Es ist Dienstags-Montag und Buchfresserchen hat zu einer weiteren Montagsfrage geladen. Diesmal geht es um Bibliotheksbücher. Dazu habe ich mich bereits kurz geäußert, als ich erklärte dass ich meine Bücher verleihe: Bücher sind bei mir manifeste Erinnerungen daran, wann ich sie gelesen habe, was darin stand, wie ich sie fand und meist sogar noch, wann und/oder wo ich sie erworben habe. Ist das Buch weg, sind auch Teile der Erinnerung weg.  Aber wie immer im Leben ist das nur die halbe Wahrheit. Ein Bibliotheksbesuch ist immer auch ein Erlebnis.

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Appetizer und Bücherreihen

Treffenderweise war das letzte rezensierte Buch ein Bibliotheksbuch. Das hatte ich für eine Bewohnerin im Rahmen des Bücherdienstes ausgeliehen, weil ich die Beschreibung auf dem Backcover spannend fand. Als sie es ausgelesen hatte, habe ich mir das Buch geschnappt, um ebenfalls reinzulesen. Derzeit habe ich Bücherkaufstopp, weil das Regal ungelesener Bücher überquillt, also habe ich mich selbst ausgetrickst: Das Buch muss nach vier Wochen wieder weg, also lies es! Ich kann einfach nur schwer an einem Buch vorbei, das interessant klingt. Dann will ich das Buch haben. Manchmal leihe ich mir das Buch aus oder entdecke in der Bibliothek schlimmerweise ein Buch, das zu mir passen könnte und kaufe es einfach nachträglich, wenn es mir gefallen hat. Das ist zwar ein anderes Gefühl als das gekaufte Leseexemplar im Regal stehen zu haben, aber besser als nichts.
Bücher auszuleihen, um zu sehen, ob sie zu mir passen ist der erste Grund, um ein Buch erst einmal zu leihen. Der zweite Grund ist – damit zusammenhängend – die Sache mit den Buchreihen. Gerade im Fantasy- und SciFi-Genre bauen sich Autoren gerne eine Welt und lassen dort 725,5 Bücher spielen, die aufeinander aufbauen. Das klingt immer sehr beeindruckend und wenn ich eine Reihe beginne, möchte ich sie gern vollständig im Bücherregal stehen haben. Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, den ersten oder die ersten beiden Bücher einer Reihe weggeben zu müssen, teste ich über die Bibliothek meines Vertrauens auch ganze Buchreihen an.

Basteln, kochen, gärtnern

Wenn ihr alle so wäret wie ich, würde ich wahrscheinlich irgendwann arbeitslos werden, deshalb beschränke ich mein drachenartiges Bedürfnis nach Anhäufung von Leseschätzen auf Belletristik. Gewisse Sachbücher muss ich zwar auch dringend besitzen, das betrifft aber in erster Linie solche Bücher, die ich regelmäßig brauche oder die von mir dringend mit dem Stift gelesen werden wollen. In erster Linie sind das Werke zu Geschichte, Philosophie, Pädagogik und den verwandten Gesellschaftswissenschaften, die meine Bibliothek ohnehin nicht vorhält.
Ich habe noch andere Hobbys, die regelmäßiges Anregungsfutter brauchen. Gartenbücher, Bastelbücher und Kochbücher (wobei ich letztere auch oft kaufe) leihe ich gerne und viel aus. Klar, wenn ich einen Ratschlag brauche, kann ich schnell googlen, aber wenn ich überlege, was ich anpflanzen, kochen oder basteln könnte, lasse ich mich gern von der Vielfalt inspirieren. Im Netz muss ich mir diese Vielfalt erst einmal zusammensuchen, bevor ich aus ihr schöpfen kann, im Buch habe ich sie sofort eingesperrt zwischen den Buchdeckeln. Meistens ist es außerdem so, dass pro Buch zwei oder drei Rezepte wirklich toll sind oder ein bis zwei Vorlagen gut aussehen. Beim Preis mancher Koch- und Bastelbücher lohnt sich eine Anschaffung da nicht. Das Rezept schreibe ich ab und hefte es in meine Mappe, für die Bastelanleitung fertige ich mir Schablonen oder kopiere die Vorlage. Die riesige und stets aktualisierte Auswahl in meiner Bibliothek gewährleistet mir dabei, dass ich immer wieder aus dem Vollen schöpfen kann und viele neue Trends mitbekomme – auch wenn ich sie nach erstem Probelesen mit Nichtachtung strafe. 

Kindheit

Die Bibliothek ist natürlich mehr als nur ein Ort um Bücher auszuleihen, sondern Lernort, Erlebnisort und Treffpunkt. Vor allem ist es ein wunderbarer Ort für Kinder. Als ich nach 20 Jahren die Bibliothek  einer Kindheit wieder betrat, erinnerte ich mich sofort an den Geruch und spürte Vertrautheit. Als Kind habe ich viel ausgeliehen und hätte ich Kinder, würde ich sie drei Mal die Woche hinschleppen, weil sich in der Bibliothek unendlich viele Welten verstecken, die auf Entdeckung warten. Und meiner Erfahrung nach legen alle Bibliotheken großen Wert auf eine gut ausgestattete Kinderabteilung. Manchmal schleiche ich dort an den Regalen entlang und ziehe hier und da ein Buch heraus. Ich leihe sie nicht aus, blättere aber durch und freue mich: Ich fühle mich wieder wie ein Kind.

Wie sieht es mit euch aus? Fleißige Ausleiher oder Akkumulatoren von symbolischem Kapital? Vernichtet ihr Arbeitsplätze oder nutzt ihr das Angebot? Habt ihr überhaupt eine Bibliothek in der Nähe? Geht ihr hin, weil es (wie bei uns) ein sehr attraktives Angebot mit Bestsellern in mehrfacher Stückzahl, vielen Neuerscheinungen und umfangreichem Bestand an Sachbüchern und DVDs gibt oder ist es eher so wie an meinem alten Studienort, wo das aktuellste Buch die Erstausgabe von Goethes Faust gewesen sein könnte?

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3 Kommentare zu „Montagsfrage: Kaufst oder leihst du Bücher lieber?

  1. Da ich sehr viel lese habe ich früher viele Bücher gekauft. Dann hatte ich keinen Platz mehr. Ich habe im ersten Schwung 150 Bücher verschenkt. Beim zweiten mal nochmal soviel. Einfach aus akutem Platzmangel. Dann habe ich Bücher in der Bücherei ausgeborgt. Die waren aber manchmal so zerlesen und verschmaddert, das ich es eklig fand sie anzufassen. Dann bin ich auf E-Books umgestiegen. damit bin ich absolut glücklich. Natürlich habe ich noch einige Bücher. Manche Bücher muss ich einfach mit Papier haben z.B.christliche Bücher, Kochbücher.
    LG

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