David Mack – Zero Sum Game (Typhon Pact #1)

Ich habe ja versprochen, dass es noch mehr komische Dinge über mich zu berichten gibt. Dazu gehört sicherlich auch meine Liebe zur Science Fiction allgemein, wie auch zu diversen Franchises innerhalb der Science Fiction. Zu Star Wars habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis und genieße es als Unterhaltung, wie auch die meisten Science-Fiction-Romane, die es nur als Romanreihen gibt (an dieser Stelle mein Tipp, sich unbedingt die Orbit-Hospital-Reihe von James White zuzulegen). Wenn es ans Babylon-5-Universum geht, werde ich schon ein wenig kritischer, aber in Sachen Star Trek bin ich ein Trekkie, dessen Fanboyherz gelitten hat, als J. J. Abrams das Franchise im Kino zum Zombie gemacht hat. Andere sprechen von Wiederbelebung oder Reboot, Voodoomagie trifft es besser. Möge er in der Hölle schmoren dafür. 😉

Ich habe gewisse Vorstellungen vom Star-Trek-Universum, die Werte darin und was dort geschehen darf und was nicht. Man mag das verbohrt nennen, aber ich bin mit TOS aufgewachsen, das meine Mutter mit mir zusammen als Kindergartenkind geschaut hat. In der Grundschule haben wir dementsprechend nicht nur Power Rangers gespielt, sondern auch Pille, Spock, Kirk, Scotty. Das hat mich geprägt, da komme ich nicht gegen an.

Mit dem Hintergrund bin ich nicht so ganz glücklich über David Mack. Er hat schriftstellerisches Talent, dazu komme ich gleich noch, aber seine Ideen sind mir ein wenig zu krass. In der Destiny-Buchreihe hat er den Alphaquadranten ins Chaos gestürzt und in Flammen aufgehen lassen, weil die Borg Amok gelaufen sind. Das war ein interessantes Konzept, weil es so in den Star-Trek-Romanen zu Weiterentwicklungen kommen kann und mein tristes Trekkie-Dasein nicht von dieser Parodie auf Star Trek im Kino allein angewiesen ist. Die Geschehnisse aus Destiny sind der Ausgangspunkt für die Typhon-Pact-Reihe. Die Geschichte des Alphaquadranten wird forterzählt.

Der Typhon Pact ist ein Bündnis, das aus dem Romulan Star Empireder Tzenkethi Coalition, der Gorn Hegemony, der Tholian Assembly und dem Holy Order of the Kinshaya. Es handelt sich um einen von zwei maßgeblichen Machtblöcken im Bereich von Alpha- und Betaquadrant, der andere nennt sich Kithomer Accords Alliance und wird von der United Federation of Planets, der Cardassian Union, dem Klingon Empire sowie der Ferengi Alliance gebildet. Die Entstehung dieser Machtblöcke geschieht in dem Roman „A Singular Destiny“, den ich irgenwie übersehen habe, aber dessen Lektüre ich noch nachholen werde.

Ohne auf die Geschichte eingegangen zu sein, kann man sich denken, worum es geht: Es geht um die Politik im Star-Trek-Universum. Das fand ich schon in der Destiny-Buchreihe ganz sympathisch, denn in den diversen Filmen und Serien bekommt man zwar ein paar Einblicke, aber man ist nie nah dran. Dieser Mangel wird durch die Bücher kompensiert und es ist extrem spannend. Weiters ist es schön zu sehen, dass die etwas stiefmütterlich behandelten Machtblöcke, also Breen, Tzenkethi und Gorn, offenbar mehr Bedeutung bekommen sollen. Schließlich ist es auch schick, eine neue Gruppierung eingeführt zu haben, auch wenn ich über den Holy Order noch gar nichts weiß. Kommt Zeit, kommt Buch, kommt Rat.

Was aber bereits auf diesen Blick unschön ist, das ist die Konstellation: Zwei Machtblöcke, die sich nicht leiden können und im Kalten Krieg miteinander stehen. Das Szenario ist aus der Literatur und der Geschichte hinreichend bekannt, es sorgt für düstere Stimmung, das ständige Gefühl der Bedrohung und man wittert als Leser dauerhaft Kriegsgefahr. Kurz: Ein Setting, das mit der Star-Trek-Stimmung bricht (selbst das doch recht düstere DS9 war halt Krieg, weil eine neue fremde Macht die Föderation schlucken wollte). Diesmal scheint die Föderation aber nicht ganz unschuldig an der ganzen Sache zu sein. Zumindest wurde ich das Gefühl nicht los. Dafür gibt’s ein dickes Minus.

