Newt Scamander – Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Ich habe euch ja versprochen, hier wird auch noch das zweite kleine Büchlein besprochen. Das reimt sich und was sich reimt ist immer gut.

Der direkte Vergleich hat diesem Werk aber leider nicht gut getan. Ohne Zweifel, für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind gilt allgemein das Gleiche, was ich bereits zu Quidditch im Wandel der Zeiten geschrieben habe. Davon abgesehen, dass ihr mit dem Kauf Comic Relief unterstützt und interessante Hintergrundinfos zur Harry-Potter-Welt liefert, ist es wie immer lustig geschrieben und spielt mit der Muggel-Welt, auf die immer mal wieder Bezug genommen wird, die uns aber ein wenig verfremdet präsentiert wird.

Joanne K. Rowling beweist insgesamt wieder einmal ihre große Phantasie, wenn sie uns endlich darüber aufklärt, was es mit den Kornkreisen auf sich hat (nix Außerirdische, ihr lieben Leute, das sind tanzende Mondkälber), dass Feen zwar wirklich hübsch anzusehen, dafür aber auch extrem eitel und gar nicht lieb sind, dass es auch in der Zaubererwelt Probleme mit Drogen (vom ohnehin grassierenden Alkoholismus abgesehen) gibt und wir bekommen ein großes Panorama der unterschiedlichen Drachen präsentiert. Darüber hinaus gibt es eine kurze Geschichte des Verhältnisses von Zauberern zu Zauberwesen und Tierwesen und man erfährt, dass Geister auch in der Zaubererwelt ganz schöne Quälgeister sind, denn als Gewesene kann man kein Wesen mehr sein. Nachvollziehbar, gell? Zusätzlicher Pluspunkt: Auch wenn es wieder mal eine Ausgabe für Muggel ist, handelt es sich hierbei um die von Harry Potter, die Albus Dumbledore hat nachdrucken lassen, inkl. der Kommentare Harrys und Rons. Die beziehen sich zwar nur auf in der Romanreihe aufgetretene Tierwesen, aber gleich unter „Acromantula“ an Rons Spinnenphobie erinnert zu werden hat zumindest bei mir für die richtige Lesestimmung gesorgt.

Die Anlage des Ganzen als Lexikon trübt den Schmökerspaß allerdings ein wenig. Durch die Normierung der Einträge tun sich schon einmal Ungereimtheiten auf. Davon abgesehen, dass es zu meinem Erstaunen im asiatischen Raum nur eine Drachenart gibt (ich hätte dort die größte Artenvielfalt erwartet), hat dieses Werk nämlich zwei inhaltliche Schwächen:

Erstens operiert es mit einer Einteilung der Tierwesen nach Gefahrenklassen. Das kennen wir aus dem Potterversum, wie es genau funktioniert und wie die einzelnen Spezies klassifiziert sind, war hingegen nur bruchstückhaft bekannt. Das war auch besser so, denn konsistent erscheint es mir von der Beschreibung mancher Spezies nicht zu sein. Sie werden als gefährlicher kategorisiert als sie es der Beschreibung nach sein dürften – aber vielleicht habe ich auch nur zu viel Zeit mit Hagrid verbracht. 😉

Zweitens geht es in dem Buch um Tierwesen. Allerdings um phantastische, bzw. magische. Newt Scamander weist uns darauf hin, dass es eine Aufgabe der magischen Welt ist, diese vor den Muggels zu verbergen, wenn sie es nicht selbstständig tun. Manchmal allerdings fragt man sich, wieso ein Tierwesen ein phantastisches sein soll. Wir kennen das ja bereits von den Flubberwürmern, die in Hagrid so große Begeisterung ausgelöst haben. Keinerlei magische Eigenschaften, sind einfach große Würmer. Statt die Gelegenheit zu nutzen, ihnen in diesem Bändchen zumindest eine Spur magischer Fähigkeiten zu verleihen, bleiben sie einfach riesige Regenwürmer, deren magischen Fähigkeiten offenbar nicht vorhanden sind. Ähnliches gilt für einige andere Wesen, wie den Lobalug, der zwar als gefährlicher gilt, weil er giftig ist, aber das war es dann auch schon.

Ich bin, um von der inhaltlichen auf die gestalterische Ebene zu wechseln, mit der Optik der Bücher schon hart ins Gericht gegangen: http://wp.me/pPQYt-1b – Das gilt alles auch für diesen Band. Der Drache auf dem Cover ist plump, sein Zähnefletschen verbindet sich mit einem Blick tiefster Verunsicherung und insgesamt sieht es doof aus. Als alter Dungeons & Dragons Spieler hätte ich gehofft, dass der Carlsen-Verlag sich ein Vorbild am Monster Manual genommen hätte, das hätte die trockenen Beschreibungen ein wenig aufgelockert. Natürlich kann man einen Eindruck von den Tierwesen bekommen, wenn ihr Äußeres beschrieben ist, doch die Beschreibungen sind notwendigerweise immer zu kurz und in der Masse irgendwann ermüdend. Jeder Eintrag mit einem gut und realistisch gezeichneten Portraitbild versehen, daneben ein Steckbrief und dann der Infotext – vielleicht sogar als Hardcover-Bändchen gestaltet, da hätte mein bibliophiles Herz gejubelt. Und dann hätte es Klaus Fritz auch verziehen, dass Newt Scamander hin und wieder wie in den Erstausgaben „Lurch Scamander“ hieß.

Das ist zugegebenermaßen Nörgelei auf hohem Niveau, deshalb gilt auch hier, was ich bereits zu Quidditch im Wandel der Zeiten schrieb:

Aber das sind natürlich nur Marginalien, das kann das Vergnügen beim Abtauchen in die Welt von Winkelgasse, Askaban und St. Mungo’s bei Weitem nicht aufwiegen, von daher: Kauft, ihr magisch Begabten, die ihr auch am Ende eures vierten Schuljahres sehnsüchtig auf die Eule gewartet habt – oder euch gewünscht hättet, dass sie aufgetaucht wäre, weil ihr schon zu alt wart, als ihr verzaubert wurdet.

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