meiner Meinung nach zu sehr dafür, den religiösen Firlefanz ernst zu nehmen.

Fazit

Für den Fanboy legt S. D. Perry einen gelungenen Neustart für DS9 nach dem Dominionkrieg hin. Der Einstieg ist nicht fulminant, aber im Ton genau richtig, um die unmittelbare Nachkriegszeit angemessen fühlbar zu machen. Die Story hat, weil der Staffelauftakt ein Zweiteiler ist, realistische Chancen, besser zu werden. Abgesehen von kleineren Schwächen macht das Buch den gemeinen Trekkie glücklich und in Folge 3 geht zudem richtig die Post ab (der betreffende Titel ist damals schon bei Heyne als Sektion 31 Roman entstanden, deshalb weiß ich, wovon ich spreche). Für jemanden, der mit DS9 nicht vertraut ist, ist die Geschichte (natürlich) zu voraussetzungsreich. Aber das ist kein Argument gegen das Buch sondern für einen Marathon mit sieben Staffeln DS9.

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2 Kommentare zu „Rezension – S. D. Perry: Offenbarung Buch 1 (Star Trek: Deep Space Nine)

  1. 🙂 Einmal im Jahr werde alles Staffeln nacheinander geguckt. Mittlerweile steht auch Kirk im Regal.
    Babylon5 mochte ich damals, mag es aber heute gar nicht mehr. Kommt das nicht zur Zeit wieder auf Tele5?

    Gefällt 1 Person

    1. Da bin ich überfragt, ich weiß ehrlich gesagt nichteinmal, ob ich den in der Senderliste habe… *hust* Bei B5 haben natürlich auch die Special Effects eine große Rolle gespielt, die wirken heute mehr als nur billig. Aber die Story vermag mich bis heute bis zum Ende von Staffel 4 zu packen.

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