Jetzt aber zur Geschichte. David Mack hat bereits in Destiny bewiesen, was er kann und was ich an Science-Fiction-Autoren sehr schätze: Er kann eine Kultur schildern. Manch einer mag seitenlange Passagen, in denen man Dinge über Sprache, Lebensweise, Essgewohnheiten, Modevorlieben, etc. erfährt, ermüdend finden. Ich nicht. Ich finde sowas großartig. Vor Allem, wenn man neue Dinge lernt und wie David Mack sich die widersprüchlichen Informationen über die Breen, in Deep Space 9 nicht mehr als maskierte Erfüllungsgehilfen des Dominion, erklärt und ihre Kultur darstellt, ist grandios.

Auf der anderen Seite steht die Geschichte. Das ist ein typischer, lauer Agentenroman mit einem verblüffenden Schluss, über den ich hier nicht reden werde. Die Föderation wurde bestohlen: Die Pläne für den Slipstream Drive, der den neuen Sternenflottenschiffen technische Überlegenheit garantierte, befindet sich in den Händen der Breen. Die Föderationspräsidentin, eine ziemlich gewiefte und durchtriebene Politikerin, wie ich finde, schickt den Sternenflottengeheimdienst los, die Pläne zurückzuholen und den in Bau befindlichen Prototypen zu vernichten. Als Agenten dienen Julian Bashir und Sarina Douglas, zwei genetically enhanced humans. Sie werden von der USS Aventine unter dem Kommando von Cpt. Ezri Dax zur Grenze gebracht und gehen ihrem Auftrag nach.

Das klingt nicht bloß unspannend, das ist es auch die meiste Zeit. Davon abgesehen, dass der stets liebeskranke und ach so perfekte Dr. Bashir seit der Enthüllung über seine genetische Aufwertung schon in der Serie in erster Linie genervt hat, bekommt er eine Mission mit seinem Love Interest. Mit Cpt. Ezri Dax bin ich schon in der Destiny-Buchreihe nicht warm geworden. Insgesamt also schlechte Voraussetzungen für diesen Roman. Hinzu kommen einige handwerkliche Sachen, die mich stören. Der Roman hat in den romantischen Szenen seine Schwächen, weil sie an den unpassenden Stellen auftauchen, er ist angefüllt mit Action-Szenen, deren Ausgang vorhersehbar ist und nicht allzu große Spannung erzeugen und er neigt gelegentlich zur Naivität und zur Brutalität. Letzteres kennen wir ja schon von David Mack, der seine blutrünstigen Phantasien ausleben möchte, aber gleich zwei detaillierte Folterkapitel in einem Roman waren für meinen Geschmack doch eines zu viel. Dass die Kontrollmechanismen der Breen mal an irgendwelchen unbedeutenden Konsolen angebracht sind, dafür ein anderes Mal an wichtigen Zugangsterminals nicht, sei ihm ja noch geschenkt, auch wenn man es ein wenig konsequenter hätte durchziehen können, aber die größte Schwäche neben der insgesamt seichten Story war der Breen-Nebencharakter Nar. Am Ende des Eintrags findet sich ein kurzer Absatz, wo ich meinen Unmut über diesen Charakter äußere, als Warnung für alle, die nicht gespoilert werden wollen.

Am Ende wird es im Roman hektisch: Können unsere beiden Agenten gerettet werden? War ihr Auftrag erfolgreich? Das ist nämlich keinesfalls gesichert. Vor dem Epilog gibt es also nochmal ordentlich Adrenalin, für alle, die auf schriftliche Action stehen – da gehöre ich weniger zu. Aber das muss man Mack lassen, die Idee mit dem Schieben war pfiffig, der Epilog war ein wtf-Moment. Und dass man am Ende Mitleid mit dem armen Thot Keer hat, dem Chefingenieur auf der Breen-Basis, in der der Prototyp gebaut wird und dem man im Laufe der Geschichte immer mal wieder über die Schulter blickt, spricht zumindest in dem Fall für eine einfühlsame und gelungene Charakterzeichnung.

Am Ende steht man insgesamt recht zwiespältig da: Die Geschichte selbst ist durchschnittlich, das politische Setting ist mir zu un-trekkig, bei mancher Szene fast man sich an den Kopf. Dafür gibt es einen tiefen Einblick in die Kultur der Breen, in die intergalaktische Politik und ein Ende, das vielversprechend klingt. Damit ist der Roman wohl eher was für Hardcore-Trekkies. Oder für Freunde des 08/15-Science-Fiction-Agententrillers. Aber wenn ich mal wieder Geld für Bücher ausgeben muss, wird der Folgeband wohl dennoch dabei sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da lösen unsere beiden Helden einen Alarm in einer Überwachungszentrale aus und zufälligerweise bearbeitet das eine Breen-Dissidentin. Das sei Mack ja geschenkt. Dass Bashir und Douglas ihr so rasch vertrauen und sie denen so rasch vertraut, hat dann aber doch für Kopfschütteln für mich gesorgt. Als Dissidentin in einer Gesellschaft, die sich durch Paranoia auszeichnet, sollte man zwar Vertrauen leben, aber doch erst, nachdem man noch paranoider war als die restliche Gesellschaft. Nar verhält sich so offenherzig, dass es mir beinahe weh tat.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s