Man lernt nie aus oder: Der kleine Nils oder eingebildete Expertise

Vielen Dank nochmal an PRBC. Hier haben sie von einem neuen Buchkauf berichtet und mir gezeigt, wie viel ich doch eigentlich nicht weiß. Vielleicht habe ich wirklich einiges auf dem Kasten, aber ich bewege mich vor Allem in einem Umfeld, das mir viel positives Feedback gibt zu dem, was ich tue, sage, weiß. Für die Kolleginnen bin ich der Kollege, der alles weiß und der beim Quizduell als unbesiegbar gilt. Wenn es mal Kritik gibt, dann für Dinge, für die ich nichts kann, weil in Sozialberufen das Scheitern fast zwangsläufig Teil der Arbeit ist. Und man von Informationen, die einem nicht weitergeleitet werden, so wenig erfährt … Über meinen Job rege ich mich vielleicht ein andermal auf.
Warum hat mich ein Buchkauf aber so verblüfft? Ich habe im Rahmen eines Projekts ein Lernangenot für Kinder entwickelt, in dem es um Kindheit im Jahr 1910 geht. Auch darüber erzähle ich ein andermal mehr. Nur so viel: Teil dieses Angebots sind damals wie heute populäre Kinderbücher. Dazu gehört auch der Roman von Selma Lagerlöf. Ich habe alle verwendeten Titel recherchiert. Ich weiß, worum es in ihnen geht, weiß einiges zur Editionsgeschichte und habe mittlerweile auch die meisten gelesen. Die Geschichte des kleinen Nils ist mir also mit ihren Hintergründen geläufig, auch wenn sie zu denjenigen gehört, die ich noch nicht gelesen habe.
Umso erstaunter war ich, als ich erfuhr, dass diese Geschichte in Deutschland bislang nicht in einer vollständigen Ausgabe verfügbar war. Es kommt noch dicker: Ich kann mir 1. nie merken, wie der Titel genau und vollständig heißt und 2. wie der Protagonist richtig geschrieben wird (wie ihr eventuell bemerkt habt). Ich google den Titel deshalb recht regelmäßig und lese die ein oder andere Angabe dann nach. Schließlich kommt 3. hinzu, dass ich letzte Woche einen neuen Satz der von mir verwendeten Titel als Erwerbungsliste zusammengestellt habe und nächste Woche, nach Freigabe der Mittel, einkaufen will. Und ich habe übersehen, dass es nur eine vollständige Ausgabe gibt. Trotz intensiven Vergleichs verschiedener Ausgaben.
Man lernt nie aus, aber manchmal muss ich schon staunen, welche für einen bibliophilen Menschen wichtige Information man bei gründlicher Recherche dennoch übersehen kann – und welch freudige glückliche Zufälle es doch gibt. Deshalb nochmal danke für die Erschütterung meines Selbstbewusstseins. Das habe ich manchmal auch bitter nötig. 

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