Wie eine Rotweinflasche zum Dorfgespräch wird oder: Familienfeste rauben Zeit

Heute mal etwas Kürzeres, der Mai ist für mich nämlich immer ein anstrengender Monat mit vier Familiengeburtstagen und diversen anderen Aktivitäten. Deshalb heute auch nichts  über den Garten oder Downton Abbey, für meine allwöchentliche Folge habe ich keine Zeit. Dass ich zudem nicht zum Lesen komme, ist ja ein stetes Lamento aller meiner Beiträge und wird an dieser Stelle gern wiederholt, derzeit komme ich auch nicht wirklich zum Schreiben. Dieser Beitrag entstand zwischen zwei Kuchen (die gibt es die Tage 😉 ).

Familienfeste sind meiner Freizeit nicht gerade zuträglich. Erstens verbringt man dort mehrere Stunden und kann in  der Zeit nichts anderes tun als anwesend zu sein und sich ggf. zu unterhalten (lausiger Small Talker), sie erfordern zudem Vorbereitungszeit (die Eitelkeit!) und die 24 Stunden danach sind, sobald mehr als ein Glas Wein im Spiel ist, verlorene 24 Stunden (ich vertrage nichts).
So war es diese Woche, denn der Wein war wirklich gut. Da konnte ich gar nicht anders als mehrere Gläser Wein zu trinken. Dazu gutes Essen, ein Schnaps für die Verdauung … Die Zigaretten des Abends habe ich nicht gezählt, aber es war ein langer Abend, oder eher Morgen. Auf die Feier ging es direkt nach acht Stunden Arbeit, acht Stunden anstrengender Arbeit, denn Freitags ist alle drei bis vier Wochen Bücherdienst.
Ich hole kistenweise Bücher, DVDs und CDs aus der Stadtbibliothek und verteile sie im Seniorenzentrum. Das ist immer eines meiner monatlichen Highlights, aber eben auch anstrengend, wenn ich den ganzen Tag über einen Bücherkarren mit mir herumschieben muss, u.A. eine Straße damit überquere und den ein oder anderen Weg doppelt laufe, weil die Bewohner nicht auf ihren Zimmern sind. Ich könnte die Bewohner natürlich auch zu mir kommen lassen, aber die Kundenbindung ist so intensiver – und man lernt die Bewohner in ihren Lesevorlieben im privaten Gespräch und mit Blick auf die Zimmereinrichtung sehr viel besser einzuschätzen. Ich kann mir zugute halten, bislang nach der dritten Lieferung nur sehr selten eine falsche Empfehlung ausgesprochen zu haben.
Kaum Zeit zum Essen und Trinken, dank Bahnstreik in der Wahl des Feierabends gehandicapt, im überfüllten Zug zurück nach Hause, duschen, Eitelkeit pflegen, Feier, viel Wein … Der nächste Tag war im Eimer – freundlich ausgedrückt. Keine Kraft für nichts. Ich hasse Familienfeste. Und ich werde alt. Dennoch, es war eine großartige Feier. Vielleicht gewöhne ich mich doch noch mal daran, zumindest wenn ich mich zukünftig an Leitungswasser halte. Höhepunkt war neben dem Spargelsalat der Gastgeberin sicherlich, als mein alter Herr es geschafft hat, eine Weinflasche umzutreten, die eigentlich außerhalb seiner Füße stand und eine Rotweinlache unter dem Garagentor hinausfloss. Am nächsten Tag waren die Mordgerüchtebestimmt Dorfgespräch Nummer 1.
Lesen sie an dieser Stelle in den nächsten Wochen: Warum ich keine Blogbeiträge wegen eines Kurztrips nach München schreiben kann, warum ich keine Blogbeiträge schreiben kann, weil ich auf der Fedcon weile und vielleicht doch noch ein Beitrag zu meinem Garten. Und um die erwartungsvollen Leser doch noch zufrieden zu stellen: Die nächsten beiden Wochenenden gibt es keinen Brotporn, aber heute habe ich noch einmal für euch gebacken. Es gibt Roggen-Dinkelbrot (rechts) und Weizenschrotbrot mit Hirse, Sesam, Leinsamen und Muskat (links).

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3 Kommentare zu „Wie eine Rotweinflasche zum Dorfgespräch wird oder: Familienfeste rauben Zeit

  1. Das Schönste an Familienfesten -die irgendwie immer alle bei mir stattfinden- ist die Zeit, wenn es vorbei ist:
    das gemeinsame, zügige Aufräumen mit dem Gatten,
    das Durchlüften des essensduftgeschwängerten Wohnzimmers,
    das anschließende heiße Duschen und das Anziehen von bequemen Klamotten
    die himmlische Ruhe im Haus
    das Einlegen einer DVD
    das frisch eingeschenkte Glas Rotwein
    das gemütliche Abhängen

    Ich liebe Familienfeste;-)

    Was machst du eigentlich mit so viel Brot? Und hast du schon das Brotrezept bei mir gesehen? Das wäre vielleicht etwas für dich.

    Viel Spass beim Kurzurlauben.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich bin nach Familienfesten nicht mehrnüchtern genug für solche Dinge und muss sofort ins Bett, gehe nicht über Los und ziehe auch keine viertausend Mark ein. 🙂 Ja, schön sind sie, aber eben leider auch immer anstrengend. Ist wie Ausdauerlauf.
      Das Brot ist jeweils absichtlich mittig aufgeschnitten, weil ich jeweils eine Hälfte in den Tiefkühler packe. So reicht es meistens für eine Woche. Wir sind hier fünf Esser, da braucht man ein wenig mehr. Das Brotrezept gehe ich gleich mal vorwitzen, vielleicht kann ich mir ein wenig Improvisationsinspiration holen. 🙂

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  2. Ich koche immer, da muss ich nüchtern sein. Außerdem wird bei uns in der Familie nur sehr wenig Alkohol getrunken…..liegt wohl am Alter;-)

    Ich habe eins noch vergessen:
    das Lästern am nächsten Tag beim Frühstück, finde ich auch gut 🙂 🙂 🙂
    Wenigstens ein bißchen…..

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